Warnung vor manipulierten Webcams: Ausweispflicht im Internet gefordert
zuletzt aktualisiert: 17.07.2010 - 16:00Berlin (RPO). Wegen der Sorge vor manipulierten Webcams und großangelegter Cyber-Attacken werden Forderungen von Politikern und Polizisten nach weniger Anonymität im Netz und einer konsequenteren Verfolgung von Straftaten laut.
So will der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) eine Ausweispflicht für das Internet einführen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar warnte davor, die Gefahr durch manipulierte Webcams zu unterschätzen. Ein Hacker aus dem Rheinland soll in die Computer von mehr als 100 Mädchen eingedrungen sein und sie über Webcams ausspioniert haben.
Identitätsnachweis im Netz gefordert
Im Kampf gegen die Netz-Kriminalität legte der BDK der Bundesregierung ein 15-Punkte-Sofortprogramm vor. "Was wir brauchen, ist ein verlässlicher Identitätsnachweis im Netz", wird der BDK-Vorsitzende Klaus Jansen in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zitiert. "Wer das Internet für Käufe, Online-Überweisungen, andere Rechtsgeschäfte oder Behördengänge nutzen will, sollte sich zuvor bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen müssen."
Er forderte die Bundesregierung auf, "Verkehrsregeln" für das Internet zu schaffen. Es habe sich zum größten Tatort der Welt entwickelt, und die Bundesregierung verharre immer noch in der Zuschauerrolle. Es sei dringend erforderlich, "Spezialeinheiten für Computerkriminalität" in jeder Polizeibehörde einzurichten.
"Attacken auf die digitale Infrastruktur des Landes können sich ähnlich verheerend auswirken wie atomare Angriffe", beklagte der BDK-Chef. Deshalb bedürfe es eines "Reset-Knopfs für das Internet", mit dem das Kanzleramt Deutschland im Ernstfall sofort vom Netz nehmen könne.
Schaar nennt manipulierte Webcams "unterschätzte Gefahr"
Nach dem mutmaßlichen Hacker-Angriff in Kinderzimmern warnte Schaar vor manipulierten Webcams. "Dieser Vorfall verdeutlicht, wie Web-Kameras und andere Eingabegeräte manipuliert werden können. Es handelt sich um eine weithin unterschätzte Gefahr", sagte Schaar der "Bild"-Zeitung.
Ein 44-jähriger Mann hat sich mit Hilfe eines Programms Zugang zum Computer mehrerer Mädchen verschafft und die Kinder dann mit deren eigenen Webcams in ihrem Zimmer beobachtet.. Die Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Tatverdächtigen.
Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), verlangte angesichts des Vorfalls eine konsequente Verfolgung von Straftaten im Internet. "Deshalb ist die Aufklärung gerade von Kindern und Jugendlichen über die Gefahren des Internets so wichtig. Straftaten im Netz müssen konsequent verfolgt werden, auch um Nachahmer abzuschrecken."
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner erhob erneut schwere Vorwürfe gegen den Betreiber des Internetnetzwerks Facebook. "Facebook ist zu einem Einwohnermeldeamt für die ganze Welt geworden", sagte die CSU-Politikerin dem Nachrichtenmagazin "Focus". Die Firma lasse eine Software entwickeln, um Kontaktdaten von iPhones-Mobiltelefonen direkt auf Facebook zu übertragen.
"Wenn meine engsten Mitarbeiter beispielsweise ihr iPhone synchronisieren würden, landet meine geheime Handynummer samt Mail-Adresse bei Facebook, ohne dass ich es erfahre." Im Verbraucherschutzministerium hätten sich Ärzte, Psychologen und Anwälte gemeldet, die bestürzt seien über diesen Datenabgleich.
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