Im Würgegriff der Popkultur

So schön: Mädchen beim Plattenkauf

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 13.11.2007 - 15:27

Ich mag Mädchen, die sich gern in Plattenläden aufhalten. Ich meine mit Plattenläden nicht Saturn oder Media Markt. Sondern richtige Plattenläden. Mit Vinyl.

Die letzte Frau, die ich allein in einem Plattenladen traf, kaufte "Go" von Ellen Allien. Foto: RP
Die letzte Frau, die ich allein in einem Plattenladen traf, kaufte "Go" von Ellen Allien. Foto: RP

In Plattenläden trifft man nur selten Mädchen. Die meisten Mädchen begleiten bloß ihre Freunde dorthin. Aus Liebe. Der Vorrat an Liebe ist aber rasch aufgebraucht, wenn der Freund erstmal mit dem Plattenverkäufer ins Gespräch gekommen ist. Oder einen faustdicken Stapel Platten im Laden durchhören möchte.

Mädchen haben so ihre Strategien, um ihre Freunde möglichst rasch aus einem Plattenladen zu kriegen. „Bist Du fertig?" fragen, obwohl man offensichtlich noch lange nicht fertig ist, ist eine davon. Oder schmusend ankommen, während man in Platten reinhört. Sie legen dann den Kopf auf die Schulter des Freundes, drücken ihn gegen den Kopfhörer, so dass der sich verschiebt. Das nervt. Mädchen wissen das. Sie wollen nerven. Damit sie hier rauskommen.

Einige Mädchen heucheln Interesse, während der Freund Platten durchhört. „Lass mal hören", sagen sie. Und wenn sie dann hören, nehmen sie ganz schnell den Kopfhörer ab und sagen: „Uh nee, echt nicht!"



Das Schlimmste, was Mädchen in Plattenläden ihren Freunden antun können, ist die Kommentierung potenzieller Käufe. „Von der Band hast Du doch schon tausend Platten." Oder: „Du gibst 20 Euro für eine Platte aus, die Du für die Hälfte downloaden könntest?" Oder: „Kannst Du die nicht als CD nehmen, dann können wir sie auf den iPod spielen." So verderben Mädchen ihren Freunden nicht nur das Kauferlebnis. Sie versauen ihnen außerdem die in Jahren mühsam aufgebaute Credibility beim Plattenhändler.

Ich mag Mädchen, die sich gern in Plattenläden aufhalten. Die die Neuerscheinungen durchsehen; die vor Freude laut ausatmen, wenn sie etwas mutmaßlich Hörenswertes entdecken; die schwer bepackt zum Anhören schreiten; die unterm Kopfhörer ein bisschen zu laut „geil!" sagen, wenn sie eine Platten hören, die ihnen gefällt; und die im Zweifelsfall das Vinyl der CD vorziehen.

Leider gibt es nur wenige.


 
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Autor: woyzek | 28.11.07 11:44 (1/2)
Vinyl-Chauvinismus?
Ich weiß gar nicht so genau wie ich das finden soll. Auf der einen Seite könnte es darum gehen, dass geschlechts-untypisches Verhalten allgemein etwas Positives ist. Dem könnte ich soweit folgen....
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Autor: vatti | 13.11.07 19:52 (2/2)
Mutti ist die Beste
Schöner Blog Herr Holstein. Zu welcher Kategorie wohl Ihre Lebensgefährtin gehört? Wie auch immer, Mutti ist die beste und mit Mini erst recht. Besten Gruß, Vatti
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