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"Unmenschlicher Druck"
Ex-Mitarbeiter schreibt bitteren Abschiedsbrief an Apple

Apple Ex-Mitarbeiter rechnet ab: Schikane und Psycho-Spielchen
So sieht die neue Apple-Zentrale in den USA aus, die derzeit gebaut wird. FOTO: Sreenshot/www.cupertino.org
Düsseldorf. "Ich bin frei." Mit diesen Worten beschreibt der Australier Ben Farrell nicht etwa seine Entlassung aus dem Gefängnis, sondern das Ende seines Jobs beim iPhone-Hersteller Apple. Farrell sagt: Vom viel propagierten Freidenkertum sei beim US-Konzern wenig zu spüren. Und er erhebt schwere Vorwürfe.

Von Oktober 2013 bis Ende April 2015 hat Ben Farrell laut seines LinkedIn-Profils als Manager in der Kundenbetreuung von Apple in Sydney gearbeitet. Jetzt arbeitet er als freier Autor und Fotograf und beschreibt in seinem Blog "Road Less Travelled" den Abschied von Apple als echte Befreiung: "Endlich, zum ersten Mal in zwei Jahren, fühle ich mich unbeschwert, kreativ und inspiriert. Ich bin wieder ein Individuum mit meinen eigenen kreativen Ideen, Ansichten, Werten und Überzeugungen."

Er sei nun nicht mehr "Teil der kollektiven iCult-Maschinerie, deren dreckige, abgenutzte, schmierige und naive internen Mechanismen von Schikane, Belästigung und Psycho-Spielechen jedes Jahr glänzende und polierte iPhones ausspucken." Apple sei am Ende ein organisierter Club für große Jungs, in dem "Auffassungen über Inhalten und Zeit im Unternehmen über Talent" stünde.

Apple als "Zentrum des Universums"

Ben Farrell schreibt, ihm sei Apple wie eine "Werkstatt für Behinderte" (englisch: "sheltered workshop") vorgekommen. Sein Vorwurf: Naive Mitarbeiter, die niemals außerhalb von Apple gearbeitet haben, würden in dem Unternehmen manipuliert und mit vermeintlichen Erfolgsgeschichten gefügig gemacht.

Farrell vergleicht das Denken des Unternehmens mit dem der alten chinesischen Kaiser: die verbotene Stadt als Zentrum des Universums. Der neue raumschiffartige Campus, den das Unternehmen plant, ähnele diesem Denken. "Es scheint, als sei ich genau im richtigen Moment abgesprungen."

Ein Sechzehn-Stunden-Arbeitstag bei Apple sei gefüllt mit einer Besprechung nach der anderen. Dabei sei es immer wieder darum gegangen "Leuten bewusst ein Bein zu stellen, weniger Respektierte zum Narren zu halten oder andere zu verhöhnen".

"Kein Respekt" für persönliche Krisen

"Krankheiten, Notfällen in der Familie und selbst Hochzeiten zollt Apple keinen Respekt." Einmal habe er eine Geschäftsreise verpasst, weil seine schwangere Frau nach einem Treppensturz ins Krankenhaus musste. "Das wurde als 'Leistungsproblem' in meine Akte eingetragen und wurde in einer Einzelbesprechung mit dem Management als wesentliches 'Versäumnis' meinerseits angesprochen", schreibt Farrell.

Auch Besprechungen um Mitternacht seien in seiner Zeit bei Apple an der Tagesordnung gewesen. Selbst im Krankenhausbett habe er Präsentationen zugeschickt bekommen, mit dem Hinweis, er habe sie "eilig" zu vervollständigen. Und auch am Morgen seiner Hochzeit sei er noch wegen eines Berichts telefonisch belästigt worden.

"Ekelhaft, Apple ... ekelhaft."

Wegen all dieser Vorfälle habe er sich schließlich an einen Bereichsleiter bei Apple gewandt, schreibt Farrell. Dieser habe jedoch nichts von einem Problem wissen wollen und gedroht, bei weiteren Nachfragen würde das in einem "sehr anderen Gespräch" enden. Jede Kritik am Management habe ihm nichts als Vergeltung eingebracht.

"Für ein Unternehmen, das angibt, das Leben von Menschen durch Technologie zu verbessern, wissen diese Leute [Anm. d. Red.: das Management] nichts vom Leben", schreibt Farrell. Er sei entmutigt, denn eigentlich habe er Apple für seine Produkte geliebt und sei immer ein Verfechter des Unternehmens gewesen. Nun schreibt Farrell aber:

"Leider habe ich hinter die glänzende, stählern gebürstete Hülle geschaut. Ich bin durch die Milchglastüren gegangen und habe eine giftige Kultur von Manipulation, Einschüchterung, Drohungen und Politik gesehen, die so gar nicht zu den Werten passt, die diese Menschen predigen."

Apple wurde 1976 gegründet. Ende 2014 stieg der Konzern mit einem Börsenwert von 700 Milliarden Dollar zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf. Das extrem beliebte iPhone und iPad gelten als Zugpferde des Unternehmens. Immer wieder gibt es aber auch Berichte über das angeblich angespannte Arbeitsklima – besonders in den Zuliefererbetrieben zum Beispiel in China.

(RPO, HeBu)
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