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CeBIT in Hannover
Wettstreit um die Netze der Zukunft ist bereits voll entbrannt

CeBIT: Wettstreit um die Netze der Zukunft ist bereits voll entbrannt
Ein Banner auf der CeBIT in Hannover. FOTO: afp, TOB/apr
Hannover. Die Revolution der Wirtschaft durch vernetzte Technik, von der alle auf der diesjährigen IT-Messe CeBIT sprechen, hat einen Haken. Es wird sie nicht geben ohne neue Mobilfunk-Netze, die schnell, stabil und flexibel genug sind, um die Daten-Flut zu bewältigen. Der nötige Standard 5G ist noch in der Entwicklung. Doch schon jetzt zeichnet sich ein scharfer Wettbewerb um Schlüsselpositionen ab.

Hinter den Kulissen läuft ein erbitterter Wettlauf zwischen Telekom-Ausrüstern, Netzbetreibern und Online-Firmen um die Schlüsselposition im Mobilfunk-Standard der Zukunft. Er bekam den Namen 5G. Wie genau er technisch umgesetzt werden soll, darum wird noch gefochten. Für Verbraucher ist das vorerst Zukunftsmusik.

Alle Player bauen gerade Patent-Arsenale auf, um sich eine stärkere Ausgangsposition zu verschaffen. So verkündete der Chef des Telekom-Ausrüsters Huawei, Ken Hu, jüngst auf dem Mobile World Congress in Barcelona, demonstrativ, der chinesische Branchenriese habe sein Portfolio an Schutzrechten massiv ausgebaut.

Angela Merkel eröffnet CeBIT 2015 in Hannover FOTO: afp, TOB/ej

"Ein Patentkrieg droht auf jeden Fall"

Doch auch die Netzbetreiber sind dabei, viele Patente anzumelden, sagte Vodafone-Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum auf der CeBIT.
"Bei 3G gab es die Konzentration der Patente bei einigen wenigen Anbietern wie Qualcomm." Das habe den Aufbau verteuert und verlangsamt. "Daraus haben wir gelernt. Diesmal sollen die Innovationen aus vielen verschiedenen Quellen kommen." Vodafone zeigte auf der CeBIT am Sonntag bereits einen kurzen 5G-Test.

Neuheiten von der Technikmesse CES 2015 FOTO: dpa, toh zeh

Ein führender deutscher 5G-Experte, der Leiter des Vodafone-Lehrstuhls für mobile Kommunikation an der TU Dresden, Gerhard Fettweis, ist skeptisch, ob es ein friedlicher Prozess wird. "Ein Patentkrieg droht auf jeden Fall. Das gehört zum Spiel dazu", sagte er.

Das Faszinierende an 5G im Moment ist: Niemand kann sagen, wie genau die technischen Lösungen am Ende aussehen werden. "Mindestens vier Jahre müssen wir noch ordentlich forschen", sagte Fettweis. Aber klar ist, dass die nächsten Generation der Netze sagenhafte Massen an Daten von Milliarden vernetzten Geräten umschlagen und auch ganz andere Reaktionszeiten als heute haben müssen.

Die wichtigsten Roaming-Regeln FOTO: dpa, Andrea Warnecke

Im Telefonnetz gehe es auch mit einer sogenannten Latenzzeit – also Signal-Verzögerung – von 100 Millisekunden, erläuterte Fettweis. Beim 5G-Netz, über das auch Maschinen in Echtzeit gesteuert werden sollen, soll der Wert auf eine Millisekunde gedrückt werden. Fettweis spricht vom "taktilen Internet", weil das Signal genauso schnell ist, wie die der Mensch eine Berührung wahrnehmen kann.

Priorität für sicherheitskritische Dienste gefordert

Solche Reaktionszeiten sind nötig, weil in der Zukunft zum Beispiel vielleicht auch Autos in Notsituationen aus der Ferne gesteuert werden könnten, sagtew der Autoexperte des IT-Marktforschers Gartner, Thilo Koslowski. Und das Netz muss in dieser Qualität flächendeckend verfügbar sein. Jeder, der heute zum Beispiel in der U-Bahn oder auf freier Straße an wackeligem Daten-Netz leidet, kann sich vorstellen, was für eine Herausforderung das ist.

Die Netzbetreiber fordern deswegen auch trotz des Prinzips der Netzneutralität eine Priorität für sicherheitskritische Dienste. "Wir können nicht zulassen, dass die Autos ineinander knallen, weil jemand einen großen Download macht", sagte Fettweis. Im gewöhnlichen Datennetz sei hingegen die von der Netzneutralität vorgeschriebene ist die Gleichbehandlung aller Daten kein Problem.

Es wird noch Jahre dauern, bis die Verbraucher erstmals mit einem schnellen 5G-Netz in Berührung kommen. Die Industrie rechnet mit einer stufenweisen Einführung etwa ab 2020. Dabei soll zugleich so viel bisherige Infrastruktur für weniger leistungshungrige Anwendungen genutzt werden wie möglich.

(dpa)
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