Games-Kritik: Matrix - Path of Neo: Du bist der Eine
VON KATRIN BRAUN - zuletzt aktualisiert: 29.11.2005 - 12:03Wer die blaue Kapsel schluckt, kommt nicht weit. Und wer die rote Kapsel wählt, braucht gute Nerven. In dem mit Spannung erwarteten Actionabenteuer "Matrix - Path of Neo" schlüpft der Spieler erstmals selbst in die Rolle von Neo, dem Auserwählten der erfolgreichen Matrix-Filmtriologie. Und wird Teil des Systems.
Für Matrixbegeisterte stellt das Spiel eine Art interaktiven Film dar, der über bekannte Szenarien hinausgeht. Dabei kämpft man sich in einer 3rd-Person Perspektive durch die wesentlichen Passagen, die durch neue Locations und Handlungsstränge ergänzt wurden. So muss Neo anfangs den Agenten in seinem Büro entkommen. Endet im filmischen Vorbild die Flucht jedoch abrupt durch seine Höhenangst, gibt es nun mehrere Alternativen: Was passiert, wenn Neo seine Phobie überwindet?
Bevor es allerdings richtig losgeht, müssen diverse Trainingsprogramme absolviert werden. Neo kämpft beispielsweise gegen Samurai, Geister oder Gangster und schleicht sich im Stil von „Splinter Cell“ an seine Gegner an. Doch die Entwickler haben es zu gut gemeint: Dieser Teil des Spiels erscheint beinahe endlos.
Je weiter Neo in das System eindringt, desto besser werden seine übernatürlichen Fokus-Fähigkeiten und der Spieler kann zunehmend Spezialattacken einsetzen, was motivierend wirkt. Denn die flüssig animierten, filmreifen Kampfszenen können durchaus überzeugen. Sie kommen vor allem im so genannten Bullet-Time Modus zur Geltung, wenn Neo der Schwerkraft trotzt und dem Kugelhagel der Agenten ausweicht.
Allerdings wird dieser Augenschmaus durch die komplizierte Steuerung und teilweise wirre Kameraführung getrübt. Es gehört einiges Geschick dazu, Neo – besonders mit gezogener Waffe – durch die Level zu navigieren und die Gegner im Auge zu behalten. Denn statt wütend um sich schießender Cops ist teilweise nur der Fußboden zu sehen.
Wenig Abwechslung
„Oh, war ich das?“ Wenn sich der Weltenretter Neo anschleicht, prügelt oder Bösewichte erschießt, geschehen manchmal wundersame Dinge. Nicht immer bewirkt das die geschickte Tastenkombination des X-Box-Spielers. Und manchmal schießen die Gegner sogar durch Türen oder Wände – ganz ohne übernatürliche Fähigkeiten.
Leider wird der Spielfluss zu oft durch Zwischensequenzen unterbrochen. Sie sorgen zwar für die richtige Matrix-Atmosphäre und bestehen zum Teil aus neu arrangiertem bzw. unveröffentlichtem Filmmaterial. Auf Dauer wirken sie jedoch störend und demotivierend – vor allem wenn man nach dem Tod des virtuellen Heldens gezwungen ist, sich einige Szenen mehrfach anzuschauen. Denn Checkpoints sind rar gesät und es gibt keine Möglichkeit, zwischendurch zu speichern. Das sorgt für Frust.
Außerdem ist die gesamte Handlung, die von den Wachowski-Brüdern (den Erfindern des Matrix-Universums) geschrieben wurde, nicht besonders abwechslungsreich. Die einzelnen Aufgaben und Level sind zu monoton aufgebaut, um dauerhaft zu fesseln.
„Path of Neo“ ist für Matrixfans trotzdem eine durchaus lohnende Anschaffung. Endlich können sie in die Rolle ihres Helden schlüpfen und sich an der Seite von Trinity, Morpheus & Co. ins Abenteuer stürzen. Die Neuerscheinung hebt sich positiv von seinem Vorgänger „Enter the Matrix“ ab. Im Vergleich zu Toptiteln des Genres ist das Spiel jedoch nur Mittelmaß, denn Grafik und Handlung können keine Maßstäbe setzen und die beschwerliche Steuerung bremst zu oft den Spielspass.
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