Wermelskirchen: WiW als Unternehmerberater?
VON GUNDHILD TILLMANNS - zuletzt aktualisiert: 31.03.2009Wermelskirchen (RPO). Die Bürgermeisterkandidaten wollen die Wirtschaftsförderung möglicherweise privatisieren und an den Stadtmarketingverein abgeben. Doch WiW-Geschäftsführer Niehaves sagt Nein: Es fehlten die richtigen Leute.
Gerade in Zeiten der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise ist die Förderung der lokalen Wirtschaft umso notwendiger: Das haben die Bürgermeisterkandidaten Hans-Dieter Husfeldt und Ulrich Kowalewski erkannt und in ihren Wahlprogrammen niedergelegt. Der unabhängige Kandidat Kowalewski will die städtische Wirtschafts- und Tourismusförderung privatisieren und in Kooperation mit dem Stadtmarketingverein WiW in eine GmbH umwandeln.
Der Kandidat der CDU und SPD, Husfeldt, will die Wirtschaftsförderung im Falle seiner Wahl zur Chefsache des Bürgermeisters machen. Aber auch Husfeldt schließt eine Privatisierung der Wirtschaftsförderung nicht aus. Kowalewski würde allerdings dem Verein WiW die Wirtschaftsförderung, die derzeit bei der Stadtverwaltung liegt, nur dann übertragen wollen, wenn dort personell und finanziell aufgestockt werden könnte: "Ich würde einen Teil des derzeitigen Wirtschaftsförderungsamtes zu WiW ausgliedern, denn dafür würde dort jemand gebraucht, der sich in der Verwaltung und der Betriebswirtschaft auskennt", sagt der Bürgermeisterkandidat. Er könne sich für solch eine Lösung die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft als Vorbild vorstellen. Doch Heinrich Niehaves, der ehrenamtliche Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, sagt ein klares "Nein" zu einer Übertragung der Wirtschaftsförderung an "seinen Verein" zum jetzigen Zeitpunkt. "Dazu wäre WiW personell und finanziell nicht in der Lage. Das Wirtschaftsförderungsamt ist ein ganz wichtiges Amt für Wermelskirchen, so etwas kann ein Verein nicht leisten", sagt Niehaves. Eine Übertragung an WiW wäre nach seiner Einschätzung nur machbar, "wenn ganz viel passieren würde", und Niehaves fügt hinzu: "Dafür braucht man dann aber auch die richtigen Leute."
Kein Wirtschaftsplan
WNKUWG-Fraktionsvorsitzender Henning Rehse sieht eine Ausgliederung der Wirtschaftsförderung positiv. Er wisse nur nicht, ob WiW das Vertrauen ausgesprochen werden könne: "Wir haben bis heute den Wirtschaftsplan 2008 von WiW nicht zu sehen bekommen", erinnert Rehse an diesbezügliche Anforderungen des Haupt- und Finanzausschusses und der Fraktionsvorsitzenden. "Wenn WiW die Wirtschaftsförderung übernehmen soll, dann müsste der Verein erst mal einen Businessplan und die Fachlichkeit beim Personal für diese Aufgabe nachweisen", sagt Rehse.
"Keinen Frühstücksdirektor"
Bürgermeister Eric Weik ist strikt gegen eine Übergabe der Wirtschaftsförderung an den Stadtmarketingverein: "Die Unternehmer brauchen keinen Frühstücksdirektor!" Das städtische Wirtschaftsförderungsamt sei nicht durch einen Verein zu ersetzen, meint Weik. Denn es biete von der Fachlichkeit her erstens Verwaltungs- und zweitens betriebswirtschaftliches Personal, außerdem sei besonders wichtig, dass dort im Haus an einer Stelle alles für die Unternehmer zusammengeführt werde: "Man kann von den Unternehmern nicht verlangen, dass sie sich in den Ämterdschungel begeben, das muss der Wirtschaftsförderer hier im Hause für ihn tun, der sich damit auch auskennt", sagt der Bürgermeister.
Heinz Schmitz, der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, könnte sich eine Ausgliederung des Amtes schon wegen der kurzen Wege im Rathaus nicht vorstellen: "Es kommt oft vor, dass ein Unternehmer bei mir sitzt, und eine Frage taucht auf. Dann kann ich sofort die entsprechenden Mitarbeiter aus dem Haus hinzurufen. Und dem Unternehmer wird hier sofort geholfen", betont Schmitz.
Nur 18 Prozent Wirtschafts-GmbHs
Schmitz weist darauf hin, dass in den Städten und Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern nur 18 Prozent der Wirtschaftsförderungseinrichtungen als GmbH geführt werden. Bei Städten und Kreisen gemeinsam läge die GmbH-Rate bei 29 Prozent, wie eine Studie der ExpertConsult belege.
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