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Gamescom 2015
Die besten Gamer verdienen Millionen

Impressionen der Gamescom 2015 in Köln
Impressionen der Gamescom 2015 in Köln FOTO: dpa, htf
Krefeld. Auch als Videospieler kann man Karriere machen: Bei den Profis geht es um Millionenbeträge, Sponsoring und Doping. Von Ludwig Krause

Wenn Dennis Gehlen mit dem Reden erst anfängt, ist er so schnell nicht mehr aufzuhalten. "Die Branche ist extrem neu und wächst gigantisch", sagt der 29-Jährige. Seine Stimme klingt immer etwas heiser, die Worte scheinen in Hochgeschwindigkeit nur so aus seinem Mund zu fallen. "Wir befinden uns teilweise in Sphären, da war vor ein paar Jahren noch gar nicht dran zu denken." Zu Europas größter Videospielmesse Gamescom, die bis Sonntag in Köln zu sehen ist, werden mehr als 300.000 Besucher erwartet. Für manche ist das Spielen längst kein Hobby mehr.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends war Gehlen einer der besten Videospieler Deutschlands. Sein Spezialgebiet im "eSport": das Strategiespiel Warcraft III. Er reist durch Europa, gewinnt bei einzelnen Turnieren Preise im Wert von mehreren Zehntausend Euro. "Ich habe es schon immer geliebt zu gewinnen - und gehasst zu verlieren. Wenn eine Strategie aufgeht und man den Gegner besiegt, ist das einfach ein richtig gutes Gefühl", sagt er.

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2006 wechselt Gehlen die Seiten, beendet seine Zeit als Profispieler frühzeitig. Heute leitet er das Unternehmen "TakeTV", verdient mit dem Produzieren, Kommentieren und Übertragen der Videospiele Geld, beschäftigt bis zu 20 Mitarbeiter. Für die neuen Studios in Krefeld hat man eine halbe Million Euro in die Hand genommen.

"Als richtig guter Spieler kann man heute viel mehr verdienen als zu meiner aktiven Zeit. Da geht es schnell in die Millionen", sagt Gehlen. Ein Beispiel ist Jonathan Wendel. Der US-Amerikaner hat es als Spieler zum mehrfachen Multimillionär gebracht. Mit Einnahmen aus Turnieren, aber auch durch Sponsoring-Verträge. Sein Synonym "Fatal1ty" ziert bis heute Tastaturen, Kopfhörer und Grafikkarten. Auch in Deutschland ist die Zahl derjenigen, die als Videospieler ihren Lebensunterhalt bestreiten, bereits beachtlich.

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Das Sport-Magazin Kicker hat eine eigene eSport-Abteilung eingerichtet, der VfL Wolfsburg mit Benedikt Saltzer und Daniel Fink zwei Spieler verpflichtet, die im Namen des Vereins das Fußballspiel Fifa spielen. "Die Spiele werden von Jahr zu Jahr realistischer und finden sowohl bei unseren Profis als auch bei unseren Fans großen Anklang. Mit unserem Engagement wollen wir beide Welten zukünftig noch enger zusammenführen", sagt VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs.

Die Branche nähert sich dem traditionellen Spitzensport an - es gibt Manager, Trainer und Ligabetriebe, Sponsoren, Fanclubs und Idole. Wie beim Fußball beenden die meisten Profispieler ihre Karriere zwischen 30 und 35 Jahren. "Die Reaktionszeit lässt irgendwann nach. Dann ist man immer die entscheidende Tausendstelsekunde langsamer als die jungen Spieler", erklärt Dennis Gehlen. In Asien sind die Preisgelder bei Videospielturnieren längst siebenstellig, auch in Nordamerika fallen die Rekorde: Beim Wettbewerb "The International", der bis morgen in Seattle ausgerichtet wird, geht es um ein Preisgeld von mehr als 17 Millionen US-Dollar.

Wo so große Summen im Spiel sind, wachsen auch die Begehrlichkeiten. Längst kann auf den Ausgang von Spielen gewettet werden, auch Doping wird ein immer größeres Thema. So räumte Kory Friesen, Profispieler des Ego-Shooters "Counter Strike: Global Offensive", kürzlich in einem Interview die Verwendung von Adderall ein, das normalerweise Menschen mit Konzentrationsschwäche verschrieben wird.

Auch wenn bereits kurz darauf Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Aussagen aufkamen: Die größte eSport-Liga ESL hat reagiert und angekündigt, zukünftig mit der nationalen Anti-Doping-Agentur Nada zusammenzuarbeiten. "Charakterschwache Menschen gibt es in jeder Sportart", sagt Dennis Gehlen. "Da wollen manche einfach betrügen. Egal wie."

Auch wenn sich der professionelle Videospielmarkt stark verändert - einige Klischees bewahrheiten sich immer noch. Spielerinnen wie die Kanadierin Sasha Hostyn, die lange Zeit zu den besten Profis im Strategiespiel Starcraft II zählte, sind die große Ausnahme. "Mehr als 90 Prozent der Profis sind Männer", sagt Dennis Gehlen. Warum? "Vielleicht ist das so ein Alpha-Tier-Ding."

Quelle: RP
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