Wermelskirchen: Statt Wurst „brutzelt“ der „Didi“
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 06.05.2008Wermelskirchen (RPO). Die Wermelskirchen-Auswanderer Anke und Dirk Leithäuser sind in Italien beim Aufbau ihrer Existenz auf neue Schwierigkeiten gestoßen. Nun sollen sie noch mal die Schulbank drücken, bevor sie Würste verkaufen dürfen. Ihre Ersparnisse reichen aber nur für maximal ein halbes Jahr.
„Si pronto?“ – („ja bitte?“), stellt sich Anke Leithäuser schon auf Italienisch am Telefon ein. Immer heimischer fühlen sich die Wermelskirchen-Auswanderer Anke und Dirk Leithäuser am Gardasee. Wäre da nicht das nicht enden wollende Warten auf die Lizenz für ihren Wurst-Wagen. Denn nun gibt es neue Hürden: Nun wird die Lizenz von einem 120-stündigen Lebensmittellehrgang abhängig gemacht, den die beiden Ex-Wermelskirchener nun erst einmal vor der italienisch-deutschen Handelskammer in Mailand ablegen müssen.
Den Humor nicht verloren
Wenn’s denn überhaupt was wird in Mailand: „Ich hoffe, die sprechen da auch Deutsch. Wenn nicht, dann müssen wir für den Lehrgang noch mal nach Deutschland zurückkommen“, befürchtet Anke Leithäuser, die aber trotz allem Hoffnung und Humor nicht verloren hat: „Gott sei Dank, ist mein Deutsch noch recht gut!“, scherzt sie. Denn sie möchte „eines Tages“ schließlich gerade die deutschen Touristen mit Curry-Wurst & Co bedienen.
Mehr von „Hasi“
Unsere bisherigen Berichte über „Hasi“ und „Didi“ sind nachzulesen unter www.rp-online.de/wermelskirchen. Wer Kontakt mit Anke und Dirk Leithäuser aufnehmen und/oder ihren Wohnwagen auf dem Campingplatz am Gardasee für einen Urlaub mieten möchte, erreicht sie per E-Mail: didi_und_hasi@hotmail.de
Doch die Zeit drängt, dass „Hasi“ und „Didi“ ihr Imbiss-Paradies endlich ans Rollen bekommen. Schließlich waren sie bereits Ostersamstag aus Wermelskirchen im Konvoi gen Italien ausgewandert und hatten sich gleich zu Beginn ausgerechnet, dass sie sich mit ihren Ersparnissen etwa ein halbes Jahr über Wasser halten könnten. Nun können Anke und Dirk Leithäuser aber nicht weiter warten, bis sie in Italien „die Schulbank“ gedrückt und ihren Lebensmittellehrgang absolviert haben. Die Rettung heißt „Marco“. Der ist der Besitzer des Campingplatz-Restaurants.
Und Marco soll nun als Einheimischer möglichst noch in dieser Woche die Lizenz für den Bratfritzen einholen, damit „Hasi“ und „Didi“ nicht mehr nur selbst in der Sonne brutzeln, sondern endlich mal die 180 aus Deutschland mitgebrachten Würste auf den Rost bekommen. Auch Vox-TV will endlich mal wieder drehen, was sich bei Anke und Dirk Leithäuser so tut.
„Dabei hätten die schon genügend Stoff gehabt, bei all’ der Bürokratie, die hier unerwartet auf uns zugekommen ist“, meint Anke Leithäuser. Ihr und ihrem Mann gehe es inzwischen so, wie es in manch einem Teil der Serien-Doku „Goodbye Deutschland“ immer so schön heißt: „Noch sind unsere Auswanderer frohen Mutes. Sie wissen ja nicht, was noch alles auf sie zukommen wird“, zitiert Anke Leithäuser aus Serien-Folgen mit ihren Leidgenossen, die ebenfalls zunächst mit der Bürokratie im fremden Land zu kämpfen hatten.
Nun gibt „Hasi“ aber die Hoffnung nicht auf, vielleicht im Laufe dieser Woche über „Marco“ die Lizenz für den Wurst-Wagen zu bekommen, um zu Pfingsten mit dem Verkauf beginnen zu können. „Hier ist Saison, alles ist voller Touristen“, sagt sie. „Didi“ habe sogar schon überlegt, an den Autoschlangen vor dem Safari-Park am Gardasee entlang zu gehen, um Getränke zu verkaufen und Speisekarten zu verteilen: „Deutscher Imbiss nach 500 Metern!“
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