Games Convention in Leipzig: Verrückte Hasen, Plastikgitarren, Konsolen-Kochen
VON SILKE FREDRICH UND DANIEL HECHT - zuletzt aktualisiert: 20.08.2008 - 08:20Leipzig (RP). Die Spielebranche boomt wie selten zuvor. Auf der Leipziger Messe "Games Convention" zeigen Hersteller vor allem so genannte Alltagsspiele, die auch Ältere und Frauen an die Konsolen locken sollen. Bei Jugendlichen sind Strategie- und Sportneuheiten beliebter als Ballerspiele.
Wer angeln, Bowling spielen, fangen oder singen möchte, ist dazu bisher mit Freunden an die entsprechenden Orte gefahren. Jetzt braucht man dafür nur noch einen Computer oder eine Spielekonsole.
Denn das so genannte „Casual Game“ (Alltagsspiel) ist der Hauptschwerpunkt auf der Videospielmesse „Games Convention“ in Leipzig, die am Donnerstag startet. Solche Alltagsspiele sollen vor allem neue Zielgruppen locken, also Ältere und Frauen. Doch auch klassische Videospiel-Liebhaber kommen nicht zu kurz. Hersteller präsentieren mehr als 250 Neuheiten aus den Kategorien Sport-, Strategie- und Rollenspiele.
Konsolen boomen, PC bricht ein
Für die Spiele-Industrie boomt das Geschäft momentan wie selten zuvor. Die meisten Hersteller erreichen Zuwächse von mehr als 20 Prozent pro Jahr. Nach Angaben von Wolfgang Marzin, Chef der Leipziger Messe, befindet sich der Spielemarkt seit dem großen Erfolg von Konsolen wie Nintendo Wii oder Microsoft Xbox aber im Umbruch. „Bei stationären und mobilen Konsolen gibt es starke Zuwächse, wogegen der in Deutschland traditionell starke PC-Markt im ersten Quartal um 25 Prozent eingebrochen ist.“
Der gesamte Markt für interaktive Unterhaltungssoftware in Deutschland hatte 2007 mit einem Umatz von 1,4 Milliarden Euro einen Rekordstand erreicht. Und es gibt noch reichlich Potenzial: Während in Großbritannien durchschnittlich jeder zweite Haushalt über eine Konsole verfügt, ist es in Deutschland nur jeder zehnte.
Deshalb reicht der Spiele-Industrie der klassische männliche Spielenutzer zwischen zehn und 15 Jahren nicht mehr. Sie will vor allem Frauen und Männer ab 40 Jahren für Computer und Spiele-Konsolen begeistern. Hersteller setzen besonders auf Rätselspiele, neue Bewegungsspiele für die Konsole Wii von Nintendo oder auch Musikspiele wie „Singstar“ und „Guitarhero“.
Virtuelle Küchenhelfer
Erste Erfolge gibt es schon. Die mobile Konsole Nintendo DS beispielsweise wird zu fast 50 Prozent von Frauen genutzt. Ausgerechnet ein Kochspiel erfreut sich bei der älteren Zielgruppe auf der tragbaren Konsole besonderer Beliebtheit. Nutzer können zwischen vielen hundert Rezepten auswählen und sich vom virtuellen Küchenhelfer die Kochanleitung Schritt für Schritt vorlesen lassen.
Auch einzelne Spielekonzepte haben sich geändert. Während Strategie und Rollenspiele meist am PC gespielt und mit der normalen Tastatur ausreichend gesteuert werden können, sind die Alltags- und neuen Sportspiele meist für Konsolen konzipiert. Insbesondere Nintendo ist in den vergangenen Jahren mit dem berührungsempfindlichen Steuerungselement der Konsole Wii ein Kassenschlager gelungen. Hier müssen Nutzer beispielsweise bei einem Tennisspiel nicht nur einen Knopf drücken, um einen Schlag auszulösen, sondern die gesamte Bewegung mitmachen.
Musikspiele liegen im Trend
Zum Kassenschlager im Bemühen um neue Zielgruppen soll sich das Familien-Spiel „Rayman Raving Rabbits“ von Ubisoft mausern. Insgesamt vier Mitspieler können zwischen 60 Minispielen von Fangen, über Bullenreiten bis hin zu Tanzen wählen und sich einen der verrückten Hasen als Spielfigur aussuchen und gegeneinander antreten.
Der neueste Trend sind Musik-Spiele: Schon im vergangenen Jahr gab es für erste Versuche wie „Rock Band“ und „Guitar Hero“ viel Lob, jetzt werden aber wesentlich aufwändiger gestaltete Nachfolgevarianten vorgestellt. Clou der neuen Spiele: Nutzer können die bekanntesten Rock-Songs der Geschichte mit eigenen Instrumenten aus Plastik nachspielen.
Ab dem kommenden Jahr wird Europas größte Computerspielmesse nach Köln ziehen, um mehr Besucher zu locken. Messechef Marzin passen diese Pläne nicht ins Konzept. Er will einen Umzug in die Domstadt möglichst verhindern und schließt eine Leipziger Konkurrenzmesse im gleichen Zeitraum nicht aus.
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