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Dämpfer für die Fabel-Karriere
RP Plus: Dämpfer für die Fabel-Karriere
Will Smith bei der Filmpremiere mit seinem Sohn und Co-Darsteller Jaden Smith. FOTO: dpa
Misserfolge waren Superstar Will Smith (44) bislang fremd. Nun droht ausgerechnet sein viel umworbenes Vater-Sohn-Epos "After Earth" zum PR-GAU zu werden. Von Gesa Evers

Er ist einer dieser Hollywood-Stars, die fast zu perfekt scheinen, um wahr zu sein: Will Smith ist immer, wirklich immer, bester Laune. Er macht Scherze, er lässt sich fotografieren, er umarmt Fans, er lächelt einen Auftritt bei "Wetten, dass..?" ebenso routiniert weg wie eine Filmpremiere im Dauerregen.

Er ist groß, schlank und attraktiv, liebt seine langjährige Ehefrau Jada Pinkett sowie die Kinder Trey (aus erster Ehe), Jaden (14) und Willow (12). Es gibt keine peinlichen Paparazzi-Fotos von ihm, wie er torkelnd einen Club verlässt, und er ist auch noch nie öffentlich ausgerastet. Will Smith, so scheint es, hat sich immer unter Kontrolle, und er hat auch noch Spaß dabei. Kaum ein anderer Star verkörpert das Klischee des Hollywood-Strahlemanns, in dessen reichem, erfülltem Leben 24 Stunden am Tag die Sonne scheint, besser als Smith.

Auf seinem sonnigen Gemüt basiert auch seine internationale Showkarriere. Der Durchbruch gelang ihm mit der Comedy-Serie "Der Prinz von Bel Air" (1990 bis 1996), in der er einen ebenso großmäuligen wie charmanten Kindskopf spielt, der aus dem rauen Philadelphia zu einem reichen Onkel an die Westküste gezogen ist. Nicht nur der Rollenname "Will" deutet daraufhin, dass die Serie autobiographische Züge trägt.

Erster Rapper mit einem Grammy

Auch als Rapper hatte Smith früh Erfolg, 1988 erhielten er und Jeff Tones, die zusammen das Duo "DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince" bildeten, als erste Rap-Interpreten einen Grammy für den Song "Parents Just Don't Understand", drei Jahre später folgte ein weiterer für "Summertime". Smith gehört zu der überschaubaren Gruppe an Stars, die nicht nur versuchen, zu singen und zu schauspielern, sondern die es tatsächlich hinbekommen.

Im Jahr 1995 landete er mit dem Buddy-Movie "Bad Boys" seinen ersten Kino-Erfolg, nach dem Blockbuster "Independence Day" konnte er sich seine Rollen endgültig aussuchen. Gern steuerte er, wie im Fall von "Men in Black" oder "Wild Wild West", die Soundtracks zu seinen Filmen selbst bei und kassierte doppelt. Smith war eine perfekt geölte PR- und Geldmaschine, seine Gage pro Film lag schon Ende der 90er Jahre bei 20 Millionen Dollar.

In den vergangenen Jahren verlegt er sich vermehrt auf das ernste Fach, für seine Rolle als "Ali" erhielt er eine Oscar-Nominierung, es folgten auch von Kritikern gelobte Erfolge wie "Das Streben nach Glück", "I am Legend" oder "Sieben Leben". Smith hat als einziger das Kunststück fertiggebracht, mit seinen letzten acht Filmen jeweils die magische Marke von 100 Millionen Dollar Einspielergebnis zu knacken. Er galt als sichere Bank, als Kassenmagnet.

27 Millionen Dollar statt 40

Und nun das: Sein neuer Film "After Earth", ein sündhaft teures Action-Spektakel, zu dem Smith die Story lieferte und seine Frau Jada als Produzentin auftrat, stürzte an den US-Kinokassen ab. Statt der erwarteten 40 Millionen Dollar am Startwochenende spielte der Film lediglich 27 Millionen Dollar ein und landete auf einem enttäuschenden dritten Platz. Für Smith ist es der mieseste Filmstart seit 20 Jahren. Schon wird das Werk, in dem neben Smith sein Sohn Jaden die Hauptrolle spielt, in einem Atemzug mit Jahrhundert-Flops wie "Battlefield Earth" und "John Carter" genannt.

Kritiker monieren die vorhersehbare Story, in der Smith und sein Sohn auf einer verlassenen Erde stranden und er seinen Nachwuchs durch die Wildnis lotsen muss, um den rettenden Notfallsender des zerstörten Raumschiffs zu finden. Doch viel schwerer als die Tatsache, dass der Film dramaturgisch lahmt und "verblüffend lustlos" (Spiegel Online) inszeniert ist, wiegen die zahlreichen Anspielungen auf die Lehren der Sekte Scientology.

Dass Smith der Organisation zumindest nicht ablehnend gegenübersteht, zeigt seine enge und öffentlich zelebrierte Freundschaft zu Ober-Scientologe Tom Cruise. Außerdem haben er und seine Frau schon mehrfach für Schulen der Sekte gespendet. Offiziell hat sich Smith nie zu einer Mitgliedschaft bekannt, vermutlich auch, weil es gerade in Europa PR-trächtigere Eigenschaften gibt, als Scientologe zu sein.

"Will Smiths Liebesbrief an Scientology"

Doch die Parallelen zwischen der in "After Earth" propagierten Philosophie und der Lehre des Sektengründers L. Ron Hubbard sind unübersehbar. Der Slogan des Films "Die Gefahr ist echt. Angst ist eine Wahl" entspricht ziemlich genau dem Mantra Hubbards, dass Angst eine hemmende Schwäche der menschlichen Psyche ist, die es zu überwinden gilt. Überhaupt fordert Smith seinen Sohn im Film permanent auf, seine Gefühle zu unterdrücken beziehungsweise zwecks Zielerfüllung auszublenden. Auch das ist ein elementarer Bestandteil der Sekten-Lehre, um aus einem vermeintlich orientierungslosen Menschen einen besseren zu machen.

Schließlich ist eines der wesentlichen Motive des apokalyptischen Films ein explodierender Vulkan. Genau so einer findet sich auf dem Hauptwerk des Sektengründers, "Dianetics". Das "New York Magazine" nannte den Film "Will Smiths Liebesbrief an Scientology". Das ist auch in den USA, wo die Sekte als Kirche anerkannt ist, alles andere als gute PR. Tom Cruise macht wenigstens keinen Hehl aus seinem Glauben und lässt ihn in seinen Filmen weitgehend außen vor. Smith steht nun da wie einer, der seinen Fans quasi durch die Hintertür die Ideale der hoch umstrittenen Psycho-Gemeinde aufzwingen will.

Retten kann ihn wohl nur noch der internationale Markt, doch zumindest in Deutschland, wo Will Smith eine starke Fan-Basis besitzt, startet der Film mit dem Scientology-Stallgeruch mit einer denkbar schweren Hypothek. Eines steht jetzt schon fest: "After Earth" bedeutet eine Zäsur in der Fabel-Karriere des Sonnyboys. Den Nimbus des Kassenmagneten ist Smith vorerst los. Einen Flop haben sich auch schon andere Größen Hollywoods geleistet, ohne dass sie Fans und Studios langfristig fallen ließen.

Doch sollte sich der Eindruck manifestieren, dass der Hauptdarsteller und sein für seine kommerziellen Reinfälle schon berüchtigte Regisseur M. Night Shyamalan eine als Action-Film getarnte Image-Kampagne für eine Sekte in die Kinos gebracht haben, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachte wird und der Kritiker menschenverachtende Methoden vorwerfen, um an das Geld ihrer Mitglieder zu kommen, hat Smith ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Das ließe sich weit weniger leicht verkraften als ein schlechter und daher gefloppter Film.

Quelle: csi/jco
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