Leverkusen (RP) Menschliches Versagen war offenbar die Ursache für den Unfall, bei dem letzte Woche ein Teil der Decke des ECE-Parkhauses herabstürzte. Seit Montag wird aufgeräumt, bauaufsichtliche Konsequenzen soll es nicht geben.
Blick vom City-Hochhaus auf die ECE-Baustelle: Mit einem Colonia-Spezialkran wurden Stahlträger und andere Dachaufbauten aus dem Bereich der eingestürzten Decke(rechts unten) gehievt. Oben zu sehen: die Etagen des „Mini-Rathauses“. Foto: RP, Uwe Miserius
Wiesdorf "Modernste Kranfahrzeuge heben alles, was Ihnen zu schaffen macht." Mit diesem Spruch wirbt der Spezialkran-Anbieter "Colonia" auf seiner Homepage. Einer der schweren Teleskop-Kräne des Unternehmens steht seit gestern auf der Wiesdorfer ECE-Baustelle – und hebt dort Teile, die nach dem Deckeneinsturz tatsächlich diversen Leuten einiges zu schaffen gemacht haben dürften.
Die Ursache für den Unfall steht nach Auskunft von Klaus Seggewiß (städtische Bauaufsicht) eindeutig fest: Es war demnach offensichtlich menschliches Versagen. "Die Überprüfung hat ergeben, dass so genannte Sicherheitsversteifungen im Trägerbereich vergessen worden sind", erläuterte Seggewiß gestern auf Anfrage. Deshalb sei einer der Auflieger geknickt und habe so Teile der Stahlträgerkonstruktion ins Rutschen gebracht.
Info
ECE-Daten
ECE gibt über seine Shopping-Center folgende Zahlen bekannt:
- 114 im Management
- 21 in Bau und Planung
- 12 000 Mieterpartner
- 3 500 000 Quadratmeter Verkaufsfläche
-13,1 Milliarden Euro Umsatz
-2,75 Millionen Besucher pro Tag in allen Centern zusammen.
Seit gestern läuft der Abbau jenes Deckenbereiches des ECE-Parkhauses, der in der Nacht von Montag 16., zu Dienstag, 17. November, auf ein darunter liegendes Parkdeck stürzte. Da der Unfall sich nachts ereignete, war niemand verletzt worden. Ein Anwohner, der direkt gegenüber dem Gebäude lebt, berichtete gestern jedoch von einem "explosionsartigen Knall", der ihn seinerzeit um 4.22 Uhr aus dem Bett gejagt habe. "Ich dachte erst, da sei jemand mit dem Auto ins benachbarte Juweliergeschäft gekracht", erzählte er. Erst auf den zweiten Blick habe er gesehen: "Mensch, das ist drüben bei der Rathausgalerie."
Versicherungsfall
Nahaufnahme der Unglücksstelle: Nach ECE-Angaben wurden die weißen Planen nicht als Sicht- sondern als Windschutz angebracht. Ein Fotoerlaubnis von der Unglücksstelle erteilte ECE nicht. RP-Fotos: Uwe Miserius
Laut ECE-Centermanagerin Katrin Becker ist das Ganze ein Versicherungsfall, für den die ausführende Firma wohl aufkommen muss. Weitere bauaufsichtliche Konsequenzen soll es nicht geben, ergänzt Klaus Seggewiß: "Wir haben zwar das Amt für Arbeitschutz eingeschaltet", räumt er ein, "aber solche Dinge passieren auf Baustellen immer wieder mal." Da niemand zu Schaden gekommen sei, gebe es auch keinen Grund für weitere Maßnahmen.
Während der Baubetrieb in den anderen Bereichen weiterläuft, werden auf dem betroffenen Parkdeck nun zunächst die Einzelteile abtransportiert. Erst das herabgestürzte Material, dann die Deckenträger. Auch ein sich darunter befindender Technik-Kasten soll angeblich abgebaut werden. Alle Arbeiten laufen zurzeit hinter einer großen Schutz-Plane ab, die an den Außenbefestigung des Parkhauses angebracht ist und die Sicht auf den Unfallbereich versperrt. Das sei aber kein Sicht-, sondern ein Windschutz betont Katrin Becker, der die Aufräumarbeiten erleichtern solle.
Wie geht es nun weiter? Das Gutachten des Prüfsachverständigen liegt nach Auskunft der städtischen Bauaufsicht mittlerweile vor, ebenso das Konzept für den Rückbau, "anschließend kommt ein weiteres Konzept für die Schadensbeseitigung". Klingt nach jeder Menge Zusatzarbeit. Dennoch wird es nach den Worten von Managerin Becker keine Verzögerung des Gesamtprojekts geben. Sie verspricht: "Wir werden pünktlich eröffnen."
Weitere Fotos zu diesem Thema
Quelle: RP