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20 Jahre Game Boy
Vom Mini-Toaster zum Kultobjekt

20 Jahre Game Boy
20 Jahre Game Boy FOTO: Nintendo
Düsseldorf. Seit 20 Jahren begleitet uns der Game Boy durch den Alltag: 1989 erschien die erste Version des Gerätes, groß und schwer wie ein Toaster, sowie mit einem grünlich flackernden Bildschirm ausgestattet. So begann Nintendo die Welt zusammen mit dem russischen Programmierer Alexei Paschitnowund und seiner grandiosen Knobelei "Tetris" zu erobern. Wir erzählen die Geschichte des kleinen Alleinunterhalters. Von Daniel Hecht

Der Game Boy gilt bis heute als wichtigstes Standbein von Nintendo. Im Gegensatz zu den stationären Konsolen, wie dem Nintendo Entertainment System, dem Super Nintendo oder dem Nintendo 64, genoss das mobile Gerät das Sonnenlicht ebenso wie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Während in den jungen Jahren der Spiele-Kultur Konsolen als Nischenprodukte angesehen wurden (trotz hoher Verkaufszahlen, immerhin brachte es alleine das NES auf stolze 60 Millionen verkaufte Exemplare weltweit), bot der Game Boy der ganzen Familie vor allem in Urlaubszeiten ein nettes Freizeitangebot.

Während der Vater dem Sohnemann seinen Game Boy für eifrige Tetris-Sessions auslieh, bediente sich auch die werte Mama auf langen Autofahrten gerne mal des klobigen Kastens. In Kombination mit dem Puzzle-Spaß Tetris, löste der Gameboy ein allgemeines Spielfieber aus, das hierzulande nicht nur dem mobilen Gaming, sondern dem Videospiel insgesamt zum Durchbruch verhalf.

Größter Vorteil des heute extrem klobig erscheinenden Gerätes: Die Batterien hielten selbst extrem langen Spiel-Sessions stand und ließen das Gerät selbst mit der Konkurrenz mithalten. Ataris Lynx und Segas Gamegear liefen immerhin schon in Farbe und deren Fans hatten nur ein müdes Lächeln für die simplen vier Graustufen des Game Boys übrig.

Von Jumpman zu Super Mario

Einige der beliebtesten Spiele sind bis heute die Jump'n'Runs rund um die italienische Plauze Super Mario und dem Gorilla Donkey Kong. Immerhin wurde der knuffige Klempner, bekleidet mit roter Latzhose, blauem Hemd und rotem Cappy, 2005 mit einem Stern auf dem "Walk of Game" in San Francisco geehrt und steht bis heute als Symbol für Videospiele an sich.

Noch vor der Gameboy-Zeit trat Mario in seinen ersten "Donkey Kong" - Abenteuern als "Jumpman" auf, erst später erhielt er seinen wahren Namen. Allerdings weder von seinem Schöpfer, der Designlegende "Shigeru Mijamoto", noch vom Nintendo Firmenchef "Yamauchi", der das Spiel als letzte Rettung des Konzerns in Auftrag gegeben hatte. Die Idee für den Namen "Mario" kam vom damaligen Präsidenten von Nintendo-Amerika Minoru Arakawa, der den Namen Jumpman unpassend fand.

Rein zufällig viel der kreative Zeigefinger auf den italienischen Vermieter des "Nintendo of America" Bürogebäudes, der "Jumpman" mit seinem Bart erstaunlich ähnlich sah und auf den Namen Mario Segali hörte - "Super Mario" war geboren.

Weitere Klassiker für den Gameboy waren unter anderem die Abenteuer der "Legend of Zelda"-Serie, die ebenfalls auf Shigeru Miyamoto zurückgehen. Zu den Ikonen der Jugendkultur, die auf dem Game Boy das Licht der Videospiel-Welt erblickt haben, gehören nicht zuletzt die Pokémon. 1996 erstmals erschienen, wecken die kleinen Phantasiewesen bis heute die Jagd- und Sammelleidenschaft ihrer Fans.

Game Boys soweit das Auge reicht

Keine andere Konsole hat so viele Redesigns erlebt, wie der Game Boy. Bereits 1995 erschien der Game Boy in verschiedenen Farben, 1996 erschien das erste "neue" Modell mit verbessertem Bildschirm und kleineren Abmessungen: Der "Game Boy Pocket". Auch 1998 war Farbe Trumpf: Der "Game Boy Color" erschien und konnte 32.768 Farben darstellen, davon 56 gleichzeitig. Die älteren Schwarzweiß-Spiele konnten "eingefärbt" werden, neue Spiele erschienen gleich "bunt" und extra für den "Color" gekennzeichnet.

Am 22. Juni 2001 schließlich erschien der Game Boy Advance in Europa. Das schmucke Gerät spielte zwar auch ältere Spiele ab, jedoch wurden fortan neue, wesentlich schmalere Module für die Konsole mit neuem Branding verkauft. Nur wenig später erschien der Game Boy Advance SP. Größte Neuerungen waren das aufklappbare Display und die noch bessere Hintergrundbeleuchtung, welche für durchgezockte Nächte sorgten. Der Akku ermöglichte immerhin einen Betrieb von rund zehn Stunden.

Dank der höheren Hardware-Power erschienen auch viele Super Nintendo Umsetzungen für den Advance: Allen voran natürlich wieder Super Mario World und das kultige Yoshi's Island. Für Fans ist der Game Boy Advance SP auch heute noch eine äußerst praktische Alternative: Zusammengeklappt passt das Gerät in jede Hosentasche und das Display ist angenehm scharf.

"Spielen ist keine Frage des Alters"

Von der Startphase des Game Boy abgesehen, blieb das mobile Videospiel lange Zeit eine fast exklusive Domäne von Jugendlichen. Das sollte sich ab 2005 grundlegend ändern, dank der Neuentwicklung Nintendo DS. Unter Satoru Iwata, seit 2002 Präsident von Nintendo, richtete das Unternehmen seine Strategie auf die Neuformierung und Erweiterung des Videospielmarktes aus: Über die traditionellen Gamer hinaus, sollten nun auch Mädchen und Erwachsene für den Freizeitspaß des Computerzeitalters begeistert werden.

Besonders gefragt waren neue Spiel-Ideen und neue Konzepte, vor allem "Spiele mit Mehrwert": Sie sollten den Spaß mit einem konkreten Nutzeffekt verknüpfen, mit Wissensvermittlung oder dem Training der geistigen Fitness. "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" und "Kochkurs: Was kochen wir heute?" stehen exemplarisch für eine immer größer werdende Bandbreite an "praktischen" Spielen.

Größte Besonderheit des Nintendo DS: Über seinen Touchscreen und sein integriertes Mikrofon ermöglicht er die Spielesteuerung durch einfache Berührung oder Spracheingabe. Ebenfalls ein Novum ist der zweite Bildschirm, welcher für zahlreiche Effekte genutzt werden kann.

Spiele mit Mehrwert und Spielspaß

Zum Nintendo DS griffen von Anfang an auch Menschen, die bis dahin noch nie eine tragbare Videospielkonsole in der Hand gehalten hatten. Für die Programme zum Gedächtnistraining aus der Reihe Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging etwa begeistern sich erwachsene ebenso wie jugendliche Gamer. Seit Jahren stehen diese Titel in den Software-Charts weit oben.

Natürlich kamen auch die traditionellen Gamer auf dem Nintendo DS auf ihre Kosten: Das DS exklusive "Mario Kart DS" und "Zelda - Phantom Hourglass" brachten auch alte Nintendo-Hasen vor die Konsole. Ebenfalls Neuland für Game Boy Fans war das Stichwort Online. Über die Nintendo Wi-Fi Connection können in Mario Kart DS bis zu acht über die Welt verteilte Go-Kart-Fans gemeinsam über virtuelle Pisten jagen.

Aktuelles Glanzlicht: Nintendo DSi

Wie der Game Boy, so entwickelt sich auch der Nintendo DS immer weiter. Nach dem Nintendo DS Lite im Jahr 2006 erschien 2009 (genau 20 Jahre nach dem ersten Auftritt seines Urahns) der Nintendo DSi. Das neue Gerät ist flacher und leichter, hat eine höhere Speicherkapazität, größere Bildschirme, zwei integrierte Kameras und ist zugleich leistungsstärker als seine Vorgänger. Kleines Manko am Rande: Er ist nicht mehr mit älteren Gameboy Advance Spielen kompatibel, sondern spielt nur noch DS-Titel ab.

Der Nintendo DSi lockt vor allem mit vielen kreativen Möglichkeiten der Personalisierung: Seine Besitzer können mit ihm Fotos und Musik aufnehmen und beide Datenformen ganz nach ihrem Geschmack bearbeiten. Auch ihre Wi-Fi-Fähigkeit nutzt die Konsole auf neue Weise: Über den Nintendo DSi Shop können die Gamer spezielle Spielesoftware online kaufen und direkt auf die Konsole laden.

Die Wurzeln von Nintendo

Die Firma Nintendo ist älter, als man glauben mag: Bereits im Jahr 1889 wurde die Firma von Fusajiro Yamauchi gegründet. Dies geschah in einer Zeit, wo man über Dinge wie HDTV, Breitband-Internet und 3D-Grafik nicht mal in den kühnsten Visionen träumen konnte. Das Unternehmen gründete seinen Erfolg auf Spielkarten, genauer den "Hanafuda". "Hana" bedeutet übersetzt "Blume" und dementsprechend gestalteten sich die Motive auf den Karten.

Im krassen Gegensatz dazu tritt der Fakt, dass die "blumigen" Kartenspiele von der japanischen Mafia, der Yakuza, zum Hauptzeitvertreib gehörten. Nicht nur der Name "Yakuza" leitet sich aus einem Spielzug von "Hanafuda" ab, Gerüchten zufolge war Nintendo sogar Hauptlieferant der Karten für die Yakuza.

Der Sprung von bunten Kartenspielen zu Videospielen erfolgte fast ein ganzes Jahrhundert später: Nintendo wurde mittlerweile von Hiroshi Yamauchi geleitet, dem Urenkel des Firmengründers (japanische Firmen haben eine starke Familiengrundlage). In den 60er und 70er Jahren versuchte Nintendo noch verzweifelt, seine Spielkarten durch eine Kooperation mit Disney besser an den Mann zu bringen - erst Anfang der 1980er Jahre erfolgte der Einstieg in den boomenden Elektronikmarkt.

Game & Watch

Die ersten Spiele erschienen in der "Game & Watch" Reihe als einfache LCD Spiele. Die Firma "Bienengräber" erwarb hierzulande das Recht zum Vertrieb unter dem Namen "Tricotronic". Zu den ersten Spielen gehörten die wenig aussagekräftigen Titel "Ball" (Bälle jonglieren) und "Fire" (Leute springen aus einem brennenden Hochhaus und müssen aufgefangen werden). Spätere Titel versprühten zumindest schon ein wenig von der Kreativität, welche Nintendo wenig später zu den Top-Sellern aufsteigen lassen sollte: In "Helmet" musste der Bildschirm durchquert werden, ohne von den fallenden Werkzeugen getroffen zu werden. In "Octopus" musste der Taucher Schätze unter der Nase eines gigantischen Octopus wegschnappen.

In einer "Game & Watch" Version des Automatenklassikers "Donkey Kong" sprang Mario an Fässern vorbei um seine geliebte "Pauline" vor dem dicken Affen zu retten - von "Prinzessin Peach" fehlte damals noch jede Spur, der Doppelbildschirm der Game & Watch Serie erinnert jedoch frappierend an den heutigen Nintendo DS. Ebenso ist die Einteilung der verschiedenen G&W Editionen ähnlich mit der späteren Benennung der diversen "Game Boys": "silver", "super color", "micro" und "crystal" schallen Nintendo Fans bis heute noch im Ohr.

Wir wünschen dem Game Boy alles Gute zum 20jährigen Jubiläum und sind gespannt auf die nächsten 20 Jahre mobiler Videospielkultur!

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