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Dem Internet gehen die Adressen aus: Auch der Kühlschrank will ins Netz

zuletzt aktualisiert: 08.06.2010 - 16:12

Frankfurt/Main (RPO). Die Uhr im Internet tickt. In einer gar nicht mehr so fernen Zukunft werden die Adressen für die im World Wide Web verbundenen Geräte aufgebraucht sein. Und immer mehr drängen ins Netz - nicht nur Computer, sondern auch Handys und demnächst wohl noch Fernseher, Haushaltsgeräte und Autos.

Damit sie dann alle miteinander kommunizieren können, wird ein neues Adress-System gebraucht. Dessen Einführung kommt in Deutschland aber nur schleppend voran.

Derzeit wird zur Identifizierung der Geräte im Internet ein System benutzt, das sogenannte Internetprotokoll in der Version 4, kurz IPv4. Es wurde vor fast 30 Jahren entwickelt, als es noch utopisch erschien, dass einmal mehr als vier Milliarden Adressen gebraucht würden. Jetzt ist die Zukunft schon da und gerade einmal sechs Prozent (Stand 7. Juni) des IPv4-Adressraums stehen noch zur Verfügung. Bis die letzten Adressen verteilt sind, dauert es vermutlich nur noch etwas mehr als ein Jahr.

Abhilfe soll das Internetprotokoll in der Version 6 schaffen, kurz IPv6 genannt. Es bietet fast unendlich viel Platz, bei der Einführung sind vor allem die Provider gefordert, auf die einiger Aufwand zukommt. Das sei aber eine einmalige Aktion, betont Frank Orlowski, Manager bei DE-CIX, dem weltweit zweitgrößten Internetknoten in Frankfurt am Main. Wenn das erledigt sei, "dann brauchen wir das nicht noch einmal machen".

Deutschland noch zu zurückhaltend

Der neue Adressraum sei absolut zwingend, sagt Orlowski im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD mit Blick auf das sogenannte "Internet der Dinge", wenn Kühlschränke, Autos, der Stromzähler und vieles mehr über Datenströme miteinander verbunden sein werden.

Schon jetzt explodiere durch die zunehmende Verwendung von Smartphones der Bedarf an Internetadressen. "Deutschland ist bei der Umsetzung von IPv6 noch zu zurückhaltend", sagte Orlowski nach dem "IPv6-Kongress", der Ende Mai in Frankfurt am Main stattfand. Es werde aber immer wichtiger, jetzt die Planung für den Umstieg aufzunehmen.

Für die Umstellung auf IPv6 werben und Hilfestellungen bieten soll auch Ende Juni der "3rd German IPv6 Summit" (3. Deutsche IPv6-Gipfel), zu dem das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam lädt.

Von dem Umstieg auf IPv6, der auf technischer Seite eine kleine Revolution ist, wird der Nutzer aber wohl nicht allzu viel mitbekommen. Das werde ähnlich wie beim Wechsel eines Stromanbieters sein, von dem der Kunde auch nichts merke, erklärt Professor Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts und Vorsitzender des Deutschen IPv6-Rats. Auch würden IPv4 und IPv6 wohl noch einige Zeit nebeneinander existieren. Die "Übergangszeit" könne zehn bis 20 Jahre dauern, erklärt Meinel.

Auch Router müssen umgestellt werden

Wer die Möglichkeiten von IPv6 nutzen will, braucht dazu die richtige Hard- und Software. Von den Betriebssystemen her sind keine Probleme zu erwarten, die meisten könnten IPv6 schon heute nutzen. Anders sieht es da zum Beispiel mit DSL-Routern aus, wie sie in vielen Haushalten stehen.

Es könne gut sein, dass nicht alle älteren Geräte IPv6-fähig seien, erklärte AVM, der Hersteller der Fritz!Box-Geräte. Neuere Geräte unterstützten IPv6, für andere Geräte werde es möglicherweise Firmware-Updates geben. Wie ein Umstieg konkret aussieht, erklärt AVM auf seiner Website. Da der Wechsel zum neuen System aber ohnehin nicht über Nacht kommt und IPv6 und IPv4 noch eine ganze Weile nebeneinander arbeiten werden, ist Panik fehl am Platze.

Wer genau wissen will, wie lange es noch dauert, bis voraussichtlich alle IPv4-Adressen vergeben sind, kann auf der Website des IPv6-Forums nachsehen - da läuft der Countdown.  

Quelle: apd/csr

 
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