Call of Duty Modern Warfare 3: Routinierte Action ohne große Innovationen
VON MICHAEL GRÜNEWALD - zuletzt aktualisiert: 15.12.2011 - 13:59Düsseldorf (RPO). Weltweit ist die Call-of-Duty-Reihe die erfolgreichste Computerspieleserie. Der neueste Ableger "Call of Duty Modern Warfare 3" verkaufte sich innerhalb der ersten Woche über zwölf Millionen mal - mehr als jemals ein Spiel zuvor. Obwohl die teilweise brutalen Szenen der Spiele in der Vergangenheit für mächtig Gesprächsstoff gesorgt haben, ist die Inszenierung für viele Spieler das Nonplusultra.
Die Call-of-Duty-Reihe ist nicht mehr aus der Welt der Computerspiele wegzudenken. Am 6. November 2003 kam der erste Teil auf den Markt. Die Thematik: wie so oft bei First Person Shootern der Zweite Weltkrieg.
Auch in den darauf folgenden Teilen fand sich der Spieler meist auf Schlachtfeldern zwischen Nazis und Alliierten wieder. Gut vier Jahre dauerte es, bis die Entwickler etwas Neues probierten und in der nahen Gegenwart ankamen.
SAS oder Delta Force
Mit dem ersten Modern-Warfare-Teil schaffte es der Entwickler Infinity Ward das Spiel auf eine neue Ebene zu heben. In der mittlerweile Gegenwart und der nahen Zukunft muss man sich entweder als Mitglied der britischen Elite-Einheit SAS oder der US-amerikanischen Delta Force durch die Level kämpfen.
Das Besondere indes war die seinesgleichen suchende Inszenierung. Unzählige Script Sequenzen vermittelten dem Spieler das Gefühl, mitten drin im Chaos der Gefechte zu sein. Seit diesem ersten Modern-Warfare-Teil ist die Erfolgsstory der Call-of-Duty-Reihe nicht mehr zu stoppen gewesen.
Mangelnde Innovationen
Der aktuelle Ableger setzt die Geschichte der beiden vorherigen Spiele fort. Mit altbekannten Kameraden bestreitet man Schlachten in Paris oder Afrika, zu Beginn des Spiels allerdings in New York. Als Mitglied der Delta Force muss man Manhattan von der russischen Invasions-Armee säubern und feindliche U-Boote vor der Küste zerstören.
Das hört sich zwar sehr spektakulär an, doch zu häufig hat man gerade am Anfang des neuen Call of Duty den Eindruck, die Entwickler möchten mangelnde Innovationen durch spektakuläre Sequenzen wettmachen. Und zugegeben, bisweilen fällt einem beim Blick auf den Monitor buchstäblich die Kinnlade herunter.
Und besonders amerikanischen Spielern wird im ersten Level sicher warm ums Herz, da man selten über eine Straße läuft, ohne dass die Stars and Stripes auf einem Dach im Wind wehen. Kein Wunder, dass von den über zwölf Millionen verkauften Exemplaren ein Großteil in die Staaten ging.
Matschig und unscharf
Wie schon in den anderen Modern Warfare Ablegern liegt der Fokus auf der Inszenierung. Diese ist auch meistens gelungen. Doch leider wirkt es oft so, als wäre dies das Einzige, was den Entwicklern wichtig ist. Die Grafikengine des Spiels wurde nur punktuell verbessert, Explosionen sehen ein wenig besser aus, andererseits sind viele der Texturen im Spiel aber matschig und unscharf.
Der Vorteil bei den nicht ganz so zeitgemäßen Texturen ist der geringe Hardware-Hunger des Titels: So läuft das Spiel auch auf älteren Rechnern flüssig und stabil. Dafür haben die Entwickler noch einmal an den Animationen gefeilt, die im neuen Teil noch besser aussehen als zuvor - und gerade dadurch den Realistätsgrad in den vielen Scriptsequenzen nach oben schrauben.
Doch leider, leider sind die Level-Parts, in denen der Spieler selbst aktiv werden muss, nur extrem kurz. Vor allem im Vergleich zur Zeit für Videos und die spektakuläre Szenen. Auch wenn der Spieler auf ein sehr breites Arsenal an Waffen zugreifen kann - von Handfeuerwaffen über Sturmgewehre, Panzerfäuste und sogar Kampfdrohnen: Das Gefühl, dass man relativ schnell durch die Levels kommt, stammt nicht von ungefähr.
Ein Spiel für zwischendurch
Mit einer Spielzeit von unter sechs Stunden ist Call of Duty eher ein Spiel für zwischendurch, als für Spieler, die eine Story voller Wendungen und ansteigende Schwierigkeitskurve erleben wollen. Zudem hat man in den extrem linearen Leveln das Gefühl, das die Gegner nicht das unbedingte Verlangen haben, den Spieler tatsächlich aufzuhalten.
Zwar werden die Feuergefechte an der einen oder anderen Stelle heikel, doch meistens fühlt sich „Call of Duty Modern Warfare 3“ wie eine Moohrhuhnjagd an, die mit jeder Menge Actionkino à la Michael Bay angereichert wurde.
Doch wo die KI beim Gegner versagt, arbeitet sie auf der eigenen Seite solide mit. In vielen Passagen schaffen es die digitalen Kameraden im Alleingang, die Gegner in die Flucht zu schlagen. Stellenweise fragt man sich, wofür die eigene Feuerkraft überhaupt gebraucht wird.
Beeindruckende Mission in Paris
So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Figur des Spielers meist in den Hintergrund der sehr geradlinigen Handlung tritt. Dafür reist man aber wenigstens um die ganze Welt. Besonders beeindruckend ist dabei die Mission, in der Paris von den Russen befreit werden muss.
Nicht nur das man aus der Sicht einer unbemannten Kampfdrohne heraus die Straßen säubern muss, zum Ende der Mission rennt man über den Place de Trocadero und sieht wie der Eiffelturm in die Seine stürzt. In solchen Situationen fällt es schon leichter, die mäßige deutsche Synchronisation aus den Boxen zu ertragen. Schade!
Denn ansonsten wird die Geschichte von „Call of Duty Modern Warfare 3“ auch durch die prächtige Soundkulisse unterstützt, die aber nicht an die Konkurrenz von Battlefield 3 herankommt.
Alles in allem ist der jüngste Call-of-Duty-Ableger solide, der die Geschichte seiner Vorgänger zwar überaus gelungen abschließt. Der Hype ist aber nur bedingt gerechtfertigt. Das Spiel fängt nahtlos an, wo der Vorgänger aufgehört hat. Das heißt aber leider auch: Es gibt spielerisch und technisch keine Neuerungen. Anspruchsvolle Spieler werden davon enttäuscht sein.
Für Fans ein Muss
Um bei Call of Duty tatsächlich neue Akzente zu setzten und Battlefield 3 vom Thron zu stoßen, muss Activision die Reihe langsam neu erfinden und endlich mal wieder Innovationen präsentieren.
Für Fans der Serie ist der neue Teil darum sicher ein absolutes Muss. Wer aber nicht mit der Modern-Warfare-Reihe vertraut ist und auf der Suche nach einem packenden Shooter ist, sollte lieber zur Konkurrenz von Electronic Arts greifen.
USK 18
Preise: Playstation 3 ca. 55 Euro, Xbox360 ca 50 Euro, PC ca. 45 Euro
Minimale Systemanforderungen: Betriebssystem: Windows XP / Windows Vista / Windows 7 Prozessor: Intel Core 2 Duo E6600 oder AMD Phenom X38750 processor oder besser
Speicher: 16 GB freier Festplattenspeicher / 2 GB RAM
Grafikkarte: Shader 3.0 or better 256 MB NVIDIA GeForce 8600GT / ATI Radeon X1950 oder besser
Sound: DirectX 9.0C oder besser
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