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Computerspiel "Demokratie": Kanzlerin kann jede werden

zuletzt aktualisiert: 22.11.2005 - 10:29

Gelsenkirchen (rpo). Die Kanzlerin für die nächsten Jahre steht zwar erst einmal fest. Aber in der virtuellen Welt ist dieser Posten noch frei. In der Politik-Simulation "Demokratie" können angehende Politiker probieren, es als Regierungschef allen Interessengruppen und den Wählern recht zu machen.

Produktentwicklungen werden immer öfter auf den Computer verlegt.  Foto: AFP, AFP
Produktentwicklungen werden immer öfter auf den Computer verlegt. Foto: AFP, AFP

Der Spieler beginnt als Regierungschef und kann sich aus elf Industriestaaten das Land seiner Wahl aussuchen. Deutschland hat auch in der virtuellen Welt erhebliche Finanzprobleme. Für Kanzlerinnen und Kanzler im Computerspiel gibt es am Anfang die klare Ansage: "Die Deutschen haben Sie für vier Jahre ins Kanzleramt gewählt. Das Land ist derzeit mit 500 Milliarden Euro verschuldet, und die Regierung kämpft mit einem Haushaltsdefizit."

Es gibt also gleich viel zu tun. "Demokratie" ist eine Simulation politischer Abläufe und gibt sich in der Präsentation sehr zurückhaltend. Die wichtigsten Entscheidungen werden auf einer Art Landkarte getroffen, wo die verschiedene Interessengruppen und Entscheidungsbereiche angeordnet sind. In jedem Land muss man sich zum Beispiel um das Bruttosozialprodukt, die innere Sicherheit, Sozialpolitik, Bildung und Umweltschutz kümmern. Jede Entscheidung hat Einfluss auf die Zustimmung verschiedener Wählergruppen, die entsprechend ihren Weltanschauungen dargestellt werden. Da gibt es Konservative und Liberale, Kapitalisten und Sozialisten. Sozialdemokraten und die Anhänger der Grünen fehlen allerdings in der Darstellung.

Ein beliebtes Instrument zur Verringerung der Schuldenlast sind die Steuern. Wer die Tabaksteuer zu stark erhöht, verliert aber umgehend die Sympathie bei Rauchern und der Industrie. So einfach ist das Prinzip von Ursache und Wirkung allerdings nicht immer. Viel öfter tritt das Problem auf, dass Entscheidungen gleich mit mehreren Wählergruppen zusammenhängen und weitere Probleme nach sich ziehen. Jeder Politiker hat in dem Spiel über mehrere Runden Zeit, sich seine Maßnahmen genau zu überlegen. Die aktuelle Entwicklung wird alle drei Monate neu dargestellt. Zwischendurch gibt es dann noch Ratschläge von prominenten Kollegen wie Robert F. Kennedy: "Ich bin der Überzeugung, dass die Duldung von Armut im Angesicht des Überflusses schlichtweg böse ist."

Was sehr einfach beginnt, kann sich sehr schnell zu einer handfesten Regierungskrise auswachsen. Innerhalb kurzer Zeit sinkt die Zustimmung der Bevölkerung unter 40 Prozent und das Defizit erreicht astronomische Höhen. Wo vorher auf der Karte nur freundliche Symbole waren, zeigen sich dann immer mehr gelbe Ausrufungszeichen, die auf drohende Schwierigkeiten hinweisen. Die Politikfelder sind in die Bereiche Außenpolitik, Verkehr, Recht, Öffentlicher Dienst, Steuern, Wirtschaft und Soziales eingeteilt. Wer am Ende nicht wenigstens die Hälfte aller Wählerstimmen erhält, der steht vor dem Aus als Regierungschef und kann sich über "Neues Spiel" ein neues Amt suchen.

Auf einer einfachen grafischen Oberfläche - Animationen oder eine 3D-Darstellung sucht man vergebens - werden komplexe politische Abläufe einfach simuliert. So erinnert das Regieren leider oft an die Arbeit mit einer Tabelle und das ist nicht immer unterhaltsam. Das Spiel ist allerdings auch sehr preiswert, und wer noch zögert, der kann sich auf der englischen Web-Site eine Demoversion herunterladen. Hier gibt es für die englische Version auch einige "Mods", die von Spielern entwickelte neue Inhalte in das Spiel einfügen.

Die "Demokratie" benötigt einen PC mit einem Prozessor ab 500 MHz, 128 MB Arbeitsspeicher und Windows (ab 98). Im Vertrieb von Frogster kostet das Spiel 14,99 Euro.

Quelle: ap

 
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