Wermelskirchen: Stiller Ort für Hilfesuchende
VON JANINA LENZ - zuletzt aktualisiert: 30.09.2008Wermelskirchen (RPO). Auf den Schultoiletten im Gymnasium wird jetzt in diskretem Rahmen auf Hilfsadressen hingewiesen. Denn Jeder, der Probleme mit Schule, Eltern, Gewalt oder Sucht hat, soll wissen, an wen er sich wenden kann.
Positive Resonanz
Zwar hängen die Listen mit den angebotenen Hilfeleistungen nur auf den Schülertoiletten. Trotzdem jedoch habe es schon positive Rückmeldungen seitens des Kollegiums gegeben, berichtet Elke Bergmeister. „Die Kollegen befürworten diese Art der Unterstützung“, hat die stellvertretende Schulleiterin aus Gesprächen mit dem Lehrerkollegium im Gymnasium erfahren.
An wen kann sich ein Schüler wenden, wenn er Probleme mit seinen Eltern oder einem Mitschüler hat? Wer hilft bei Sucht- oder Gewaltproblemen? Diese Fragen stellte sich der Pädagogik-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 13 des Gymnasiums unter der Leitung von Lehrer Andreas Tuchscherer und beschloss, ein Projekt zu diesem Thema in Angriff zu nehmen. „Das Projekt gibt Schülern die Möglichkeit, sich anonym Hilfe zu holen, egal was für ein Problem derjenige gerade hat“, erläutert Katja Schmitz.
Die 18-Jährige arbeitete mit einer Gruppe an der Rubrik „Schulprobleme“, befragte interne Beratungslehrer und erkundigte sich nach Ansprechpartnern des Jugendamtes. „Dieser Jugendarbeiter kommt wöchentlich in die Schule und kann in Notsituationen beraten“, so die Schülerin.
Persönliche Hilfeleistungen
Auch die Schulleitung des Gymnasiums war sofort Ohr für das Projekt des Leistungskurses. „Das Projekt des Leistungskurses haben wir direkt positiv unterstützt“, so Elke Bergmeister, stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium. Andreas Tuchscherer habe sie angesprochen, dass bei dem bisherigen Hilfsangebot die Anonymität nicht zu einhundert Prozent gewährleistet würde: „Wir haben uns dann zusammengesetzt, um die wirklich besten Kategorien zu filtern.“ In mehreren Kleingruppen haben die Schüler des Leistungskurses Pädagogik dann ein Themenblatt mit den wichtigsten Ansprechpartnern für die unterschiedlichen Probleme zusammengestellt. Unter dem Motto „Probleme über Probleme“ finden die Schüler des Gymnasiums nun auf jeder Schülertoilette in den Kabinen ein Informationsblatt mit den angebotenen Hilfeleistungen. „Viele Jugendliche denken, dass sie mit ihren Problemen alleine sind und keine Hilfe bei ihren Eltern oder Freunden bekommen. Daher unterdrücken sie die Probleme“, erklärt Jana Zappe.
Mithilfe des Projektes sei den Schülern die Chance geboten, mit einer neutralen Person über die Probleme zu sprechen. „Wir haben für spezifische Probleme spezifische Beratungsstellen gesucht. Gegenüber einer neutralen Person fällt es leichter, sich zu öffnen und über Probleme zu reden“, so Jana Zappe. Nach rund zwei Monaten der Vorplanung wurde dann innerhalb einer Woche „Nägel mit Köpfen gemacht“, wie Elke Bergmeister berichtet: „Die Schüler haben das Projekt sehr schnell umgesetzt. Seit Anfang des neuen Schuljahres hängen die Listen jetzt in jeder Toilette.“
Wirklich anonym
Die Idee, die Schultoiletten als Ort für die Listen mit den Hilfsangeboten zu wählen, sehen die Schüler als gelungen. Katja Schmitz: „Hier ist man wirklich für einen Moment anonym und niemand bemerkt, wer sich die Nummer einer Beratungsstelle notiert.“
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