Leverkusen (RP) "Tutu revisited" nennt Weltklasse-Bassgitarrist Marcus Miller sein an Miles Davis angelehntes Programm. Für die Leverkusener Jazztage bedeutete sein furioses Konzert einen Start, wie er besser kaum hätte ausfallen können. Doch nicht nur im Forum gab es Highlights: Pat Appleton begeisterte im "Scala".
"Miles and more", betitelte Manager Eckhard Meszelinsky den ersten Abend im Epizentrum der 30. Leverkusener Jazztage. In der Tat nahm manch einer der Zuhörer im beinahe vollbesetzten Foyer des Forums mehr wahr als nur die Musik in Erinnerung von Marcus Millers Schaffensperiode mit der Jazz-Legende Miles Davis. "Hier muss das Zentrum eines Erdbebens sein", meinte eine Zuhörerin. Denn Miller ließ die Klänge seiner elektrischen Bassgitarre so laut und eindringlich aussteuern, dass die Wände zu wackeln schienen und es in der Magengegend schon mächtig grummelte.
Von nennenswerten Schäden kann dennoch nicht berichtet werden. Ganz im Gegenteil: Die Erinnerung, die Miller mit seinen funkigen Interpretationen von Miles-Davis-Stücken bot, kam beim Publikum, das auch weite Anreisen nicht scheute, enorm gut an. Selbst Autos mit niederländischen Kennzeichen waren in der Tiefgarage des Forums abgestellt. Fahrten von Dortmund oder Frankfurt waren manchem Miller- beziehungsweise Miles-Fans nicht zu weit. Die mitunter von weither angereisten Jazztage-Besucher sorgten für ein fast ausverkauftes Haus, das Meszelinsky sichtlich zufrieden stimmte.
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Heute "Future Sounds"
Auf der Forum-Bühne geht es heute weiter mit dem "Future Sounds"-Abend: Mit dabei sind der norwegische Trompeter, Komponist und Produzent Nils Petter Molvaer, Folk-Tenorsaxophonist Karl Seglem und die "Future Sounds"-Wettbewerbsgewinner "The Fall". Beginn ist bereits um 18.30 Uhr. Weitere Konzerte gibt es im Scala und im "topos". Alle Informationen unter:
www.leverkusener-jazztage.de
"Ins Scala kommen Leverkusener"
Am Vortag noch, während der Aufwärmparty im Opladener Scala, war's nicht ganz so voll. "Ins Scala kommen halt eher nur Leverkusener", berichtete Meszelinsky. Der Jazztage-Organisator gab sich da noch verhalten optimistisch: "Der Vorverkauf läuft ganz gut, wenn auch nicht so gut wie im letzten Jahr." Einige Sponsoren hätten zudem ihre Beigaben etwas gekürzt. Nicht ganz so dicht gefüllt waren die Reihen in dem ehemaligen Opladener Kinosaal beim Konzert des Bahama Soul Club wohl auch, weil Fußball mächtig Konkurrenz machte. Die "mindestens fünfzig Bekannten" von Meszelinsky, die gekommen wären, wenn nicht zu gleicher Zeit Bayers Bundesliga-Fußballer ein Heimspiel gehabt hätten, hätten jedenfalls ausreichend Platz gefunden.
"Heimspiel" für Pat Appleton
Die hätten dafür dann auch nicht das "Heimspiel" der Sängerin Pat Appleton, die die Acht-Mann-Truppe des Bahama Soul Club stimmgewaltig unterstützte, verpasst. Dem Publikum verriet die Frontfrau der Elektro-Jazz-Institution De-phazz (die damit praktisch in allen Diskotheken dieser Welt gespielt wird) ihre Herkunft: Großmutter und Mutter wurden in Leverkusen geboren. Sie selbst habe sogar einmal als Werksstudentin bei Bayer gearbeitet.
Und zwei Percussionisten und ein Schlagzeuger trommelten wohl auch hörenswerter als die Fans im Fußballstadion. Somit lautet das Fazit nach zwei Tagen: Der Abend im Scala ging mächtig in die Beine, Millers Auftritt tags drauf mächtig in den Magen. Die nächsten Jazztage-Konzerte dürften dann eher etwas für den Kopf sein. Der Tipp: Am Dienstag spielt Saxophonist Jan Garbarek, bekannt für seine extrem besinnlichen Stücke.
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Quelle: RP