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Manifest veröffentlicht: 17 Thesen für ein besseres Internet

VON FRANZISKA BLUHM - zuletzt aktualisiert: 07.09.2009 - 16:25

Düsseldorf (RPO). Seit einigen Wochen läuft die Debatte um den Zugang und die Weiterentwicklung des Journalismus im Internet. In einem gemeinsamen Manifest haben sich jetzt Journalisten und Blogger zu Wort gemeldet. Sie wollen sich damit in die politische Debatte einmischen, die das Internet immer wieder als Gefahr geißelt und Regulierungen fordert.

Die 17 Thesen zum Umgang mit dem Internet beschreiben das Medium als den "Sieg der Information". Der einzelne Mensch könne sich so gut informieren wie nie zuvor. Es gebe dabei kein "Zuviel an Information". "Die "Generation Wikipedia" weiß im Zweifel die "Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen", heißt es dort. Die Unterzeichner stellen sich auch gegen die Forderungen, im Internet ein Leistungsschutzrecht einzuführen.

Im Netz bekannte Journalisten wie "Bildblog"-Gründer Stefan Niggemeier, "Handelsblatt"-Redakteur Thomas Knüwer, Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht ("Berlin Institute", Mario Sixtus ("Elektrischer Reporter" im ZDF) und Blogger wie Sascha Lobo, Johnny Haeusler ("Spreeblick") und Markus Beckedahl ("Netzpolitik.org") haben mit anderen 17 Behauptungen formuliert.

Die Thesen fassen zusammen, was aufgeklärte User in den vergangenen Monaten verlautet haben. Mit der relativ trivial erscheinenden These "Das Internet ist anders" beginnt das Manifest. Darin fordern die Unterzeichner, dass die Medien sich an die neuen Arbeitsweisen anpassen sollten, "statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen".

Medien hätten ihrer Meinung nach die Pflicht, "auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln". Sie fordern einen offeneren Dialog mit den Lesern, Vernetzung statt Abschottung und eine stärkere Hinterfragung der Inhalte.

Ein Kritikpunkt richtet sich in der vierten These mit dem Titel "Die Freiheit des Internet" an die Politik, insbesondere die von Familienministerin Ursula von der Leyen initiierten Internetsperren gegen Kinderpornografie. Im Manifest heißt es dazu: "Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit."

Unter dem Punkt "Tradition ist kein Geschäftsmodell" greifen die Autoren die Forderungen einiger Verlage auf, die sich für ein Leitungsschutzrecht einsetzen. In der so genannten "Hamburger Erklärung" des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) Ende Juni hatte VDZ-Präsident und FOCUS-Verleger Dr. Hubert Burda unter anderem das Leistungsschutzrecht angemahnt. Ziel sei, dass die Anbieter von Medieninhalten auch von allen (insbesondere der Suchmaschinenanbieter Google) bezahlt werden, die ihre Leistungen kommerziell nutzen.

Thomas Knüwer", Mitinititiator und Redakteur der in Düsseldorf erscheinenden Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" sagte gegenüber unserer Redaktion, dass das "Internet-Manifest" ein Denkanstoß für die derzeitige Debatte um die Zukunft des Journalismus liefern soll. Die Thesen sollen als Kontrapunkt zu der "Hamburger/Heidelberger Erklärung" stehen. "Wir sehen uns nicht als Elite oder etwas Besonderes, sondern als Menschen, die aktiv Medien nutzen und die Gefahr sehen, dass die Diskussion in eine falsche Richtung läuft - zum Schaden des Wirtschaftsstandorts", so Knüwer.

Derzeit können Internetnutzer das Manifest auf der Seite internet-manifest.de (Derzeit wegen Serverüberlastung ständig offline) kommentieren. Nach Aussage der Initiatoren wird es auch bald möglich sein, die Thesen mit seiner Unterschrift zu unterstützen.


 
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