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Facebook-Accounts von Toten
Streit um das Digitale Erbe

Facebook-Account von Toten: Streit um das Digitale Erbe
Darf ein Facebook-Account vererbt werden oder nicht? Diese Frage ist sehr umstritten. FOTO: Martin Ferl
Düsseldorf. Was passiert eigentlich mit dem Facebook-Account eines Toten? Das Landgericht Berlin hat im Fall eines toten Mädchens entschieden, dass der Account an die Eltern vererbt werden muss. Facebook legte Widerspruch gegen das Urteil ein und sieht die Rechte Dritter gefährdet.  Von Vassili Golod

Wenn ein Mensch stirbt, ändert sich in der virtuellen Welt erstmal nichts. Die Profile in sozialen Netzwerken bestehen weiter. Wollen Angehörige das Konto löschen, brauchen sie die Passwörter. Diese kennen sie aber in den meisten Fällen nicht.

Facebook-Profil = Tagebuch?

Bei Facebook kann man zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt bestimmen. Der kann einen fixierten Beitrag für das Profil des verstorbenen verfassen, auf neue Freundschaftsanfragen reagieren und das Profilbild aktualisieren. Allerdings verwehrt Facebook auch viele Rechte - zum Beispiel das Lesen von privaten Nachrichten. Diese Regelung ist ein entscheidender Streitpunkt.

Nachdem sich ein minderjähriges Mädchen das Leben nahm, wollten ihre Eltern auf der Suche nach der Ursache auf ihr Facebook-Profil zugreifen. Sie reichten Klage ein und bekamen Recht. Das Berliner Landgericht hat im Dezember 2015 entschieden, dass der Vertrag des Kindes mit Facebook Teil des Erbes sei. Der Digitale Nachlass ist nach Meinung der Richter also nicht anders zu behandeln als Briefe und Tagebücher. 

Facebook sieht Rechte Dritter in Gefahr

Das Unternehmen widerspricht. "Bei dem Zugriff auf Privatnachrichten geht es auch um die rechtlichen Ansprüche Dritter", so ein Facebook-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. "Wir haben daher Berufung gegen dieses Urteil eingelegt. Es muss rechtlich geklärt werden, was rausgegeben werden muss." Gleichzeitig betonte Facebook, dass vollstes Verständnis für den Wunsch der Familie bestehe. "Im Gegensatz zu einem Tagebuch sind an einem Chatverlauf mehrere Menschen beteiligt", sagte der Sprecher weiter.

Anders sei es bei Ermittlungen. Der Umgang mit Straffällen ist klar geregelt, den Ermittlern werden auf Anfrage alle notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt. Noch ist nicht klar, ob Facebook mit der Berufung gegen das Gerichtsurteil erfolgreich sein wird.

So läuft es bei Google

Google hat eine andere Lösung gefunden. Dort können Nutzer zu Lebzeiten einstellen, wann der eigene Account gelöscht werden soll. Das kann auch nach längerer Inaktivität der Fall sein - allerdings immer mit einer schriftlichen Vorwarnung.

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