Manfort (RP) Bei einer Podiumsdiskussion vor Schülern fiel Sozialdemokrat Lauterbach durch, während CDU-Mann Portz zulegte. Die Gymnasiasten wünschen sich deutlich weniger Streit, mehr Antworten und bessere Informationen.
Bundestagskandidaten: v.l. Manuel Lindlar (Die Linke), Professor Karl Lauterbach (SPD), Benedikt Vennemann (FDP), Dr. Thomas Portz (CDU) und Ulrike Kessing (Grüne). RP-Foto: UWe Miserius
Vielleicht war es ganz gut, dass Professor Karl Lauterbach das Ergebnis der Abstimmung nicht mehr mitbekam, weil er zu seinem nächsten Termin musste. Denn während der Podiumsdiskussion mit weiteren Bundestagskandidaten war er in der Gunst der angehenden Abiturienten des Lise-Meitner-Gymnasiums schwer abgestürzt. Stimmten zu Beginn des Termins noch 28 Schüler für den prominenten SPD-Mann und Fliegenträger (immerhin 19,9 Prozent), waren es anschließend nur noch 19 (13,4 Prozent). Ausgerechnet sein ärgster Konkurrent Dr. Thomas Porz (CDU) legte in der Gunst mächtig zu: von 22 (15,6 Prozent) auf 43 (30,3 Prozent).
Wechsel von Lauterbach zu Portz
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Reaktion
Seinen Punktsieg bei der Diskussion nahm Portz äußerst gut gelaunt zur Kenntnis. "Damit habe ich nicht unbedingt gerechnet", räumte er ein. Überzeugt ist der Christdemokrat, dass Lauterbach (gewann vor der letzten Wahl die Schülerabstimmung) auch beim eigentlichen Urnengang Verluste wird hinnehmen müssen.
Timo Fuhrmann war einer derjenigen, die direkt vom Lager des Sozialdemokraten zu dessen Herausforderer überliefen. "Er hat mich überzeugt", begründete er diese Entscheidung. Insgesamt aber kritisierte der Zuhörer die Beiträge der Kandidaten von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linkspartei. "Mir war vieles zu schwammig. Auf die Fragen wurde nur ausweichend geantwortet", sagte er. Lucas Niemeyer stieß ins selbe Horn. "Außerdem ging es mir zu sehr um den Konkurrenzkampf und zu wenig um die Themen, die uns junge Menschen interessieren", ergänzte er.
Minuspunkte machte Lauterbach bei beiden Schülern durch seine Ausführungen zur Beachtung der Jungwähler, die er allerdings als Appell an die Schüler verstanden wissen wollte, wählen zu gehen und damit den eigenen Stellenwert bei den großen Parteien zu stärken. "Je höher die Wahlbeteiligung in Ihrer Altersgruppe, desto mehr finden Ihre Themen auch Berücksichtigung. Etwas anderes zu behaupten, wäre gelogen", sagte der Bundestagsabgeordnete und -kandidat der SPD.
Verluste mussten zwischen Start und Abschluss der Veranstaltung im LMG auch FDP-Vertreter Benedikt Vennemann (von 18 auf 12 Stimmen) und Ulrike Kessing (Grüne) hinnehmen. Die einzige Frau auf dem Podium ging mit 57 Anhängern (40,4 Prozent) in die Diskussion und erhielt im zweiten Wahlgang "nur noch" 38 Stimmen, obgleich sie mit einem Ergebnis von 26,8 Prozent bei der Bundestagswahl gut leben könnte. Gepunktet hat neben Portz auch Manuel Lindlar von der Linkspartei, deren bundesweit jüngster Kandidat der 21-jährige Heilerziehungspfleger ist und der sein Ergebnis von 13 auf 28 mehr als verdoppelte.
Lucas und Timo hatten abschließend noch eine Bitte an alle Parteien. "Ich würde mir mehr Informationen über die Ziele wünschen. Bei der Kommunalwahl wusste ich leider nur über das Programm von Pro-NRW Bescheid. Und das sollte so sicher nicht sein", sagte Fuhrmann.
Quelle: RP