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Neue Xbox und LinkedIn-Übernahme
Endlich wieder Spektakel bei Microsoft

Microsoft mit neuer Xbox und LinkedIn: Endlich wieder Spektakel
Auf der Spielemesse E3 in Los Angeles präsentierte Microsoft neue Spiele - und die Pläne für eine neue Xbox-Konsole. FOTO: dpa, mn ase
Los Angeles. Den Smartphone-Markt hat Microsoft aufgeben müssen - zu übermächtig waren Gegner wie Apple. Mit einer neuen Spielekonsole und der Übernahme eines sozialen Netzwerks tritt der Konzern die Flucht nach vorne an. Von Florian Rinke

Angeles Microsoft hat ein Riesenproblem, das dennoch in die Hosentasche passt: das Smartphone. Als Apple 2007 sein iPhone auf den Markt brachte, lachte der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer über die Pläne. Das Gerät werde niemals einen signifikanten Marktanteil erreichen. Es ist wohl eine der gravierendsten Fehleinschätzungen in der Wirtschaftsgeschichte, vergleichbar mit der Einschätzung des deutschen Kaisers Wilhelm II., der Ende des 19. Jahrhunderts verkündete, das Automobil habe keine Zukunft: "Ich setze auf das Pferd."

Das Smartphone hat alles verändert - und Microsoft sucht bis heute eine Antwort darauf. Denn das Unternehmen, das in den 1990er Jahren den Weltmarkt für PCs mit seiner Software dominierte, spielt in dieser Welt so gut wie keine Rolle. Die Aufholjagd im Smartphone-Markt, für die man eigens den finnischen Handy-Hersteller Nokia (der ebenfalls die Entwicklung verpasst hatte) übernommen hatte - abgebrochen. Der Marktanteil bei Betriebssystemen - eingebrochen. Wer braucht noch einen PC, wenn man auch mit Smartphone und Tablet im Internet surfen, Musik hören und Filme gucken kann?

Diese Frage hat man sich auch bei Microsoft gestellt - und die Nachrichten der vergangenen Tage und Monate zeigen, welche Antwort der neue Chef Satya Nadella gefunden hat: Brot und Spiele.

Wenn es für die Menschen darum geht, ihre Brötchen zu verdienen, setzen sie immer noch auf Microsoft: auf die Büro-Software Office, auf die Betriebssysteme Windows 8 oder 10, die in ihren Büros auf den Rechnern laufen, auf die Speichermöglichkeiten im Web, die so genannten Cloud-Dienste des Unternehmens, vielleicht sogar auf Wunderlist, die mobile To-do-Liste, die Microsoft durch die Übernahme des deutschen Start-ups 6Wunderkinder zuletzt erworben hat.

Mit dem Kauf des Karrierenetzwerkes LinkedIn soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden. Mehr als 23 Milliarden Euro lässt sich Microsoft die Übernahme kosten. Eine Menge Geld, zumal das Wachstum von LinkedIn, das weltweit rund 433 Millionen Mitglieder hat, zuletzt schwächelte. Ein Problem stellt die Übernahme für Microsoft dennoch nicht dar, denn trotz aller Herausforderungen gilt: Das Unternehmen macht noch immer hohe Gewinne, der Börsenwert stieg in den vergangenen zehn Jahren um 133 Prozent auf 360 Milliarden Euro.

Damit sich diese Entwicklung fortsetzt, will Microsoft auch den zweiten Bereich stärken, in dem es in den vergangenen Jahren Erfolge feiern konnte: Spiele. Im kommenden Jahr will das Unternehmen eine neue Runde im Wettrüsten bei Spielekonsolen eröffnen. Zum Weihnachtsgeschäft 2017 soll die neue Generation der Konsole Xbox mit dem Codenamen "Project Scorpio" auf den Markt kommen. Sie soll besonders für Spiele in virtueller Realität geeignet sein. Bereits ab August 2016 soll es ein neues Modell der aktuellen Spielekonsole Xbox One geben, das 40 Prozent kleiner, aber leistungsfähiger ist.

Auch im Gaming-Bereich scheint Microsoft großes Potenzial zu sehen - immerhin sind Computerspiele längst zu einer Art Kulturgut geworden, das generationenübergreifend auf Interesse stößt. Durch neue Technologien wie die Datenbrillen, mit denen man virtuelle Realität erleben kann, könnte sich der Markt noch einmal grundsätzlich verändern. Mit der Brille "HoloLens" ist Microsoft bereits einer der Innovationsführer. Mit dem Kauf des Entwicklers des beliebten Spiels "Minecraft" hatte sich das Unternehmen aber auch hier zuletzt breiter aufgestellt. Das iPhone-Fiasko soll sich nicht wiederholen.

Quelle: RP
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