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Neuer Mobilfunkstandard 5G
Doping für das Internet

5G-Netz beim MWC 2016: So schnell ist der LTE-Nachfolger
Der neue Mobilfunkstandard 5G ist mit das größte Gesprächsthema beim "Mobile World Congress" in Barcelona. FOTO: afp
Düsseldorf. Hunderte Male schneller soll es sein und ab 2020 die Internet-Welt revolutionieren: Für 5G, den neuen Mobilfunkstandard, wird beim "Mobile World Congress" in Barcelona von allen Seiten getrommelt. Wir erklären, warum. Von Henning Bulka

Noch längst nicht überall ist der Mobilfunkstandard 4G (auch bekannt als LTE) verfügbar, schon spricht die Branche vom Nachfolger: 5G. Es soll in jeder Hinsicht schneller sein und vor allem die Grundlage dafür liefern, dass in Zukunft so ziemlich jedes technische Gerät mit dem anderen kommunizieren kann, und zwar egal wo - vom Staubsauger über ganze Häuser inklusive aller Steckdosen bis irgendwann zu selbstfahrenden Autos.

Nicht die Bandbreite ist entscheidend

Zum Start von 5G im Jahr 2020 plant beispielsweise Vodafone Bandbreiten von deutlich mehr als einem Gigabit. Zum Vergleich: Derartige Bandbreiten könnten einen ganzen HD-Film innerhalb weniger Sekunden von A nach B befördern. Bis zum Jahr 2030 rechnet Vodafone sogar mit Bandbreiten, die tausend Mal höher sind als das heute bekannte LTE/4G.

Nicht die Bandbreite soll aber den Unterschied machen zwischen 4G und 5G. Entscheidend ist nicht die Menge an Daten, die pro Sekunde befördert werden kann, sondern die Reaktions-Geschwindigkeit des neuen Mobilfunknetzes, auch bekannt als Latenz. Das bedeutet: Wie groß ist die Zeitverzögerung eines Signals zwischen zwei Geräten?

5G soll Latenzen unter einer Millisekunde im großen Stil möglich machen, also eine Reaktion des Netzes praktisch in Echtzeit - 40 bis 50 Mal schneller als heutiges 4G. Die Telekom stellt in diesen Tagen ein entsprechendes beispielhaftes Netz in Barcelona vor. "Für den Normalkunden macht sich die Latenz des Netzes aktuell nur selten bemerkbar, zum Beispiel bei Online-Multiplayer-Spielen", erklärt Vodafone-Sprecher Dirk Ellenbeck.

5G als Grundlage für selbstfahrende Autos

Für die Wirtschaft sei die drahtlose Kommunikation von Geräten in Echtzeit jedoch essentiell, sagt er, zum Beispiel in der industriellen Fertigung. "Bisher gibt es in einer Halle, in der Autos gebaut werden, wahnsinnig lange Kabelwege", sagt Ellenbeck. Drahtlose Kommunikation würde all diese Kabel überflüssig machen, aber nur, wenn es gleichzeitig so gut wie keine Zeitverzögerung gibt.

Noch deutlicher wird das am Beispiel selbstfahrender Autos, die sich in Zukunft zum Beispiel gegenseitig vor Unfällen warnen könnten. Auch hier ist Echzeit-Kommunikation jedoch die Grundvoraussetzung, denn jede kleine Verzögerung würde sich mit steigender Zahl der Autos, die miteinander in Verbindung stehen, vervielfachen. "Während die ersten Autos noch rechtzeitig bremsen können, bauen die weiter entfernten einen Unfall", beschreibt Ellenbeck das Dilemma der Zeitverzögerung.

5G soll hier Abhilfe schaffen. In einem 4G-Umfeld brauche ein fahrerloses Auto bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde rund drei Meter Reaktionsweg, um zu bremsen, sagt Mérouane Debbah von Huawei Frankreich. In einem 5G-Umfeld seien es dagegen nur wenige Zentimeter. Allerdings sei dafür eine lückenlose Netzabdeckung nötig.

Standard 5G soll bis 2020 feststehen

2020 gilt bei 5G als Einführungstermin mittlerweile als das Maß aller Dinge. Bis dahin sollen insbesondere alle technischen und politischen Details feststehen - damit dann auch klar ist, was neue Geräte können müssen, um 5G zu unterstützen. Und schließlich müssen Nutzer und Firmen diese Geräte natürlich auch noch anschaffen. Die Mobilfunkbetreiber sind optimistisch: "Wir sind bei 5G voll im Plan und treiben Standardisierung und Entwicklung weiter voran, damit wir 2020 oder sogar früher starten können", sagt Telekom-Technikvorstand Claudia Nemat.

Das Unternehmen arbeitet dabei auch mit dem Konkurrenten Vodafone und der TU Dresden zusammen, außerdem beteiligt sich die Telekom gemeinsam mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) am Projekt "Metis" vom schwedischen Mobilfunkentwickler Ericsson. Unter "Metis" arbeiten derzeit 29 Unternehmen und Universitäten in Europa an Fragen rund um die Entwicklung von 5G.

Mit dieser übergreifenden Zusammenarbeit rüstet sich die europäische Wirtschaft vor allem gegen die Konkurrenz aus Asien: Südkorea nimmt die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang für einen großen Test der Technik zum Anlass, gleiches gilt für Japan und die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. In den USA haben die Telekommunikationsriesen Verizon und AT&T erste Tests für dieses Jahr angekündigt.

Mit Material von afp.

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Fotos: Neues aus der Smartphone-Welt FOTO: dpa, tsn
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