Düsseldorf (RPO). Erst vor Kurzem wurden Beschwerden und Bedenken über die neuen Datenschutzerklärungen im StudiVZ laut. Man möchte diese Daten nicht gespeichert oder gar weiterversendet wissen. Doch fernab dessen ist es oftmals viel erstaunlicher, was die Nutzer bereit sind freiwillig von sich Preis zu geben.
Inzwischen ist das Bild alltäglich: Nach der Schule geht Sabine nach Hause, isst dort, und begibt sich dann an den PC. Ins Internet, auf SchuelerVZ. Dort hat Sabine sich ein Profil angelegt, nachdem ihre Freundin sie dorthin eingeladen hatte. Inzwischen ist sie dort ebenso präsent wie im richtigen Leben. Vor- und Nachname, Postleitzahl, Schule, politische Gesinnung, Alter. Alles hat sie dort angegeben.
Inzwischen ist sie auch in diverse Gruppen eingetreten. Das sind Zusammenschlüsse von mehreren Nutzer, die sich einem Thema widmen. In dieser Gruppe kann man Bilder veröffentlichen und über Sachen diskuterien.
Erst letztens hat Sabine eine Gruppe selbst eröffnet. Eine Gruppe gegen ihre Klassenlehrerin, nachdem diese ihr eine 5 in Deutsch gegeben hat. Dort zieht sie mit ihren Freundinnen über diese Lehrerin her, beschimpft sie sogar einmal. Was sie nicht ahnt, ist dass diese Gruppe auf der Seite für alle sichtbar ist, auch für Lehrer und Klassenkameraden.
Innerhalb einer Woche erfährt Sabines Lehrerin durch Kollegen und Schülern von der Gruppe und hat nun die Entscheidung, wie sie reagieren soll.
De Facto fühlen sich viele Nutzer im SchuelerVZ bzw. im StudiVZ unter sich, als hätten sie dort Raum für ihre Privatsphäre. Was sie nicht beachten ist, dass das Internet keinen Raum für Privatsphäre lässt. Die Privatsphäre existiert in der Realität, wer diese ins Internet bringt, stellt diese einem Millionenpublikum zur Verfügung.
So sagt zum Beispiel der Beitritt in bestimmte Gruppen in den VZs mehr über einen aus, als man anderen in der Realität überhaupt erzählen würde. Heutzutage muss man damit rechnen, dass die Lehrerin oder der Chef ebenfalls in den VZ-Kreisen verweilen und mit nur wenigen Mausklicks auf dem eigenen Profil sein könnten. Dort machen sich Gruppen wie " Eine Party ohne Sex, Alk, Frauen und Drogen ist keine Party" oder "Vögeln statt Gruscheln" sowie "Ich hasse Sex.....Im Schlafzimmer" eher negativ bemerkbar.
Es scheint fast so als wenn der Trend in die Richtung der uneingeschränkten Selbstvermarktung gehen würde. Es ist wie eine Stimme, die nach Aufmerksamkeit verlangt. Unterstrichen wird diese Internetperson durch die entsprechende Gruppen.
Doch mit der verlangten Aufmerksamkeit kommen mehr negative Faktoren auf den Nutzer zu. Dass zu den Nutzern die das Profil lesen können auch Kollegen, Vorgesetzte, Lehrer oder Familie zählen können, wird komplett außer Acht gelassen.
Da ist es wohl besser sich, seinem Leben und vor Allem seiner Privatsphäre einen Gefallen zu tun und die veröffentlichten Daten im Internet auf ein minimum zu reduzieren. Wir bezweifeln zumindest, dass bestimmte Profile die wirklich gewünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.