2010-Probleme bei Geldkarten: Ein verschobener Milleniums-Fehler?
zuletzt aktualisiert: 08.01.2010 - 16:07Düsseldorf/Berlin (RPO). Vor zehn Jahren war der sogenannte Y2K-Bug in aller Munde. Untergangspropheten sagten für die Umstellung auf das Jahr 2000 das totale Computer-Chaos voraus – vom Ausfall von Kommunikationssystemen bishin zu Flugzeugabstürzen wurde teils ein düsteres Katastrophenszenario gezeichnet, das dann jedoch ausblieb. Doch das Problem wurde damals vielerorts offenbar nur verschoben statt grundsätzlich beseitigt, wie sich nun nicht nur durch die Störungen bei EC-Karten zeigt.
Zur Jahresumstellung kämpfen nicht nur Banken und Sparkassen mit nicht mehr funktionierenden EC-Karten. Die Düsseldorfer Rheinbahn hatte tagelang Probleme mit ausgefallenen Anzeigetafeln an ihren Bahnen, der Spam-Filter der E-Mail-Postfächer von GMX und 1&1 spielte verrückt, Sicherheitssoftware – darunter auch Anwendungen der bekannten Firma Symantec – funktionieren plötzlich nicht mehr richtig.
SMS aus der Zukunft
Smartphone-Blog "WMExperts" berichtet ebenfalls von einer kuriosen Beobachtung zum Jahreswechsel: SMS, die mit einigen Smartphones verschickt werden, auf denen Windows Mobile läuft, scheinen aus der Zukunft zu kommen: Dem Empfänger wird als Absendedatum statt 2010 das Jahre 2016 angezeigt.
Streikende Technik zum Jahreswechsel war von Experten eigentlich beim Wechsel auf das Jahr 2000 prophezeit worden. Doch damals blieben Probleme dank großer Medienaufmerksamkeit im Vorfeld und entsprechend akribischer Vorsichtsmaßnahmen im Vorfeld die absolute Ausnahme.
Doch die Probleme könnten damals einfach nur verschoben worden sein, glaubt ein Experte. "Die jetzigen Schwierigkeiten könnten Nachwehen des Jahr-2000-Problems sein", so Lutz Prechelt, Informatikprofessor an der Freien Universität Berlin, gegenüber der Online-Ausgabe der "Wirtschaftswoche". Damals hätten sich viele Programmierer einem Trick beholfen: Statt von einer zwei- auf eine vierstellige Zählweise der Jahre umzustellen, sei vielfach einfach der Zeitraum der Erfassung geändert worden. Die Jahre 1900 bis 1909 wurden so kurzerhand zu 2000 bis 2009 umdefiniert. Die entsprechenden Systeme müssten sich nun als im Jahr 1910 befinden, wo die Zählung beginnt. Nun, so die Vermutung des Professors, hätten sie schlicht vergessen, den Zeitraum weiter zudrehen.
Aussagen der Rheinbahn stützen zumindest für diesen Fall die Vermutung des Professors. "Es sieht so aus, als ob es kein Daten-, sondern ein Datumsfehler ist", sagte Eckhard Lander, Pressesprecher der Rheinbahn, bereits am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. Beim Jahreswechsel vom 31.12. 2009 auf den 1.1.2010 hätten einige Bahnen die neuen Daten nicht erkannt.ü />
Allerdings könne die Erklärung naturgemäß nur für Software gelten, die älter als zehn Jahre ist, so Prechelt. Im Falle der SMS aus der Zukunft vermutet "Wiwo.de" einen Zusammenhang mit dem in der EDV weit verbreiteten Hexadezimalsystem, wobei die Ziffernfolge 0-9 noch um A bis F erweitert wird. Eine 10 im Hexdezimalsystem wird so zur 16.
Einzelhandel akzeptiert wieder alle EC-Karten
Die Probleme mit den EC-Karten wurden inzwischen zumindest für den deutschen Einzelhandel gelöst. Die Zahlungsterminals seien neu programmiert worden, teilte der Handelsverband (HDE) am Freitag in Berlin mit. Nun könnten auch die fehlerhaften EC-Karten wieder gelesen werden. Probleme dürfte es nun nur noch in Ausnahmefällen geben. Weiter teilte der HDE mit, dass Kunden vielfach auch per EC-Lastschrift - also mit EC-Karte und Unterschrift - zahlen könnten. Dies habe bislang dafür gesorgt, dass die Probleme durch den Jahr-2010-Fehler begrenz werden konnten.
Zugleich verwies der Branchenverband darauf, dass das elektronische Lastschriftverfahren ein unverzichtbares Zahlungsmittel sei. Vor dem Hintergrund der jüngsten Panne werde der Handel daher weiter an diesem Verfahren festhalten. Der HDE forderte die Banken auf, das alte Lastschriftverfahren trotz der favorisierten neuen sogenannten SEPA-Lastschrift zu akzeptieren und nicht zu behindern. Insgesamt sind von dem Programmierfehler eines französischen Herstellers rund 30 Millionen der mehr als 100 Millionen in Deutschland ausgegebenen EC- und Kreditkarten betroffen.
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