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Augmented-Reality-Spiel
Warum Pokémon Go die Welt erobert

Spiel: Pokémon Go - Alles was man wissen muss
Spiel: Pokémon Go - Alles was man wissen muss FOTO: Marcel Salven
Düsseldorf. Seit ein paar Stunden ist die App offiziell in Deutschland verfügbar - und löst hier, genau wie in Amerika oder Neuseeland, bereits einen Hype aus. Unsere Autorin hat sich in Düsseldorf auf die Suche nach Pokémon gemacht.  Von Vanessa Birkhahn

Wer eine Leidenschaft für Geocaching hat, wird von Pokémon Go begeistert sein. Bei Pokémon Go handelt es sich um ein Augmented-Reality-Spiel, also ein Spiel, das virtuelle und reale Schau- und Spielplätze vereint. Ich mache mich auf, um draußen wilde Pokémon zu finden und zu fangen. Dabei erforsche ich Stadt und Land in meiner Umgebung, um mir so viele Pokémon wie möglich zu schnappen.

Da ich das Spiel aber noch nicht kenne, begleitet mich Marcel (19) aus Willich. Er spielt Pokémon Go schon länger und wird mich auf der Jagd nach den Pokémon begleiten.

Zuerst erstelle ich einen Avatar. Dieser bewegt sich auf der virtuellen Karte, welche auf Google Maps basiert. Dadurch kann man jederzeit geortet werden. Danach beginnt das Wandern auf der Suche nach Items oder Pokémon.

Die virtuelle Karte zeigt markante Punkte, in Düsseldorf beispielsweise den Rheinturm oder den Radschläger. Wenn ich zu diesen Punkten gehe, sammel ich unter anderem Pokébälle. Mit diesen Bällen werden später die Pokémon gefangen. An den sogenannten Pokéstops können auch Überraschungseier gesammelt werden, welche je nach zurückgelegter Kilometerzahl schlüpfen. Marcel erklärt mir, dass es Eier gibt, welche nach zwei, fünf oder zehn Kilometern schlüpfen, wenn dieser Weg zu Fuß zurück gelegt wird. Die App erkennt, wenn ich das Rad benutze.

Die Pokémon können jederzeit erscheinen, da man geortet wird. Je nach Standort oder Tageszeit erscheinen unterschiedliche Pokémon. Als wir die Kasematten entlang gehen gibt die App ein Signal und vor uns steht ein Wasserpokémon.

Die virtuelle Karte verschwindet und die Kamera schaltet sich ein. Jetzt sehe ich das virtuelle Pokémon direkt am Ufer stehen. In der Gameboyversion musste gegen die Pokémons gekämpft werden, heute reicht es, sie einfach mit den Bällen zu fangen. Doch nicht jedes Pokémon, das im Ball gefangen ist, ist besiegt. "Je stärker das Pokémon, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich bei den ersten Malen noch befreit", erklärt mir Marcel.

So funktioniert "Pokémon Go"

Mittlerweile sind wir vom Rheinufer durch die Altstadt gelaufen und sitzen an der Kö. Ich beobachte, wie mehrere Jugendliche zusammen stehen und auf ihr Handy starren. Taucht ein Pokémon bei mehreren Personen auf, bekommt der schnellste das Pokémon, für alle anderen ist es dann nicht mehr sichtbar. Nach ungefähr 30 Sekunden erscheint dann ein neues. 

Um einen Vorteil gegenüber den anderen Spielern zu haben, kann man im Shop diverse Items  für echtes Geld kaufen, die einem das Spiel erleichtern. Pokébälle aber auch Rauchbomben, um die Pokémons anzulocken, sind die beliebtesten Items.

Die Idee von Entwickler Niantic Labs ist, dass jedes Pokémon erreichbar ist, ohne um die Welt reisen zu müssen, trotzdem soll die Umgebung erkundet werden. Es gibt normale und legendäre Pokémon. "Normale sind überall zu finden, Legendäre sind selten, aber trotzdem nicht unmöglich zu finden", sagt Marcel.

"Pokémon Go": Ein Pokémon entwickelt sich

Jetzt, wo ich gesehen habe, wie die Pokémon gefangen werden, interessiert mich aber auch, welche gefangen werden können. Marcel erklärt mir, dass man entweder ein bereits entwickeltes Pokémon fangen kann, welches frei rum läuft, oder mehrere aus dem Anfangsstadium braucht, um sogenannte Bonbons zu sammeln. Bei genügend Bonbons entwickelt sich das Pokémon weiter.

Mit jedem Pokémon, das gefangen wurde, bekomme Ich Erfahrungspunkte. Die Punkte werden benötigt, um Level für Level aufzusteigen. Ab Level 5 kann ich in Arenen kämpfen. Doppelte Pokémons kann ich zu der Figur des Professors schicken. Dafür bekomme ich ebenfalls Erfahrungspunkte und Bonbons. 

Jetzt auch offiziell in Deutschland verfügbar

Noch verbraucht die App viel Strom, aber es gibt einen Energiesparmodus. Die virtuelle Karte wird nicht mehr angezeigt, Schritte werden aber gezählt und auf Pokémons wird durch Vibration aufmerksam gemacht. "Du musst dich bewegen, du bist der aktive Part", fügt Marcel hinzu.

Vor allem in den amerikanischen sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram und Co. häufen sich Beitrage mit den Hashtags #pokemongo und #cottacatchemall.

Die Gefahren gehen im Hype unter

Als wir auf der Kö sitzen, beobachte ich, wie viele ohne auf ihre Umgebung zu achten  durch die Gegend rennen. Manche stehen auf dem Radweg, andere laufen bei Rot über die Ampel, aber immer voll fokussiert auf den Display. Wie bei jeder App werden auch hier die persönlichen Daten gespeichert. "Datenschutz ist für mich kein Thema", sagt Marcel. "Ich habe ein Konto bei Google und Facebook, meine Daten kennt eh schon jeder. Und geortet werden wir alle mit unseren Smartphones."

Es gibt Punkte, die jeder Spieler markieren kann, um dort Überraschungen für andere zu hinterlassen. "Kriminelles Potential wird genutzt um andere in die Falle zu locken", kritisiert Marcel. 

Jedoch sind wir beide der Meinung, dass man sich überlegen sollte, wo man hingeht, zu welcher Tageszeit und ob es einem das wert ist, diesen Ort zu besuchen. Es ist ein Unterschied, ob man um drei Uhr nachts im Wald oder an der Kö ist." Besonders Touristen könnten in diese Fallen gehen.

Ich frage eine Freundin, Miranda (18) aus den USA, wie sie diese Entwicklung beobachtet. Sie erzählt, dass es in den Staaten schon zu waghalsigen Unternehmungen, Unfällen und Überfällen wegen Pokémon Go gekommen ist. Ebenso beliebt wie #cottacathemall ist der Hashtag #DontPokemonGoandDrive.

Generationsübergreifende Faszination

Trotzdem bleibt die Frage, warum so viele Menschen in der Hypewelle von Pokémon Go mitschwimmen. Der Augmented-Reality-Gedanke ist nicht neu. Aber vielleicht liegt es nicht an der Art des Spiels, sondern am Spiel selber. Pokémon ist ein generationsübergreifendes Phänomen. Angefangen mit den ersten Sammelkarten entwickelt sich Pokémon in den 90ern über die Generation Gameboy bis in die heutige Generation Smartphone. Pokémon spricht eine sehr große Zielgruppe an, welche sich immer weiter entwickelt. So können sich Pokémonfans egal welchen Alters schon auf das nächste "Nintendospiel" Pokémon Sonne und Mond freuen, welches am 23. November  erscheint.

Hier finden Sie aktuelle Informationen zu Pokémon Go.

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