Bioware: Mass Effect 2: Wie ein Phönix aus der Asche
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 08.01.2010 - 15:48Düsseldorf (RPO). Am 26. Januar ist es in den USA so weit und am 29. Januar auch in Deutschland. Dann erhalten Rollenspieler nachträglich ein Weihnachtsgeschenk: Die lang ersehnte Fortsetzung des Rollenspiel-Superhits Mass Effect kommt für die Xbox und den PC in den Handel.
Es dauert nur knapp zehn Minuten, bis es passiert – und Commander Shepard stirbt. Im ersten Teil hat man mehr als 50 Stunden peinlichst darauf geachtet, dass kein Fangzahn, Alien-Tentakel oder Schuss einer Plasma-Waffe ihm auch nur ein Haar seiner Augenbrauen krümmt. Nun nimmt der Spiele-Entwickler Bioware die Sache selbst in die Hand und lässt Commander Shepard in den Weiten des Weltraums einfach sterben.
Nein, das ist kein ausgeklügelter Plan, sondern brutale Spielrealität. Shepard stirbt wirklich. Doch kann der erste menschliche Geheimagenten des Galaktischen Rats, der Bezwinger des abtrünnigen Saren und Sieger über das Maschinenwesen Sovereign einfach so abtreten? Nicht, wenn es nach dem Willen der zwielichtigen Geheimorganisation Cerberus geht – und natürlich geht es danach.
Im Lazarus-Projekt (warum wohl gerade dieser Name!?) wird der Commander mit Hilfe von Nanotechnik und allem, was Science Fiction hergibt, wieder zum Leben erweckt – wie ein Phönix aus der Asche. Klar, dass er dabei alle seine Fähigkeiten verliert, die man im ersten Teil erworben hat. Doch um die Kontinuität zu wahren und eine fortlaufende Geschichte zu erzählen, kann man einen Spielstand aus dem ersten Teil importieren.
Charakterentwicklung deluxe: Bastard oder Heiliger?
Wer keinen Spielstand zur Hand hat, kann sich interaktiv auch eine neue Biographie basteln. Zwar gewinnt man dadurch keine Fähigkeiten oder Ausrüstungsgegenstände, doch alle Entscheidungen aus dem Vorgänger sollen kleine und große Auswirkungen haben – bis hin zu völlig unterschiedlichen Spielen. Je nachdem, ob man ein Vorzeige-Soldat war oder einfach nur ein egoistischer, skrupelloser „Mistkerl“.
Die Figuren aus dem ersten Teil sollen zudem im zweiten auch wieder vorkommen. Wenn sie überlebt haben. Die scheinbaren Wohltäter der Geheimorganisation Cerberus brauchen Shepard für ihr an sich ehrenwertes Ziel, die noch junge Menschheit auf der galaktischen Bühne zu schützen. Das tun sie aber mit Vorliebe mit unerlaubten Mitteln. Im ersten Teil traf man in Sidequests immer wieder auf ihre menschenverachtenden Experimente.
Intrigen und fiese Aliens
Doch die Organisation selbst blieb da noch im Dunkeln. Nach seiner Wiedererweckung trifft Shepard nun auf den „Illusive Man“, der Cerberus führt – und Shepard nur rettete, damit er ihn wieder ins Feuer schicken kann: Menschliche Kolonien werden von insektenähnlichen, geheimnisvollen Collectors überfallen und ihre Bewohner entführt: Warum die Collectors das tun, muss Shepard herausfinden. Ebenso woher ihre überlegenen Technologien stammen.
Ob das Maschinenvolk der Reaper seine Finger im Spiel hat? Im ersten Teil konnte Shepard nur knapp verhindern, dass sie erneut in die Galaxis einfallen, um alle Zivilisationen zu vernichten – so, wie sie es alle 50000 Jahre tun. Um die Geheimnisse der Collector zu ergründen, reist Shepard sich in die bedrückend düster gestalteten Terminus-Systeme. Dort, wo Verbrechersyndikate und Piratenbanden herrschen - und jedes Leben wertvoll erscheint. Zumindest wenn ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt ist.
In diese spacigen Variante des Wilden Westens muss der Commander ein Team zusammenstellen. Aus genialen, aber skrupellosen Wissenschaftlern, brutalen Söldnern und eiskalten Mördern – und sich ihre Loyalität sichern. Das Finale mündet in einer Selbstmord-Mission. Nein, keine Floskel, es ist tatsächlich eine.
Entscheidungen en masse
Nach Angaben des Spiele-Entwickler Bioware kann dabei – je nach den Entscheidungen des Spielers im Verlauf des Spiels – Shepard am Ende wirklich sterben. Dieses Mal aber endgültig. Oder aber er überlebt (soll relativ leicht sein), dafür stirbt ein Mitglied seines Teams- oder gleich das gesamte Team. Das Robotervolk der Geth aus dem ersten Teil wird auch wieder auftauchen, aber keine Hauptrolle spielen – außer einem: Legion. Er ist nicht Mitglied des Geth-Kollektivs, sondern hat ein eigenes Bewusstsein und scheint besessen von Shepard zu sein.
Dafür soll das Spiel actionreicher, aber auch taktischer werden: Auf Gegner schießt man nicht mehr nur einfach, sondern kann ähnlich wie bei der Fallout-Reihe Trefferzonen auswählen. Zudem werden Dialoge durch Actioneinlagen „bereichert“. Wer im richtigen Moment die richtige Tastenkombination drückt, kann einer Unterhaltung eine nachhaltige Wendung geben: Beispielsweise indem man seinen Gesprächspartner aus dem Fenster wirft.
Die Kritik an den Planetenmissionen hat sich Bioware zudem zu Herzen genommen. Wirkten die wenig variablen Welten etwas eintönig, und verkamen die Fahrten mit dem Panzer Mako zur Fingerakrobatik, soll es dafür nun ein ganz neues System geben: Man scannt Welten und wählt dann einen interessanten Lande-Punkte aus. Die Planetenoberflächen sollen zudem abwechslungsreicher sein.
Hollywood-Sprecher vor dem Mikro
Grafisch wird Mass Effect 2 sich nur etwas weiterentwickeln. Weil es neben dem PC vor allem auch für die Xbox erscheint, sind den Möglichkeiten Grenzen gesetzt. Die gute Nachricht: Man benötigt keinen Highend-PC um Mass Effect 2 zu spielen.
Dafür hat man zumindest fürs englische Original eine ganze Reihe von Film- und Genre-Stars verpflichtet, die den Spielfiguren ihre Stimmen leihen: Martin Sheen (Apocalypse Now) übernimmt den mysteriösen „Illusive Man“. Carrie-Anne Moss (Trinity aus Matrix) hat sich für Mass Effect 2 ebenso vor das Mikro gestellt wie Michael Dorn (Worf aus Star Trek: The Next Generation und Deep Space Nine) oder Tricia Helfer (Nummer Sechs aus Battlestar Galactica), Michael Hogan (Col. Saul Tigh/Battlestar Galctica) und Adam Baldwin (Jayne Cobb /Serenity und Firefly).
PC MINIMUM
Windows XP SP3 / Windows Vista SP1 / Windows 7 Prozessor 1.8GHz Intel Core 2 Duo oder vergleichbare AMD CPU
Speicher: 1 GB RAM for Windows XP / 2 GB RAM Windows Vista /Windows 7 Festplatte = 15 GB
Grafikkart4: 256 MB (with Pixel Shader 3.0 support). Unterstütz werden NVIDIA GeForce 6800 oder besser; ATI Radeon X1600 Pro oder besser. (NVIDIA GeForce 7300, 8100, 8200, 8300, 8400, 9300; ATI Radeon HD3200 und HD4350 werden nicht unterstützt).
Empfohlen
Windows XP SP3 / Windows Vista SP1 / Windows 7
Prozessor: 2.6+ GHz Core 2 Duo Intel oder vergleichbare AMD CPU
Speicher: 2 GB RAM Grafikkarte: ATI Radeon HD 2900 XT, NVIDIA GeForce 8800 GT oder besser
Preis PC: Um die 50 (Standard-Edition) bis 70 Euro (Sammler-Edition)
Preis Xbox 360: um die 60 Euro
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