Leverkusen (RP) Nach dem tragischen Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke wird das Thema Depressionen in der Öffentlichkeit diskutiert. Bayer 04 setzt in diesem Zusammenhang auf "offenes Miteinander" in der Mannschaft.
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23 Selbstmorde
Der Statistikstelle der Stadt liegen für das Jahr 2007 insgesamt 23 Suizide vor, 18 davon verübten Männer, fünf Frauen. Über die Art, wie sich die Menschen das Leben nahmen, liegen keine Daten vor.
Die Angebote des SPZ finden Interessierte ausführlich beschrieben im Internet: www.spzleverkusen.de, informationen gibt es auch per Telefon unter der Nummer Tel. 0214 8333-22.
Jupp Heynckes, Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser erwiesen am vergangenen Sonntag in Hannover bei der Trauerfeier für Nationaltorwart Robert Enke dem jungen Mann die letzte Ehre. Dennoch, sagt Bayer-04-Kommunikationsdirektor Meinolf Sprink werde im Verein nach dem Vorfall nicht alles auf Null gestellt. "Wir werden keinen festangestellten Psychologen beschäftigen. Wir gehen unseren Weg weiter." Unser Weg ist in diesem Fall ein offenes und vertrauensvolles Miteinander in der Mannschaft samt Funktionsteam. "Wir bauen darauf, dass das Team ein vertrauensvolles Miteinander pflegt und sich Spieler bei Problemen dem Trainer oder einer anderen Vertrauensperson in der Mannschaft offenbaren", sagte Sprink gestern. Man dürfe nach diesem Unglück nicht alles über einen Kamm scheren, nicht pauschalisieren, sondern im Problemfall individuell nach Lösungen suchen.
SPZ: "Wir bieten unsere Hilfe an"
Das tut auch das Sozialpsychatrische Zentrum (SPZ) Leverkusen. Die Mitarbeiter von Barbara Melcher werden in vielen Fällen von versuchten Suiziden von der Polizei informiert. "Wir bieten dann den Betroffenen unsere Hilfe an", berichtet die Geschäftsführerin der Institution, "es gibt offene Sprechstunden ohne Anmeldungen, wir machen auch Hausbesuche, falls derjenige unserer Hilfe annehmen, aber nicht zu uns kommen möchte." Für Menschen mit psychischen Erkrankungen, für die die Hemmschwelle eines persönlichen Kontakts zu hoch sei, baut das SPZ die anonyme Online-Beratung aus. Allerdings: Eine langfristige Therapie kann das SPZ nicht anbieten, aber vermitteln. Sowohl für Menschen mit Depressionen als auch mit anderen psychischen Krankheiten.
"Ist ein Suizidversuch akut, müssen wir sofort raus", berichtet Melchers weiter. Das laufe fast so wie in Fernsehfilmen. Über das Gespräch versuchen die Mitarbeiter der sozialpsychiatrischen Ambulanz den Betroffenen von seinem Vorhaben abzubringen. "Aber wir haben keinen Rund-um-die-Uhr-Dienst, dafür ist die Personaldecke mit vier Mitarbeiterinnen, teilweise in Teilzeit, einfach zu dünn." Barabara Melchers rät deshalb von psychischen Verstimmungen und Krankheiten Betroffenen sowie auch Familie und Freunden dazu, unbedingt die Hilfe des SPZ in Anspruch zu nehmen. "Natürlich ist nicht jede Niedergeschlagenheit eines Bekannten eine Depression", sagt sie. Dennoch sei es besser, vorsichtshalber einen Rat beim SPZ einzuholen, als tatenlos abzuwarten, vor allem, wenn sich Anzeichen für eine Depression wie Mut-, Antriebs- und Schlaflosigkeit gepaart mit einer emotionalen Leere mehrten.
Quelle: RP