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NRW-Minister sammelt Verdachtsfälle
Deutsche werden im Internet abgezockt

Die Maschen der Internet-Betrüger
Die Maschen der Internet-Betrüger FOTO: dpa, Kai Remmers
Düsseldorf. NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) prüft, ob Bundesbürger und die Nutzer besonders teurer Endgeräte bei Internet-Geschäften systematisch benachteiligt werden. Von Thomas Reisener

"Gerade bei Online-Geschäften haben wir schon länger den Verdacht, dass nach Herkunftsland und nach dem Endgeräte-Typ Preise rechtswidrig festgelegt werden. Also dass Deutsche und Besitzer von hochwertigen Endgeräten höhere Preise zahlen als andere EU-Verbraucher und Besitzer von günstigen Smartphones oder Tablets", sagte Remmel am Sonntag unserer Redaktion.

Anlass ist eine bemerkenswerte Fallsammlung, die sein Ministerium in den vergangenen Monaten zusammengetragen hat. Darin tauchen gut dokumentierte Berichte auf, nach denen Besuchern eines französischen Freizeitparks online günstigere Preise als Deutschen angeboten wurden.

Andere berichten über Online-Portale, die Flüge teurer verkaufen, wenn die Nutzer über ein Endgerät der Marke Apple buchen. Andere Online-Portale bieten den Nutzern dieser Marke von vornherein nur Luxus-Hotelzimmer an, während die Nutzer preiswerterer Computer auch auf günstige Zimmer zugreifen können.

Remmel bereitet eine bundesweite Gegeninitiative vor. "Wir werden diese Verdachtsfälle weiter untersuchen und auf die Tagesordnung der nächsten Verbraucherschutzministerkonferenz setzen."

Er ist aber nicht der Erste. Laut "Spiegel" unternimmt die EU-Kommission bereits ähnliche Untersuchungen bei spanischen Hotels, österreichischen Skiliften und dem Internetriesen Amazon. Das Magazin berichtet von einem spanischen Fährbetreiber, der für die Hin- und Rückfahrt zwischen Teneriffa und La Gomera von Deutschen 64 Euro verlangt, von Einheimischen aber maximal 32 Euro.

Ein Internet-Reiseportal kündigt Kunden aus Deutschland bei der Buchung sogar an, dass Hoteliers vor Ort ihre Buchung zurückweisen oder einen "Deutschen-Aufpreis" erheben könnten. Urlauber aus der Bundesrepublik gelten als besonders zahlungskräftig. Eine EU-Dienstleistungsrichtlinie verbietet aber seit 2006 die Diskriminierung von Ausländern aufgrund ihres Wohnsitzes.

Quelle: RP
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