Wermelskirchen: "Stuttgart 21" auch bei uns
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 14.10.2010Wermelskirchen (RPO). Das Phänomen der Bürgerproteste nachdem alles lange beschlossen und bekannt war, kennt Bürgermeister Eric Weik nicht nur aus seiner Heimatstadt Stuttgart. Hier sieht er es beim geplanten Abzug der Polizeiwache voraus.
Über die Massenprotestbewegung gegen das Bahnprojekt "Stuttgart 21" spricht zur Zeit ganz Deutschland als ein Phänomen. Aber Bürgermeister Eric Weik, selbst in Stuttgart aufgewachsen, kann sich das Phänomen auch in Wermelskirchen vorstellen.
Denn: 15 Jahre lang war das Stuttgarter Projekt bekannt, alle Parteien hatten zugestimmt. "Es war den Bürgern aber nicht ausreichend kommuniziert worden. Und das ist auch unser Problem in Wermelskirchen, vor allem bei unpopulären Entscheidungen", weiß der Bürgermeister.
Reaktion erst wenn's akut wird
Ganz ähnlich wie bei den Stuttgarter Protesten reagierten auch die Wermelskirchener Bürger in der Regel erst, "wenn etwas akut wird oder unmittelbar vor ihrer Haustüre geschieht", hat Weik beobachtet und nennt als Beispiel die Polizeiwache.
Weiks Position
"Wenn ich noch in Stuttgart leben würde, gehörte ich ganz klar zu den Befürwortern des Projektes", sagt Bürgermeister Eric Weik.
Das Bahnprojekt sei ganz klar ein ökologisches, weshalb Bündnis 90/Die Grünen auch zunächst mit dafür gestimmt hätten, erinnert Weik. Denn durch die Verlagerung des Bahnhofes unter die Erde werde ein regelrechter Ökopark geschaffen.
Weik hofft, dass sich die Befürworter, die sich mittlerweile auch formieren, mehr Gehör und Unterstützung verschaffen können. "Denn es ist immer und überall viel einfacher, die Menschen zu mobilisieren, um gegen etwas zu sein", beobachtet Weik.
Zwar gebe es eine Unterschriftensammlung gegen den geplanten Umzug der Polizeiwache "auf die grüne Wiese", aber ein möglicher Aufschrei aus der Bürgerschaft werde seiner Beurteilung nach erst dann erfolgen, wenn die Wache auch tatsächlich geschlossen wird, meint Weik und fügt hinzu: "Im persönlichen Gespräch sagen mir die Leute zwar immer wieder, dass sie den Umzug der Polizei für einen Treppenwitz halten. Denn das wäre ja so, als ob wir mit dem Rathaus auf die Eipringhauser Felder ziehen würden."
Aber zu einer Mobilisierung der Bürger habe es merkwürdigerweise noch nicht gereicht, obwohl der geplante Abzug der Polizei doch längst in der Öffentlichkeit bekannt sei, stellt der Bürgermeister fest. Dabei sei es offensichtlich aber nicht maßgeblich, wie lange zuvor schon Entscheidungen gefällt und veröffentlicht worden seien, die Reaktionen erfolgten, wenn überhaupt, fast immer erst, wenn es eigentlich schon zu spät sei.
Doch Weik sieht die Verantwortung für diese weit verbreiterte Reaktion von Bürgern auch bei der Verwaltung und der Politik: "Wir haben ein ganz großes Problem, unsere Themen und Entscheidungen auch zu kommunizieren. Dagegen müssen wir etwas tun", betont Weik.
Eigentlich müsse professionelles Know-how von PR-Agenturen genutzt werden, um beispielsweise das große Sparpaket der Stadt kommunizieren zu können: "Aber dafür haben wir natürlich kein Geld übrig", schildert Weik die Misere. Er wisse aber, dass die Universität Wuppertal ein "tolles Konzept" entwickelt habe, wie Veränderungsprozesse mit Hilfe von Moderatoren und Diskussionsforen den Bürgern auch tatsächlich kommuniziert werden können.
Aber bei tatsächlich unpopulären Themen, wie es etwa die Outdoor-Arena gewesen sei, müsse eine Gegenbewegung manchmal einfach ausgehalten werden, meint Weik und sagt: "Politik muss auch einen starken Rücken haben. Und manchmal muss man sich auch sagen: Ein bisschen Protest halte ich jetzt eben aus."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



