Wermelskirchen: Wohnen wie im Urlaub
VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 22.10.2007Wermelskirchen (RPO). Die Familien im Neubaugebiet „Auf dem Kamp“ fühlen sich dort wohl. Doch es hakt. Vieles könnte bürgerfreundlicher im Rathaus gehandhabt werden. So haben Bürger viele Planungsfehler ausgemacht.
Flott fährt das Auto auf der Ringstraße um die Kurve und hält mit leicht schneller werdendem Tempo auf den verkehrsberuhigten Bereich des Wohngebietes zu. Dann wird abgebremst – Kinder stehen auf der Straße. „Sehen Sie. Das ist das Problem. Warum wurde nicht von der Einfahrt das Neubaugebiet als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen?“ Ralf Schmitz schüttelt nur den Kopf über die Entscheidung der Politiker. Seine Nachbarn bestätigen ihn.
„BM-Sonntagstreff“ im Neubaugebiet „Auf dem Kamp“. Claus Kinnert vom „Café Snack-Mobil“ serviert frischen Espresso, Cappucino oder Ciocolada, die Kinder sitzen auf den Bänken und malen, während die Eltern erzählen, was sie auf dem Herzen haben. Gerast wird im Wohngebiet. Nicht nur von Auswärtigen. Das wissen auch die Anlieger. „Am liebsten wären mir noch zusätzlich Kölner Teller“, so ein Neubürger aus dem Schwabenland.
CDU-Vertreter dabei
Mit Else Hahn (Ex-Stadtverordnete) und Heinz-Jürgen Mehrhoff (Stadtverordneter) diskutierten zwei CDU-Politiker mit Anwohnern. Sie nahmen viele Anregungen mit. Mal abwarten, was nun geschehen wird.
Dass jede Menge Planungsfehler gemacht wurden, zeigt Schmitz auf. „Am Anfang des Wohngebietes liegt der Spielplatz. Wenn die Kinder den verlassen, ist dort kein verkehrsberuhigter Bereich. Obwohl da die einzige längere ebene Fläche ist, wo sie skaten oder Radfahren können.“ Ein anderes Beispiel: Im unteren Bereich der Straße „Auf dem Kamp“ liegen die Häuser einen Meter unter dem Straßenniveau. Höher gesetzt werden durften die Häuser nicht. „Da fasse ich mir doch an den Kopf.“ Nachbarin Andrea Noc ergänzt: „Wenn wir die Auflagen erfüllen würden, den natürlichen Geländeverlauf wieder herzustellen, müssten ich meinen Kindern eine Bergsteiger-Ausrüstung kaufen, damit sie in den Garten können.“
„Willkür und Geldschneiderei“
Schlechte Erfahrungen mit der Verwaltung haben auch Wolfgang und Margit Ramminger gemacht. „Wir wollten einen Gartenschuppen für Spielgeräte und Räder aufstellen. Im B-Plan ist dies nicht erlaubt.“ Er musste einen Befreiungsantrag für 150 Euro stellen und bekam dann Auflagen, wie zum Beispiel die Dachabdeckung sein musste. „Nirgends gibt es dieses Gesetz. Beides sehe ich als Willkür und Geldschneiderei an. Wenn sowieso eine Befreiung erteilt wird, hätte man das auch im B-Plan ändern können.“ Denn: Keine 50 Meter Luftlinie weiter im alten Wohngebiet Gartenfeld gibt es diese Auflagen nicht.
Ralf Schmitz setzt noch einen drauf: „Im B-Plan steht: Es darf kein Natursteinklinker, kein Schiefer oder eine bestimmte Farbe genommen werden. Hier sieht man jetzt alles. Was ich gut finde. Denn wir wollen kein Legoland sein, wo alles gleich aussieht. Aber warum müssen wir Bauherren immer erst eine Ausnahmegenehmigung einholen? Das ist zeitaufwändig. Und kostet viel Geld und Energie.“
Dennoch genießen alle das Leben in der neuen Siedlung. Beatrix Grunewald und Andreas Möller gehören mit zu den ersten Häuslebauern. „Wir fühlen uns wohl hier Das ist ein Wohnen wie im Urlaub.“
Freunde aus Dabringhausen haben vor fünf Jahren Beate Wichmann auf das neue Baugebiet aufmerksam gemacht. „Das ist schon eine andere Lebensqualität als in Wuppertal. Wir möchten nie mehr weg“, sagt sie. Und Kira und David nicken. Erst vor einigen Wochen hat Wolfgang Prison (58) mit Frau das Haus bezogen. Die Kinder sind groß, und er wollte weg aus Leverkusen. „Hier ist es ruhig, aber lebhaft. Das wollte meine Frau so. Wir sind begeistert vom Bergischen.“
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