(RP) Am 31. März eröffnen Denksportler der SG Solingen 1868 Aljechin um Frank Borkott, Oliver Kniest und Herbert Scheidt ein modernes Schachzentrum. Damit wollen sie ihr Angebot für Kinder und Jugendliche erweitern.
Zufrieden schaut "Hausherr" Herbert Scheidt (links) auf die Spieltische im neuen Schachzentrum an der Birkerstraße. Foto: Martin Kempner
"Mit diesem neuen Schachzentrum möchten wir unser Angebot für Schulen öffnen, um auch Kinder und Jugendliche für Schach zu begeistern." Das sagt Frank Borkott, Vorsitzender der Schachgemeinschaft (SG) Solingen 1868 Aljechin. Der 42-Jährige sieht das moderne Zentrum als ideale Ergänzung zur Vereinsarbeit der SG, bei der eher der Leistungsgedanke im Vordergrund stehe. Am 31. März wird das neue Schachzentrum an der Birkerstraße 31 offiziell seine Türen öffnen, der "Hausherr" und Vermieter ist in Solinger Schachkreisen bestens bekannt: Herbert Scheidt, seit 40 Jahren Teammanager der Bundesliga-Mannschaft der SG.
Schüler in Arbeitsgruppen das Schachspiel näher zu bringen halten Borkott und Aljechin-Jugendwart Oliver Kniest aus mehreren Gründen für sinnvoll: Laut Borkott fördere das "königliche Spiel" die Konzentrationsfähigkeit und diene darüber hinaus dazu, strukturiert denken zu lernen und Strategien zur systematischen Lösung von Problemen zu suchen. Kniest geht noch ein Stück weiter und spricht von positiven Impulsen für die Charakterbildung der Jugendlichen: "Jeder Schachspieler ist gezwungen, für seine Partie die volle Verantwortung zu übernehmen", so der 34-jährige Denksportler, der für die zweite Mannschaft der SG Solingen spielt. Auf Fußballplätzen nur allzu gerne bemühte Sündenböcke wie lauffaule Mitspieler oder parteiische Schiedsrichter gebe es rund um das Brett mit den 64 Feldern selbstverständlich nicht.
Info
SG 1868-Aljechin
Die Schachgesellschaft 1868 Aljechin gehört seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Schachvereinen. In den Jahren 1976 und 1991 holte die Erste Mannschaft den Europapokal, insgesamt sicherte sie sich elf Mal die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Derzeit können sich Mitglieder in einer von elf Mannschaften auf Bezirks-, Verbands-, Landes- oder Bundesebene mit ihren Gegnern messen. In der Jugendabteilung werden Nachwuchsspieler von erfahrenen Akteuren des Vereins betreut.
Herbert Scheidt ist seit 50 Jahren Vereinsmitglied und spricht im Vorfeld der Eröffnung von einer weiteren Vision: Er möchte den für die SG in der Bundesliga aktiven Großmeister und renommierten Schachlehrer Artur Jussupow gewinnen, an der Birkerstraße einen Leistungsstützpunkt für besonders talentierte Nachwuchsspieler zu gründen. Das zu Ausbildungszwecken notwendige Equipment in Form von überdimensionalen Demonstrationsbrettern und Computern stehe dort selbstverständlich bereit. Überhaupt werde in Solingen Jugendarbeit groß geschrieben, bestes Beispiel sei der niederländische Großmeister Daniel Stellwagen. Ihn hat Scheidt als 16-Jährigen verpflichtet und heute – sechs Jahre später – spielt er am Spitzenbrett der Bundesliga-Acht.
Computer spielten in Verbindung mit leistungsstarker Schach-Software eine immer größere Rolle und das wird auch im neuen Schachzentrum nicht anders sein. Derzeitiger Branchenprimus sei ein Programm namens Rybka, das nach den Worten von Oliver Kniest keinerlei Wünsche offen lasse. So enthalte es eine umfassende Datenbank von bereits gespielten Partien, aus der man mittels Schlagworten gezielt nach besonderen Spielsituationen wie zum Beispiel "Turmendspiel" oder bestimmten Eröffnungsvarianten suchen könne.
Auch zu Analysezwecken sei Rybka geeignet, könne der Spieler seine Partie am Bildschirm nachspielen und sich vom Rechner Alternativen zu bestimmten Zügen zeigen lassen. Und bei Bedarf natürlich jederzeit zur Originalstellung zurückspringen. Derzeit ticken an der Birkerstraße nur am Wochenende die Schachuhren, mittelfristig solle jedoch ein weiterer Tag hinzukommen.
Quelle: RP