Leverkusen: Ersaufendes Schmatzen
VON OLAF WEIDEN - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009Leverkusen (RP) Gewöhnungsbedürftig waren die Vorträge beim Jazztage-Abend mit dem Titel "Future Sounds". Die Zuhörer wurden akustisch und elektronisch berieselt.
Sphärenklänge mit großer Lichtshow: Sogar die Paukenschläge des Schlagzeugers Audun Kleive in der Band des nordischen Trompeters Nils Petter Molvaer klangen wie hallige Böllerschüsse eines Feuerwerkers. Manche so betitelten "Future Sounds" auf den Leverkusener Jazztagen stammten aus der fernen Vergangenheit.
Kraft der Wiederholung
Ohne Stuhl konnten die Besucher des Konzertabends gar nicht auskommen. Sowohl Karl Seglem mit seinem Folk-Jazz als auch Molvaer mit seinem Elektronik-Schwall setzen auf die Kraft der Wiederholung: Die sich kreisenden Motive und der gleichbleibende Fluss der Musik können Wunder wirken, besonders bei Schlafstörung. Der Abend brachte sozusagen zwei Varianten norwegischer Traditionsbewältigung, eine akustische und eine elektrische Berieselung.
Sax World
Der heutige Abend bei den Leverkusener Jazztagen ist vor allem dem Saxofon gewidmet. Dementsprechend steht er unter dem Motto "Sax World". Es spielen die WDR-Big Band sowie Bill Evans, Dave Weckl und Mark Egan sowie Candy Dulfer&Band. Beginn ist um 19 Uhr. Karten: 39 Euro (Vorverkauf) bzw. 45 Euro (Abendkasse).
Dabei bot das Quintett des Saxophonisten Karl Segem die lebendigere Präsentation. Die Bühnenbeleuchter ließen ständig wogende Wasserwelten auf den hinteren Transparenten zischen, dieses Bild passte in jedem Moment des Vortrags. Ob Seglem auf dem Sax quietschte wie ein Schwarm hungriger Möwen oder ob er in Wikingermanier in ein altes Horn blökte, der Rhythmus schwappte immer weiter, denn "alles fließt", wie wir wissen. Sehr folkloristisch wirkte natürlich auch die Fiddel von Hakon Hogemo in diesem sanften Konzept.
Drastischere Töne tischte dann Molvaer aus Laptop und Trompete auf, da brachte sich mancher Jazzfan aus alten Tagen in Sicherheit. Molvaer knutscht an seinem Mundstück herum und lässt das Schmatzen dann in Hall ersaufen. Das macht er schon seit zwanzig Jahren und findet immer neue Fans für diese Soundatmo, die mit dem fleißigen Lichtspiel der Saalbeleuchter manchmal an antike Lasershows mit der Musik von Jean Michel Jarre erinnerte – ohne Musik und Licht synchronisiert zu sehen. Gitarrist Eivind Aarset, dessen Haartracht so aussah, als sei er beim Soundtüfteln mit dem Finger in die Steckdose gekommen, fummelte intensiv am Boden, bevor er zur Gitarre griff. Ein Knistern und Brummeln war wohl seine musikalische Ernte.
Drei junge Kölner hatten mit ihrer Musik im letzten Jahr die Competition für sich entschieden und durften im Forum den Auftakt auf der großen Bühne bestreiten. "Three Fall" entzückten das Publikum als Eisbrecher mit der ungewöhnlichen Besetzung Saxophon, Posaune und Schlagzeug. Die kleine Band groovte vorbildlich, sie zog sogar musizierend von der Bühne – unter rhythmischem Klatschen des gesamten Saales. Wieder waren sehr originelle Gruppen im Agamsaal zu bewundern, so die frischen und herzlichen Popjazzsongs der Hannah Köpf-Band – leider mit wenig Publikum.
Eivind Aarset hat an dem Abend möglicherweise die Finger in der Steckdose gehabt. Wie Herr Weiden das recherchiert hat, ist mir jedoch ein großes Rätsel. Eivind Aarset befand sich an dem Abend...
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