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"Düsseldorf Digital"
Facebook: Wir filtern nicht automatisch nach nackter Haut

Facebook: Wir filtern Beiträge nicht automatisch nach nackter Haut
Angeregte Debatte: Tina Kulow, Moderator Daniel Fiene, Blogger Sascha Lobo. FOTO: Endermann
Düsseldorf. "Die wirklichen Meinungsmacher: Welchen Einfluss haben Social Media auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?" hieß das Thema der Veranstaltung "Düsseldorf Digital" von Rheinischer Post und Wirtschaftsclub Düsseldorf. Zu Gast waren diesmal der Blogger Sascha Lobo und Facebook-Sprecherin Tina Kulow. Im Mittelpunkt stand das Thema: Hass-Kommentare gegen Flüchtlinge. Von Florian Rinke

Natürlich musste auch über die vielen Hetzkommentare im sozialen Netzwerk Facebook gesprochen werden. "Wir gucken gerade sehr genau, was wir bei unseren Prozessen besser machen können", versprach Tina Kulow. Sie leitet beim Sozialen Netzwerk die Kommunikation für Nordeuropa und stellte eine Lösung binnen weniger Wochen in Aussicht.

Vor der Diskussion im Wirtschaftsclub hat Sascha Lobo mit Chefredakteur Michael Bröcker den Newsdesk von RP ONLINE besucht. FOTO: Endermann

Blogger Sascha Lobo wollte das nicht gelten lassen. "Ich erwarte von einem Unternehmen, das Milliarden umsetzt, dass es eine Lösung findet", kritisierte Lobo. Doch das passiere bei Facebook leider immer erst, wenn der öffentliche Druck massiv werde: "In den USA ist Facebook erst aktiv geworden, als die Leute sich nicht bei Facebook, sondern den Werbekunden beschwert haben."

Kulow widersprach. Ebenso wies sie Vorwürfe zurück, Facebook würde beim Entfernen von Nacktbilder schneller reagieren als bei rassistischen Kommentaren. "Das stimmt nicht". Jede Meldung würde von den Facebook-Mitarbeitern mit gleicher Priorität bearbeitet. Eine Software, die beispielsweise nackte Brüste oder Hintern erkennen könne, würde beim Sozialen Netzwerk nicht eingesetzt. "Beiträge werden uns von Nutzern gemeldet und dann an unsere Mitarbeiter weitergeleitet", sagt Kulow.

Wie viele Mitarbeiter sich bei Facebook um die Bearbeitung der Meldungen kümmern, wollte sie nicht sagen. Es seien aber mehrere Hundert, darunter auch Muttersprachler. Zum Vergleich: Weltweit hat Facebook mehr als eine Milliarde Nutzer und ist damit aus Lobos Sicht längst zur "sozialen Infrastruktur des Internets geworden".

Facebook ist damit für den Blogger eines der berühmtesten Beispiele für seine These, dass Plattformen die Wirtschaft revolutionieren und in den kommenden Jahren dominieren werden. Man habe es hier mit einer neuen Art von Unternehmenstyp zu tun, sagt Lobo: "Das klassische Unternehmen will das beste in seiner Branche werden, das Plattform-Unternehmen will das einzige sein."

Deutsche Unternehmen spielen in dieser Welt bislang keine Rolle - und so ist die Frage nach Innovationen hierzulande, die Mut machen, auch die einzige, auf die der Autor keine Antwort parat hat.

Vor "Düsseldorf Digital" diskutierte Sascha Lobo mit Chefredakteur Michael Bröcker und Oliver Horst, Geschäftsführer RP Digital, über die zukünftige Arbeitsweise von Medien. FOTO: Endermann

"Das Problem der deutschen Wirtschaft bei der digitalen Transformation ist der eigene Erfolg", so Lobo. Dieser würde die Innovationskräfte behindern. Dabei müssten Unternehmen jetzt Dinge ausprobieren, Projekte starten und damit in die digitale Zukunft investieren.

"Dazu müssen wir in Deutschland aber auch eine Fehlerkultur lernen", sagt Tina Kulow. Denn, da sind sich beide einig, die Revolution, die durch Erfindungen wie das Smartphone vorangetrieben wird, ist noch längst nicht auf ihrem Höhepunkt angekommen.

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