Remscheid: Dorf kämpft um Bücherei
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 18.10.2007Remscheid (RP) Im Dorf regt sich massiver Widerstand gegen die Schließung der Stadtteilbücherei. Nach Ansicht vieler trifft sie Lüttringhausen an einem wunden Punkt: Sie sei nicht nur eine wichtige, intensiv genutzte Bildungseinrichtung, die zu 40 Prozent von Kindern und Jugendlichen rege genutzt werde, schreibt der Heimatbund Lüttringhausen in einer Pressemitteilung. Als Publikumsmagnet belebe sie auch die Altstadt und unterstütze somit die Bemühungen des Marketingrates.
Leseförderung besonders wichtig
Der Bürgerverein startet jetzt eine Unterschriften-Aktion gegen die Pläne der Politik, die in der nächsten Ratssitzung über Sparmaßnahmen entscheiden soll. Gestern erklärten sich Mitglieder des Marketingrates bereit, bei der Unterschriftensammlung zu helfen.
Vier Ratsfraktionen einigten sich darauf, dass die mit eineinhalb Stellen besetzte kleine Bücherei geschlossen werden sollte. In ihrem Konsolidierungspakt zur Gesundung der städtischen Finanzen haben CDU, SPD, Grüne und FDP diesen Punkt aus dem Gutachten von Rödl & Partner als umzusetzende Maßnahme aufgegriffen – durchaus im Wissen, dass dies ein schmerzhafter Einschnitt bedeute.
Sparmaßnahme
Die Schließung der Stadtteilbücherei ist eine Sparmaßnahme, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner vorschlägt. Vier Fraktionen folgen diesem Sparvorschlag.
Miete und Personalkosten schlagen jährlich mit 87 000 Euro zu Buche.
Dass ausgerechnet im Bereich Bildung gespart werden soll, können Jürgen Gottmann, Leiter der Grundschule Goldenberg, und sein Kollege Martin Halbach von der Adolf-Clarenbach-Schule angesichts der Ergebnisse der Pisa-Studie nicht nachvollziehen. „Bei Kindern Spaß am Lesen zu wecken, ist eine zentrale Aufgabe in der Grundschule“, betont Gottmann auf Nachfrage der BM. Die für Kinder überschaubare Bücherei trage dazu wesentlich bei.
„Mit den Bücherkisten zu bestimmten Themen werden die Schüler in die Lesewelt eingeführt“, berichtet Gottmann. Kinder aus bildungsferneren Elternhäusern lernen Bücher kennen – in reicherer Auswahl als sie die kleine Schulbibliothek bieten könne – und „kommen ans Lesen“. Seit Jahren arbeite auch die Clarenbach-Schule mit den engagierten Bibliothekarinnen zusammen, schreibt Halbach. Die Bücherei sei ein wichtiger außerschulischer Lernort. Die Kinder lernen, wie man Bücher ausleiht und sich in einer Bücherei zurechtfindet. Sie erhalten Leseausweise und entleihen Erstlesebücher und andere Medien.
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