Online-Netzwerk SchülerVZ: Tatverdächtiger nach Datenklau festgenommen
zuletzt aktualisiert: 19.10.2009 - 19:38Berlin (RPO). Nach dem umfangreichen Datenklau beim Online-Netzwerk SchülerVZ ist am Sonntagabend ein Tatverdächtiger in Berlin festgenommen worden. Wie ein Polizeisprecher am Montag sagte, handelt es sich um einen 20-Jährigen. Das Landeskriminalamt habe die Ermittlungen übernommen. Die VZ-Netzwerke, die Betreiber des Forums, erstatteten nach eigenen Angaben Anzeige.
Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft sollte der junge Mann am Abend wegen versuchter Erpressung einem Haftrichter vorgeführt werden. Der Tatverdächtige soll dem Unternehmen gedroht haben, die Daten ins Ausland, etwa nach Osteuropa, zu verkaufen, falls er kein Geld erhalte.
"Der Fall zeigt, dass man sich überlegen muss, wo man Daten preisgibt, speziell im Internet", sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. Der Vorsitzende der Bundesschülerkonferenz, Benjamin Frank Hilbert, mahnte ebenfalls, persönliche Informationen gehörten nicht in solche Foren.
Hilbert sprach sich dafür aus, Schüler besser über die Risiken aufzuklären. Datensicherheit könnte auch ein Thema für die Schule sein. Generell lehnte Hilbert aber solche Foren nicht ab. Wenn man Kontakt mit Freunden halte wolle, die weiter weg wohnten, sei das sinnvoll. "Man sollte sich jedoch der Risiken bewusst sein", sagte er.
"Naiver Umgang mit Passwörtern"
Der Berliner Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Bodo Pfalzgraf, sagte, die Erfahrungen an den Berliner Schulen offenbarten einen "sehr naiven Umgang" der Schüler mit ihren Passwörtern. Die Medienkompetenz der Kinder müsse daher einen breiteren Raum in der Schulbildung erhalten. Eine solche Initiative sollte aber gemeinsam mit den Betreibern von Internetforen gestartet werden.
"Beim Datenschutz von Kindern und Jugendlichen in Online-Netzwerken muss ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet sein", forderte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom), Bernhard Rohleder. Glücklicherweise gehe es in diesem Fall nicht um sensible Daten wie Kontonummern. Doch zeige der Fall, wie wichtig es sei, "dass Eltern genau darauf achten, was ihre Kinder in Online-Netzwerken tun".
Am Freitag war bekannt geworden, dass ein SchülerVZ-Nutzer eine Vielzahl von Profilen aufgerufen und illegal Kopien von Daten angelegt habe, wie Name, Schule, Geschlecht, Alter, Profilfoto. Es handelt sich laut Betreiber nicht um Daten wie Post- oder E-Mail-Adressen, Zugangsdaten und Telefonnummern, sondern um für alle Community-Nutzer einsehbare Daten. Die Datenschutzbehörden seien umgehend informiert worden, rechtliche Schritte würden eingeleitet. Der illegale Datenkopierer habe erklärt, die Informationen weiteren Personen zur Verfügung gestellt zu haben.
Dem Internetforum netzpolitik.org wurden nach eigenen Angaben mehr als eine Million Datensätze von SchülerVZ-Nutzern zugespielt. Medienberichten zufolge haben mindestens zwei Hacker Sicherheitsabfragen geknackt und illegal Daten kopiert.
Zu den VZ-Netzwerken gehören neben SchülerVZ auch StudiVZ und MeinVZ. Rund 15,5 Millionen Mitglieder sind in den Netzwerken nach Angaben der Betreiber aktiv. Der Täter hatte auch behauptet, Daten von MeinVZ und StudiVZ gesammelt zu haben. Diese seien nicht veröffentlicht worden.
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