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Googles neues OS: Anfang vom Ende des Windows-Monopols?

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 08.07.2009 - 13:07

Düsseldorf (RPO). Lange war es nur ein Gerücht, in der der Nacht zum Mittwoch wurde es offiziell: Google arbeitet an einem eigenen Betriebssystem. Sollte sich dieses Konzept durchsetzen, wäre das eine IT-Revolution,  da Microsofts Betriebssystem Windows fast jeden PC beherrscht. Schon feiern viele im Netz Googles Frontalangriff auf Microsoft. Andere warnen vor dem immer mächtigeren Suchmaschinenriesen.

Viele glaubten, die Gerüchte um ein eigenes Google-Betriebssystem hätten sich mit der Ankündigung von Android – Googles Betriebssystem für Handys – erledigt. Doch Google wäre nicht Google, wenn die Internet-Pioniere nicht jüngst in dem Moment die Bombe platzen ließen, als fast niemand mehr damit rechnete: Google arbeitet an einer Alternative zum Betriebssystem Windows.

Den Kern sollen der freie Linux-Kernel und Googles Open-Source-Browser Chrome bilden, schreibt Google in seinem offiziellen Unternehmens-Blog. Google Chrome OS zielt zunächst auf die derzeit boomende Klasse der Netbooks ab. Das sind besonders kleine Laptops, die bereits heute häufig mit Linux statt Windows ausgestattet sind. Bei den immer günstigeren Netbooks wird die Windows-Lizenz in der Relation zum Gesamtpreis als Kostenfaktor immer wichtiger. Da ist es von Vorteil, dass Googles Chrome OS kostenlose Open-Source-Software ist. Erste Geräte mit vorinstalliertem Chrome OS sollen schon ab der zweiten Hälfte 2010 auf den Markt kommen. 

Angriff auf das Kerngeschäft von Microsoft

Microsoft selbst versuchte mehrmals erfolglos, in das Kerngeschäft des Suchmaschinenriesens Google einzudringen, zuletzt mit der Suchmaschine Bing. Google ließ Microsoft dagegen in seinem Kerngeschäft bisher weitgehend in Ruhe.

Windows besitzt nach wie vor einen Marktanteil von über 90 Prozent auf dem Betriebssystem-Markt.  Sollte Googles Konzept jedoch aufgehen, wäre das langfristig eine echte Gefahr für Microsofts Dominanz.

Bisher besitzt Windows vor allem deshalb ein Quasi-Monopol, weil es an verfügbaren Anwendungen für alternative Betriebssysteme mangelt. Der Wechsel auf ein anderes Betriebssystem scheitert am Henne-Ei-Problem: Ohne verfügbare Anwendungen will niemand wechseln – doch so lange niemand Alternativen nutzt, lohnt sich auch nicht der Aufwand, Anwendungen dafür zu programmieren. Deshalb konnte sich das Windows-Quasimonopol halten – trotz aller Flüche, die regelmäßig gen Redmond, dem Unternehmenssitz des Software-Riesens, ausgestoßen wurden.

Zwar stehen auch Anwendern des alternativen Betriebssystem Linux eine Vielzahl an Open-Source-Programmen wie der Browser Firefox oder das Büro-Paket OpenOffice zur Verfügung. Anbieter kommerzieller Programme scheuen jedoch meist die aufwändige Portierung auf Linux. Und nur die wichtigsten Programme wie Photoshop gibt es auch für Apples Mac OS X.

Office-Anwendungen gibt es schon

Google fordert die Programmierer von Anwendungen nun auf, Applikationen direkt für den Browser zu schreiben – und greift damit einen aktuellen Trend auf. Mit Google Docs bietet das kalifornische Unternehmen beispielsweise schon selbst seit längerem eine einfache Office-Anwendung an, die komplett im Browser läuft. Auch Adobe kündigte schon eine abgespeckte Variante seines bekannten Bildbearbeitungsprogramms Photoshop an. Der Vorteil: Derartige Programme laufen betriebssystemunabhängig. Voraussetzung ist lediglich ein moderner Browser, egal ob Mozilla Firefox, Microsofts Internet Explorer oder Googles Browser Chrome.

Weil aktuelle Browser Javascript – die Skriptsprache, mit der die neuen Webanwendungen meist programmiert werden – immer schneller verarbeiten können, reichen die Netzanwendungen immer näher an das Niveau sogenannter nativer Software heran, die direkt auf das Betriebssystem zugreift. Schon feiern viele im Netz den Anfang vom Ende des Windows-Monopols. In kürzester Zeit dominiert das Thema Twitter: Google Chrome OS ist derzeit das meistverwendete Hashtag.

"Atombombe auf Microsoft"

Das renommierte IT-Blog Techcrunch schreibt, Google werfe eine "Atombombe auf Microsoft". Andere sind skeptischer. Sie warnen davor, dass ein Monopol das andere ersetzen könnte. "Google wird langsam unheimlich" schreibt auch ein Nutzer im Forum des Branchendienstes "Heise.de".

Sollte eine zunehmende Zahl von Programmierern allerdings Googles Aufruf folgen, wäre es jedem Anwender freigestellt, welches Betriebssystem er nutzen will. So könnten auch Anwender anderer Betriebssysteme wie Apples Mac OS X oder anderer Linux-Varianten die für das Google-System erstellten Anwendungen nutzen. Außerdem soll Google Chrome auch selbst unter einer freien Open-Source-Lizenz veröffentlicht werden.

Ganz so schnell wird die Revolution jedoch nicht kommen. Die von Adobe angekündigte Web-Version von Photoshop wird beispielsweise einen deutlich geringeren Funktionsumfang haben als die native Version für Windows und Mac OS X. Auch die Nutzung von 3D-Grafikkarten und damit die Erstellung grafisch aufwändiger Spiele für den Browser ist derzeit noch nicht möglich. Prinzipiell sind jedoch auch das keine technisch unüberwindbaren Hürden.


 
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