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"Apple Music"
Apple greift im Musik-Geschäft an

Apple Music: Was bietet Apple an?
Cupertino. Im Laufe des Tages startet der Konzern seinen kostenpflichtigen Streaming-Dienst. Android-Geräte können ihn ab Herbst nutzen.

Taylor Swift wurde erst kürzlich vom "Time"-Magazin unter die 100 einflussreichsten Personen der Welt gewählt. Nun bewies die Sängerin, wie groß ihr Einfluss ist: Sie zwang Apple in die Knie. Der Konzern wollte bei seinem neuen Musik-Streaming-Dienst eine dreimonatige kostenlose Testphase für Nutzer anbieten und den Künstlern dafür nichts bezahlen. Nach Kritik von Swift, die ihr neues Album mit dem Titel "1989" dem Dienst nicht zur Verfügung stellen wollte, änderte der Konzern seine Konditionen: Musiker werden doch bezahlt. Als Dank macht Swift fleißig Werbung für den neuen Streaming-Dienst Apple Music, der nun auch ihr Album anbieten darf. Am 30. Juni startet der Dienst in über 100 Ländern - auch in Deutschland.

Wie sieht der Musikmarkt der Zukunft aus? Bis jetzt macht die Branche den Großteil ihres Geschäfts noch mit CDs und Songs, die man zum Herunterladen kaufen kann. Doch diese Geschäftsmodelle sind auf dem Rückzug. Streaming brachte im vergangenen Jahr bereits gut ein Zehntel der weltweiten Branchenerlöse von rund 15 Milliarden Dollar ein - und es ist weiter auf dem Vormarsch. Experten sind sicher, dass der Dienst Apple Music dafür einen entscheidenden Impuls geben wird.

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Was bietet Apple an? Den Dienst Apple Music, zu dem das werbefinanzierte Internet-Radio Beats 1 sowie ein kostenpflichtiges Abo-Angebot gehören. Für eine monatliche Gebühr können Nutzer dabei auf Millionen Songs zugreifen und auch den neuen Bereich "Connect" nutzen, bei dem Künstler neue Musik veröffentlichen sollen - zum Teil sogar exklusiv. Das Abo kostet in den USA 9,99 Dollar im Monat. Ebenso wird es einen Familientarif geben: Bis zu sechs Nutzer bekommen einen Zugang für 14,99 Dollar im Monat. Wie viel der Dienst in Deutschland kostet, wird erst zum Start bekannt. Apple Music soll im Herbst auch als App für Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android verfügbar sein.

Verdient Apple auch Geld mit anderen Streaming-Diensten? Wenn die App in Apples Store gekauft wird, ja. Streaming-Dienste müssen bei Erlösen auf der Apple-Plattform das Geld im Verhältnis 30 zu 70 teilen. "Apple verlangt bei Abo-Käufen über die iPhone-Apps 30 Prozent Umsatzbeteiligung, Monat für Monat", sagt Rhapsody-Europachef Thorsten Schliesche.

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Welche Alternativen gibt es? Bei Napster gibt es auch einen Familientarif zum gleichen Preis - allerdings nur für vier Personen. Ebenso gibt es unter anderem Dienste von Xbox Music, Juke, Tidal, Rdio sowie Deezer für jeweils 9,99 Euro pro Monat. Napster und Spotify haben dazu etwa 30 Millionen Songs im Programm, die auch offline abgespielt werden können. Auch Amazon (Prime, 4 Euro pro Jahr) und Google (Play, 9,99 Euro im Monat) bieten Musikstreamings an.

Was ist mit kostenlosen Musik-Angeboten? Vor allem Youtube macht den kostenpflichtigen Anbietern schwer zu schaffen. Auch der Streaming-Dienst Spotify bietet eine Gratis-Variante an. Die Zahlen von Spotify machen zugleich deutlich: Die Mehrheit der Anwender ist bisher bereit, Unannehmlichkeiten durch einen eingeschränkten Funktionsumfang in Kauf zu nehmen, statt zu bezahlen. Unter den zuletzt 75 Millionen Nutzern der schwedischen Firma waren nur 20 Millionen zahlende Abo-Kunden. "Die großen Musikkonzerne sind der Meinung, dass kostenlose Streaming-Dienste verschwinden müssen. Die Frage ist, wie schnell und auf welche Weise das erreicht wird", sagt ein Branchen-Insider. Dabei hofften sie auch auf die Zugkraft von Apple.

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Nun hat aber auch Google eine kostenlose Version von Play Music angekündigt, das mit Werbung finanziert wird.

Was bedeuten Streaming-Dienste für die Musiker? Viele Musiker befürchten, dass sie nicht mehr über die Runden kommen, wenn die Streaming-Einnahmen heutige Verkaufsumsätze ablösen. "Kurzfristig nimmt man pro Stream weniger als bei der CD ein", räumt der Deutschlandchef des französischen Dienstes Deezer, Michael Krause, ein. "Langfristig ist es aber so, dass die Künstler jedes Mal vergütet werden, wenn der Song gespielt wird." Künstler müssten dabei viel aktiver als früher im Blickfeld der Fans bleiben. "Wer das akzeptiert, merkt, dass man damit mehr Geld verdienen kann", sagt Michael Krause.

(lkö/dpa)
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