Leverkusen: Die neue Zukunft des Chemparks
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 19.11.2009Leverkusen (RP) Mit einem der größten Chemieparks Chinas hat die Currenta gestern einen Kooperationsvertrag geschlossen. Neben der Brücke zum Wirtschaftsmotor China setzt der Chempark auf innovative Werkstoffe als Basis für den Aufschwung.
Chempark in Zahlen
Investitionen der Chemparkfirmen 2009: eine halbe Milliarde Euro
Mitarbeiter: 30 000, davon bei Bayer: 8350, bei Currenta: 2000, bei Lanxess: 3900, bei übrigen Chemparkpartnern: 9600 bei Fremdfirmen: 9000.
Azubis: 1036 (Bayer. 554, Lanxess: 97, Currenta: 136)
Ernst Grigat ist ein Geheimniskrämer. Als der Leiter des Chemparks und des Geschäftsfelders Chempark-Management kürzlich eine Schar Journalisten zum jährlichen Abendgespräch in den Chempark lud, hat er viele Daten zum Park bekanntgegeben, ein Datum aber nicht. Nämlich, dass der Chemparkbetreiber Currenta gestern im chinesischen Nanjing einen Partnerschaftsvertrag mit dem dortigen Chemieparkbetreiber zu unterzeichnen gedachte.
Nun stehen die Unterschriften von Dr. Klaus Schäfer, Vorsitzender der Currenta-Geschäftsführung, und des Verwaltungsrates des chinesischen Partners auf den Papieren – bezeugt von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der gerade mit Wirtschaftsleuten China bereist. Damit baut die Currenta eine Brücke aus NRW (hier betreibt sie neben dem Leverkusener die Chemparks in Dormagen und in Krefeld-Uerdingen) zu einem der drei größten Chemie- und Industrieparks Chinas. Klaus Schäfer beschrieb: "Wir freuen uns auf diese Kooperation, die zwei großen Playern im Markt einen fundierten Erfahrungsaustausch ermöglicht."
15 Millionen für Entsorgung Bürrig
Austauschen will man künftig Wissen – auch in Form von Mitarbeitern, die vorübergehend Einblicke in den jeweils anderen Park bekommen könnten, oder in Form von Schulungen. Grigat formulierte in China: "Diese Brücke eröffnet uns auch Kontakte zu anderen chinesischen und ausländischen Produktionsgesellschaften, die in die Zukunft Europas investieren möchten."
Dafür, dass die europäische Zukunft asiatischer Unternehmen etwa im Chempark Leverkusen liegen könnte, tut dieser einiges. Mittlerweile ist die alte Kaimauer für 4,5 Millionen Euro so aufgerüstet, dass größere Frachtschiffe anlegen können. In die Modernisierung der biologischen Abwasserreinigung im Entsorgungszenturm Bürrig investiert Currrenta 15 Millionen Euro. Vor allem die Einleitung von Stickstoffverbindungen in den Rhein soll so um 40 Prozent reduziert werden. Noch in diesem Jahr wird ein weiteres, das vierte Nachklärbecken, gebaut. In einem Jahr soll die Sanierung in Bürrig beendet sein.
Bis dahin will auch der Kabelhersteller nkt cables das laut Grigat "modernste Kabelwerk" Europas im Chempark gebaut und seine Mitarbeiter samt Produktion komplett von Köln in den Park verlagert haben. Dafür baut nkt für 120 Millionen Euro derzeit auf 84 000 Chempark-Quadratmetern. Die Produktion soll Ende dieses Jahres anlaufen.
Keimzelle innovativer Werkstoffe
Die größte Herausforderung, die nicht nur für die Firmen im Park des neuen chinesischen Partners interessant sein dürfte, bringt den Chempark ein bisschen weg von der klassischen Chemie. "Innovative Werkstoffe" aus dem Bereich Bio-, Nano- und Mikrotechnologie sollen das Schlüsselthema der Chempark-Zukunft werden. "Leverkusen ist eine Keimzelle für innovative Werkstoffe. Wir streben ein Netzwerk mit Unternehmen, Verbänden und Hochschulen an. Achse Dortmund – Aachen", sagte Grigat. Der Chempark habe die Koordionation des Netzwerkes vorerst übernommen, langfristig soll sich die Wirtschaftsfördeurng um das zukunftsträchtige Thema kümmern.
"Die Epoche der neuen Kunststoffe neigt sich dem Ende zu", aber für Querschnittstechnologien, also die Verbindung von Kunststoffen und anderen Stoffen, sei die Zeit erst angebrochen. Sie könnten etwa Verwendung finden in der Biomedizin und in der Autobranche. Grigat: "Innovative Werkstoffe sind die Basis für neuen Aufschwung."
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