Foto: Jens Schierenbeck, gms
Mitarbeiter sitzen anscheinend fleißig arbeitend am Platz. Aber da hört es auch schon auf: zusätzliche Arbeit halten sie sich wenn immer möglich vom Hals. Und sie versuchen zu freier Zeit zu kommen, um diese für persönliche Interessen nutzen zu können. Das sind klassische Boreout-Strategien, wie die beiden Autoren Philippe Rothlin und Peter R. Werder in ihrem Buch "Diagnose Boreout" (erschienen im Verlag Redline Wirtschaft) feststellen.
Acht dieser typischen Strategien haben wir für Sie zusammengefasst. Sind welche dabei, die Sie selber anwenden?
Mit dieser Strategie kann man vor seinem Computer sitzen, im Internet surfen und die nächsten Ferien planen.
Ziel: Ausgelastet erscheinen, damit man genügend Zeit hat, die verschiedenen Angebote im Internet zu analysieren und zu vergleichen.
Kommt der Chef vorbei, kann man auf zwei Möglichkeiten zurückgreifen:
Entweder man hat eine ausgedruckte Präsentation oder ein Projektpapier auf dem Tisch liegen. Das ist dann sofort zur Hand, um irgendetwas draufschreiben zu können und so zu vermitteln, wie beschäftigt man ist.
Oder die Präsentation ist auf dem Bildschirm geöffnet, und man kann im Bruchteil einer Sekunde mit einem einfachen Tastenbefehl die Bildschirmansicht von der Feriendestination zur Arbeitspräsentation wechseln - das erklärt dann auch den konzentrierten Blick.
Mit dieser Strategie täuscht man Identifikation mit dem Unternehmen vor. Am einfachsten geht das über eine sinnlose Verlängerung der Präsenzzeit im Büro. Wer als erste Person am Morgen anwesend ist und am Abend fast als Letzter geht, erweckt den Eindruck, ziemlich viel zu tun zu haben.
Diese Strategie beeindruckt auch die, die selber noch länger arbeiten. Diese Kollegen leiden übrigens entweder auch am Boreout-Syndrom, oder sie sind Opfer des Burnout und meinen es mit ihrer Präsenz ernst. Die Pseudo-Commitment-Strategie gehört zum guten Ton. Nichts fällt nämlich negativer auf, als spät am Morgen zu kommen und früh am Abend wieder zu gehen.
Komprimieren heißt: voll konzentrieren, hypereffizient arbeiten, an einer Aufgabe nicht stunden- oder tagelang herumwerkeln.
Ziel der Strategie: Eine Aufgabe so rasch wie möglich erledigen und eine vom Chef gesetzte Deadline deutlich unterschreiten. Das wird dem Vorgesetzten allerdings nicht mitgeteilt. So hat man bis zum eigentlichen Abgabetermin genügend Zeit, sich seinen privaten Dingen zu widmen oder mit den Arbeitskollegen zu plaudern.
Vorteile:
- Verlegt der Chef die Deadline wider Erwarten vor, ist die Arbeit getan und kann präsentiert werden.
- Sollte man sich als Mitarbeiter in seiner gewonnenen freien Zeit langweilen, kann man die Arbeit dem Chef früher präsentieren und sich so als effizienten Mitarbeiter darstellen.
- Der wichtigste Vorteil: Die Lücke zwischen kommunizierter und tatsächlicher Arbeitsbelastung fällt nicht auf. Der Mitarbeiter hat damit sein Ziel erreicht, während der Arbeit Zeit für sich zu haben, ohne dabei entdeckt zu werden.
Bei dieser Strategie wird die Arbeit auf eine viel längere Zeit verteilt, als dafür eigentlich nötig wäre - das vorhandene Arbeitsvolumen wird flachgewalzt. Für diese Strategie eignet sich besonders ein langfristiges Projekt. Die Zeitspanne, innerhalb deren eine Aufgabe erledigt sein muss, wird - eigentlich ohne Not - vollständig ausgeschöpft.
Dokumente werden hin- und hergeschoben und alle paar Stunden um ein wenig Inhalt ergänzt. Oder sie liegen während Tagen oder Wochen auf dem Tisch, ohne dass sich der Mitarbeiter wirklich darum kümmert. In regelmäßigen Abständen widmet er sich der Arbeit immer wieder ein bisschen, um etwas vorweisen zu können. Damit vermittelt er, ausgelastet zu sein und keine Zeit für zusätzliche Aufgaben zu haben. Damit die Strategie am Ende erfolgreich ist, muss das Arbeitsergebnis rechtzeitig und in erwarteter Qualität abgeliefert werden. Womit man bis zu diesem Zeitpunkt den Großteil seiner Zeit verbringt, kann man selbst bestimmen.
Bei dieser Strategie geht es darum zu verhindern, dass jemand Maßnahmen ergreifen könnte, durch die man zum sofortigen Handeln gezwungen wäre.
Ziel: Den Zeitpunkt der Arbeitserledigung manipulieren. Dadurch werden eventuelle Verzögerungen im Arbeitsprozess provoziert, Verzögerungen werden auf andere abgeschoben. Das passiert dann, wenn man etwas erledigen muss, dazu aber einfach keine Lust hat oder die Aufgabe einen nicht interessiert.
Und so kann die Strategie funktionieren:
Will man den Arbeitsbeginn aus strategischen Gründen verhindern, ruft man beispielsweise einen Kollegen genau dann an, wenn man weiß, dass er abwesend ist. Mit dem Ausrichten eines Grußes dokumentiert man dann seine Bereitschaft, an dem Projekt weiterarbeiten zu wollen - ohne es tatsächlich jetzt schon tun zu müssen.
Diese Strategie hilft dabei zu kommunizieren, dass die Arbeit vom Tag wegen zu viel Stress liegen geblieben ist und am Abend zu Hause erledigt wird.
Der Aktenkofferstratege täuscht zwei Dinge vor:
- Ihm ist seine Arbeit so wichtig, dass er sogar in seiner Freizeit noch arbeitet. Damit demonstriert er Interesse und enge Verbundenheit mit dem Unternehmen. Diese Verbundenheit hört nicht an der Bürotür auf, sondern reich bis nach Hause. Eine Solche Verbindung nennt man den Home-Office-Link (HOL).
-Er ist unglaublich ausgelastet und hat eine wichtige Position inne, weil nur wichtige Leute sogar abends noch arbeiten müssen.
Vorteil dieser Strategie:
Kontrolle ist nahezu unmöglich. Nicht einmal der Chef kann überprüfen, welche Arbeit sein motivierter Mitarbeiter mit nach Hause nimmt. Natürlich wird dann abends nicht mehr gearbeitet. Die Arbeit, die anfällt und liegen bleibt, wird im Büro erledigt - einen Tag später.
Mit dieser Strategie kommuniziert ein Mitarbeiter explizit, dass er vor lauter Arbeit zusammenbrechen würde, wenn er sich jetzt auch noch um eine zusätzliche Aufgabe kümmern müsste. Er spricht seine Auslastung und Überlastung offen an und wird bemitleidet. Wer kann denn schon nachweisen, dass man keineswegs nahezu am Ende ist? Niemand!
Angewendet wird diese Strategie, wenn man in einen Tagtraum verfällt und minutenlang auf den Bildschirm starrt, ohne auch nur einen Finger zu rühren oder ein Geräusch zu produzieren.
Zur Strategie-Anwendung bieten sich zwei Möglichkeiten:
- Eine E-Mail öffnen und wahllos auf der Tastatur herumtippen.
- Ein Blatt Papier nehmen und mit einem dicken Filzstift, der ein unüberhörbares Geräusch macht, sinnloses Zeug schreiben oder malen.
Beide Möglichkeiten machen Lärm und lassen andere vermuten, dass fleißig gearbeitet wird.