Zensur im Netz: Chinas virtuelle Mauer

VON PHILIP GRUND - zuletzt aktualisiert: 30.07.2008 - 14:57

Düsseldorf (RPO). Ein Aufschrei ging durch das Lager der ausländischen Journalisten bei den Olympischen Spielen in Peking. Sie können nicht frei über das Internet recherchieren, denn Chinas gigantischer Staatsapparat zensiert das World Wide Web. Doch welche Methoden verwendet das Land der Mitte, um den gewaltigen Überwachungsapparat am Laufen zu halten?

China zensiert das Internet - auch für ausländische Journalisten. Foto: AFP
China zensiert das Internet - auch für ausländische Journalisten. Foto: AFP

Das Internet ist das Kommunikationssystem des 21. Jahrhunderts. Deswegen schenkt die chinesische Regierung, nicht gerade als Freund von Presse- und Meinungsfreiheit bekannt, dem Netz der Netze außerordentliche Aufmerksamkeit. Neuesten Schätzungen des Chaos Computer Clubs zufolge durchforsten rund 30.000 Staatsangestellte den Netzverkehr und zensieren Unerwünschtes. Chinesische Regierungsserver überprüfen zusätzlich den gesamten Traffic und haben schon 61 Personen wegen deren Netzaktivitäten festnehmen lassen.

Immer wieder werden Spekulationen über die neue „Chinesische Mauer“ angestellt, doch die Angaben widersprechen sich. Jens Ohlig vom Chaos Computer Club vermutet auch westliche Unternehmen hinter dem Überwachungsapparat. Heikle Themen wie die Tibet-Politik, die verbotene Falun Gong-Sekte oder andere religiöse Organisationen werden systematisch blockiert. Nicht nur inländische, sondern auch ausländische Nachrichtenangebote und Suchmaschinen bleiben an der virtuellen Mauer hängen.

Dabei setzt Chinas Regierung ganz unterschiedliche Methoden ein. Ausgewählte Adressen werden permanent geblockt, während in anderen Fällen die Namensserver gestört werden. Oftmals werden die 230 Millionen chinesischen Internetnutzer so auf andere Angebote umgelenkt und die Ergebnisse bei der Suche im Internet manipuliert. Allerdings sei das Zensursystem nicht immer logisch nachzuvollziehen, da Seiten mal freigegeben und dann wieder geblockt werden, sagte Ohlig auf dem Chaos Communication Congress.

Mit der Zeit entdeckte China Möglichkeiten, sein Zensursystem zu erweitern und sprach große internationale Suchmaschinen-Konzerne an, um eine regierungsfreundliche Suchmaschine entwickeln zu lassen. Google und Yahoo ließen sich auf das Angebot ein, denn sie wollten den Zugang zu dem wachsenden chinesischen Markt erhalten bleibt. In diesem Zusammenhang entstanden die neuen Suchmaschinen baidu.com und yisou.com, die nur Seiten zeigen, die die offizielle Regierungsansicht des gesuchten Aspektes widerspiegeln.

Trotz des hohen Aufwands seitens der chinesischen Regierung gelingt es vielen Chinesen immer wieder, mit den simpelsten Tricks die Blockade zu umgehen. Wer statt google.cn einfach google.com eingibt, umgeht den Schutz mit Leichtigkeit. Auch die Benutzung von Proxy-Servern hilft.


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