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"Achtung Pleite"
Diese App zeigt, welcher Ihrer Nachbarn insolvent ist

So funktioniert die "Pleite-App"
So funktioniert die "Pleite-App" FOTO: Screenshot: App "Achtung Pleite"
Düsseldorf. Eine Smartphone-App gibt auf einer Karte detailliert Auskunft, welche Privatpersonen oder Firmen sich in einem laufenden Insolvenzverfahren befinden. Dies ist zwar gesetzlich erlaubt, Rechtsexperten sprechen jedoch von Voyeurismus. Von Marcel Romahn

Nach Namen, Straßen, Stadt- oder Ortsteilen sowie Postleitzahl können laut Angaben des Programmierers bundesweit mehr als eine Million Schuldner in Deutschland über die kostenpflichtige App ("Achtung Pleite", 2,99 Euro im App-Store) gefunden werden. Entweder über ein Listenverzeichnis oder eine Weltkarte, die bis auf eine Straßenansicht vergrößert werden kann, kann sich der App-Nutzer in seiner Umgebung über die Bonität gelisteter Firmen und Personen informieren.

Wird der Name eines Schuldners angeklickt, erscheint nicht nur die vollständige Adresse auf dem Display, sondern auch eine Reihe von Gerichtsdokumenten samt Aktenzeichen, in denen der Hergang laufender oder abgeschlossener Insolvenzerfahren erläutert wird.

Daten-Veröffentlichung ist legal

In der Beschreibung der kostenpflichtigen App erklärt der Entwickler aus Rheinland-Pfalz, dass sämtliche Daten sowie alle dazugehörigen Dokumente von den jeweiligen Insolvenzgerichten stammen. Dem Käufer wird versprochen, Schuldner zuverlässig aufspüren und die Zahlungsfähigkeit von möglichen Geschäftspartnern – vom Handwerker bis zum Großunternehmer – mit nur zwei Klicks überprüfen zu können.

Grundsätzlich gibt es bei der Veröffentlichung dieser Daten kein juristisches Problem. "Allerdings müssen sämtliche Informationen und Dokumente aus den offiziellen Bekanntmachungen der Gerichte entnommen werden", sagt der Düsseldorfer Medienrechtler Philip Lüghausen. Dahinter müsse das sogenannte Kreditscoring stehen, wodurch der Entwickler – ähnlich wie bei der Schufa – fortlaufend Auskünfte von Zahlungsdienstleistern über die betroffenen Personen und Firmen einholt.

"Und das ist mit sehr engen Datenschutzrichtlinien verbunden", sagt Lüghausen. Das Werbeversprechen, dass Firmen oder Unternehmer mit der App die Bonität eigener Kunden prüfen können, hält der Jurist für überzogen: "Ein laufendes Insolvenzverfahren sagt nichts über die aktuelle Zahlungsfähigkeit des Betroffenen aus."

Eine App für Schulden-Voyeure

Auch wenn das Angebot rechtens zu sein scheint – Sinn und Zweck eines solchen Angebotes sieht der Experte kritisch. "Im Gegensatz zu den offiziellen Bekanntmachungen der Gerichte sind in der App auch die Adressen aufgeführt", sagt der Anwalt. "Dadurch können die Nutzer beliebig durch ihre Nachbarschaft scrollen und Zufallstreffer bei ihnen bekannten Personen landen. Das ist eigentlich nicht Sinn und Zweck, sondern reiner Voyeurismus."

Die App, sagt der Experte, würde in diesen Fällen nicht dazu beitragen, dubiose Kreditgeschäfte zu vermeiden, sondern lediglich dabei helfen, Personen bloßzustellen. Trotzdem sieht Lüghausen kaum Chancen für betroffene Schuldner, gegen die Pleite-App vorzugehen.

Aber: Der Entwickler stehe in der Pflicht, sein Angebot fortlaufend zu aktualisieren. "Sollte ein Insolvenzverfahren längst abgeschlossen sein und ein Betroffener wird trotzdem noch als Schuldner in den Listen geführt, kann dieser darauf bestehen, dass der Eintrag gelöscht wird", sagt Lüghausen. "Ansonsten liegt hier eine Persönlichkeitsrechtsverletzung vor."

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