Hitdorf (RP) Der Buchbindermeister Günter Fiedler setzt in der Reihe "Edition schrääge Bücher" auf Unkonventionelles. Bei der Kunstnacht stellt er den Besuchern vollendete und angefangene Werke (in verschiedenen Stadien) der Reihe vor.
Ein ganz schön schräger Typ: Den rechten Winkel lässt Günter Fiedler für seine "Edition schrääge Bücher" absichtlich außer Acht. RP-Foto: Uwe Miserius
Der Blick auf den Strom wirke ungeheuer inspirierend auf ihn, sagt Günter Fiedler. Seit einem guten Jahr bewohnt der Künstler und gelernte Buchbindermeister ein Häuschen mit Rheinblick nördlich der Hitdorfer Fähre. "Atelier 706" hat er die kreative Heimat genannt, weil sie fast genau an diesem Rheinkilometer steht. Beim Blick auf das ewig vorbeiziehende Wasser kam Günter Fiedler eine ziemlich schräge Idee.
Während er von Berufs wegen normalerweise peinlich genau darauf achtet, dass alle Bücher präzise im rechten Winkel geschnitten sind, hat er nun eine Serie begonnen, bei der genau das nicht der Fall ist. Alle Druckexemplare, die er dazu verwenden will, hat er zunächst einmal mit der Schneidemaschine unten abgeschrägt. Dann nahm er sich die Freiheit, ein neues Impressum-Blatt vor die erste Seite zu setzen, das dieses Einzelstück als Teil der "Edition schrääge Bücher" ausweist. Er hat dazu das jeweils passende Papier zum Buch ausgesucht und das so fein eingepasst, dass der Eingriff nicht auf den ersten Blick auffällt – kein Problem für ihn, denn der Mann ist vom Fach.
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Passendes Programm
Info Günter Fiedler hat auch für das passende Programm zur Präsentation seiner Kunst-Edition in Progress gesorgt. Um 20 Uhr und um 21 Uhr singt im Atelier 706, Stromstraße 2, der Kölner Chor "Schräglage". Weil ihre Liedermischung "Grüntöne" überschrieben ist und alle Sänger in Grün erscheinen, gibt es am 30. Oktober Grünkohl zu essen.
Auf dem Deckblatt wird der Leser außerdem darauf hingewiesen, der Seite 69 ganz besondere Beachtung zu schenken. Dort nämlich hat sich der Künstler selbst verewigt, egal ob es sich bei dem individuell gestalteten Exemplar um einen Krimi, einen Weinführer oder um einen Kunstbildband handelt. Vor dem japanischen Meister Katsushika Hokusai hatte er immerhin so viel Respekt, dass er seine eigene Zeichnung versteckte unter dem aufgehefteten Nachdruck von dessen Holzschnitt. "Ich sage mal, es ist meine Lieblingszahl", erklärt Fiedler, dass er immer die Seite 69 wählt, selbst dann, wenn das Buch schon auf Seite 62 zu Ende ist. Wie die Bildergeschichte von Peter Kaczmarek, dessen schräger Humor gut zu Fiedlers Idee passt. Der Buchbinder fügte eine Seite (mit der Nummer 69) und hinterließ seine Zeichnung, die allen anderen gleicht. Die Idee dazu könnte ihm tatsächlich in leichter Schräglage gekommen sein, denn zunächst musste er eine Flasche Sekt öffnen, um aus dem Draht über dem Korken eine flache Figur zu formen, die er in die "Edition schrääge Bücher" zeichnete. Er fädelte noch Perlen aus Holz oder Glas auf als Symbol für Farbigkeit.
Er hat schon welche in Filz vorbereitet, die für einen Kunstband von Joseph Beuys gedacht sind. Das Werk ist noch nicht abgeschlossen, das ist es erst wenn alle 69 Bücher fertig sind, für die Fiedler extra ein Regal angeschafft hat. In der Kunstnacht können Besucher die Geschichte der Serie nachvollziehen, fertige und angefangene Arbeiten in verschiedenen Stadien ansehen und dabei über die Schrägheiten des Lebens philosophieren.
Quelle: RP