Wermelskirchen: Tag der Heimat: Jugend ist nicht interessiert
VON JANINA LENZ - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010Wermelskirchen (RPO). Die Landsmannschaften hatten, wie in jedem Jahr, wieder zu ihrem Tag der Heimat eingeladen. Aber die Resonanz bei den Jüngeren war diesmal gering. "Es ist wirklich schade, aber leider sind immer weniger Leute hier. Die Alten sterben aus, und von den nächsten Generationen interessiert sich niemand für früher," sagte Franz Neubauer und sah sich im nicht ganz voll besetzten großen Saal des Bürgerzentrums um: "Hier sind wirklich nicht viele junge Menschen," bedauerte er. Doch der 81-Jährige feierte im Kreise von rund 150 Besuchern am Samstag den Tag der Heimat. Die überwiegend älteren Gäste der Landsmannschaften von Pommern, Sudeten, Ost- und Westpreußen und Schlesien gedachten ihrer Herkunft, und viele nutzten die Zeit, um sich über die Zeit vor der Flucht und dem Neuanfang zu unterhalten.
60 Jahre nach der Vertreibung
"Wir feiern in diesem Jahr zum 60. Mal den Tag der Heimat. Das ist ein besonderer Anlass", erklärte Herbert Kaluscha, der den Tag der Heimat in diesem Jahr mit der Landsmannschaft der Schlesier organisierte. Kaluscha las aus der am 5. August 1950 in Stuttgart-Bad Cannstatt verfassten Charta der Heimatvertriebenen. Darin wird unter anderem der der Verzicht auf Rache und Vergeltung für die Vertreibung festgehalten, das Schaffen eines geeinten Europas und die Beteiligung am Wiederaufbau Deutschlands und Europas manifestiert. Darüber hinaus wird ein "Recht auf Heimat" gefordert, das ein von "Gott geschenktes Grundrecht der Menschheit" sei, und seine Verwirklichung gefordert. Kaluscha kommentierte dies: "Das Interesse ist nicht mehr da, wir müssen uns damit abfinden. Aber vergessen dürfen wir nicht."
Deshalb nutzten die Landsmannschaften den Tag der Heimat, um besondere Persönlichkeiten aus ihrer ehemaligen Heimat vorzustellen. Dazu gehören Chirurg und Schriftsteller Carl Ludwig Schleich (Pommern), Bauernbefreier Hans Kudlich (Sudeten), Tierforscher Heinz Sielmann (Ost- und Westpreußen) und Schriftsteller Josef Freiherr von Eichendorf (Schlesien).
Auch bei der Kranzniederlegung am Mahnmal am Sonntag erinnerten viele Grußworte an die 60 Jahre zurückliegende Vertreibung. "Allerdings ist hier am Mahnmal nirgendwo ein Datum eingefasst. Das ist sehr schade und wäre zur Erinnerung doch wünschenswert", meinte Herbert Kaluscha.
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