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Apple Watch & Co.
Die Digitalisierung des Handgelenks

Apple Watch: Digitalisierung des Handgelenks steht bevor
FOTO: Horizont/Apple/Google - Fotos: Hersteller - Grafik: Ferl
Seattle. Der Durchbruch von Smartwatches wird seit Langem angekündigt, blieb aber bislang aus. Das soll sich mit der Apple-Watch ändern. Sie soll die Verbindung von Technik und Mode bringen. Unsere Digital-Kolumnistin hat sie verglichen. Von Ulrike Langer

Selten hat es schon Monate im Voraus solch einen Rummel um eine Uhr gegeben. Nun ist es soweit. Ab 10. April kann die "Watch", Apples intelligente Armbanduhr, vorbestellt werden, der Verkaufsstart ist für den 24. April geplant. Viele warten schon seit Wochen auf Apples neues Produkt.

Doch eigentlich ist die Watch weniger eine Uhr als ein vielseitiger Apple-Computer für das Handgelenk. Und das Ziffernblatt ist nur eine von vielen Funktionen, die auf dem kleinen Touchscreen angezeigt werden können. Dafür sorgen die Apps.

Apple Event: Tim Cook präsentiert die Apple Watch FOTO: ap

Die Watch kann fast alles, was das iPhone auch kann: Kalender, Email, Uhrzeit, Musikplayer/ iTunes oder das Wetter anzeigen. Mit dem Unterschied, dass das iPhone dabei in der Tasche bleiben kann. Mit der Watch kann ich beiläufig Apples Spracheingabe Siri um einen kurzen Rat fragen, eine Verabredung zum Essen im Restaurant bestätigen oder mir ein Taxi zu rufen. Besonders praktisch für mich als Joggerin: Mit der Watch muss ich mich nicht mehr verrenken oder stehenbleiben, um während des Laufens mein Tempo abzulesen oder die Musik in meinen Ohrhörern zu steuern. Es reicht ein Blick auf mein Handgelenk.

Die Apple Watch ist längst nicht die erste Smartwatch auf dem Weltmarkt. Die Produkte der Wettbewerber des wertvollsten Konzerns der Welt basieren größtenteils auf Googles mobilem Betriebsystem und sind zum Teil schon erhältlich (zum Beispiel die Zen Watch von Asus, Samsungs Galaxy Gear S oder die Sony Smartwatch 3). Ebenfalls bald auf den Markt kommen die LG Watch Urbane LTE und die von Fans gemeinsam vorfinanzierte Pebble Time Steel. Sie bieten teilweise sogar mehr als die künftige Apple Watch.

San Francisco: Das sind die Neuheiten im Überblick FOTO: ap

Die neuen Modelle von Samsung und LG haben einen eigenständigen integrierten Mobilfunkempfang per LTE und Ortung per GPS. Sie funktionieren deshalb auch ohne Smartphone. Und die Sony Smartwatch hat mit vollen zwei Tagen eine wesentlich längere Batterielaufzeit als Apple Watch mit 18 Stunden. Doch Apples entscheidende Vorteile im Vergleich sind der vielseitig individualisierbare Bildschirm und vor allem ein unschlagbar großer App-Kosmos.

Schon zum Start bietet Apple mehr als 50 Apps von Drittanbietern aus den Kategorien Reise, Einkauf, Fitness und Unterhaltung. Und mehr als 1000 Anträge für weitere Apps sind allein in den ersten vier Tagen nach Öffnung der Schnittstelle für externe Entwickler eingereicht worden.

Kolumne: Ulrike Langer berichtet von der US-Westküste FOTO: RP

Auf der App der britischen Tageszeitung "The Guardian", die passenderweise "Momente" heißt, kann ich Schlagzeilen überfliegen. Der Ticketbuchungs-Service Fandango zeigt mir nach dem Kauf der Eintrittskarte sofort dem Weg zum Kino an. Dort muss ich nur noch meine Uhr mit dem angezeigten Barcode an einen Scanner halten.

Wenn ich einen coolen Song im Radio höre, den ich nicht kenne, aktiviere ich die Shazam App. Und in den Hotels von Starwood und "W" kann ich mir sowohl die Schlangen am Check-In-Schalter in der Lobby als auch an der Zimmertür die Suche nach der Keycard ersparen. Stattdessen halte ich nur meine Hand an den Scanner. Und das sind nur einige der Apps von heute. Mobiles Bezahlen per Watch und sich ausweisen per Uhr sind Funktionen, die Apple schon längst angekündigt hat.

Die Kritiker des Unternehmens werden natürlich trotzdem die Uhr als teures Lifestyle-Produkt verspotten. Nicht zu Unrecht. Denn der Spass kostet selbst in der simpelsten Variante knapp 400 Euro, die mit 18 Karat vergoldete "Edition" ist ab 11 000 Euro zu haben. Zusätzlich braucht man ein iPhone ab Serie 5, damit die Uhr überhaupt funktioniert.

Analysten prophezeien dennoch, dass bis zum Jahr 2019 weltweit rund 100 Millionen Smartwatches verkauft werden. Und zwar vor allem von Apple, bis Nachahmermodelle den Markt beherrschen. Wetten, dass in gut zwei Wochen die Käufer vor den Apple Stores Schlange stehen werden? Und wetten, dass es in einigen Jahren völlig normal sein wird, mit seiner Uhr zu sprechen?

Quelle: RP
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