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Was wir beim Barcamp Düsseldorf 2015 gelernt haben

Barcamp Düsseldorf 2015: Was wir über unsere Zukunft gelernt haben
Beim dritten Barcamp bei der RP diskutierten die Teilnehmer über Technologien von morgen. FOTO: Joshua Sammer
Düsseldorf. Warum kosten günstige Smartphones am Ende viel mehr als Premiumgeräte? Warum wird Virtual Reality wichtiger als YouTube? Was bremst wirklich die Asylanträge der Flüchtline? Wird Snapchat den Durchbruch schaffen? Und warum ist am Ende Print "geil"? Antworten gab es von den Teilnehmern des Barcamp Düsseldorfs, zudem wir am Wochenende eingeladen hatten. Von J. Conrady, H. Bulka, O. Havlat & D. Fiene

Die Themen hätten an diesem Wochenende unterschiedlicher nicht sein können. Aber das passiert, wenn die Digital-Szene sich für ein Wochenende bei der Rheinischen Post trifft, um über Technologie von morgen zu diskutieren, ohne die Herausforderung von heute zu vergessen. Wie auch an diesem Wochenende. 230 Teilnehmer kamen und haben zusammen 84 Sessions veranstaltet, wie die einzelnen Programmpunkte im Barcamp-Sprech bezeichnet werden. Bei dem Barcamp handelt es sich um eine Un-Konferenz. Das Programm wird erst jeweils morgens durch die Teilnehmer erstellt. 

Großen Anklang fand das Thema "Virtual Reality". Markus Hündgen, der Gründer des Deutschen Webvideopreises, brachte die 360-Gradbrille "Occulus Rift" mit, die eifrig ausprobiert wurde. "Webvideo hat es geschafft durch die Begleitung über soziale Netzwerke die Zuschauer näher an die Geschichten heranzuführen", so der Bewegtbild-Experte Hündgen. "Virtual Reality hat die Chance, den Zuschauern endlich zum Teil der Geschichte zu machen." Ab dem kommenden Jahr sollen diese Brillen verkauft werden, dann erwarten viele Branchenbeobachter einen Durchbruch dieser 360-Grad-Videotechnik.

Bei verschiedenen Programmpunkten ging es um die Sicherheit mobiler Geräte. Die Teilnehmer konnten lernen, dass Betrüger mit Schadsoftware auf dem Smartphone mehr Geld verdienen, als auf dem Drogenmarkt. Alex Burris, Schadstoffforscher von G Data, erklärte den Teilnehmern, warum es einen Haken gibt, wenn beispielsweise ein neues Samsung Galaxy Note 5 für 160 € angeboten wird. Das Original kostet rund 600 Euro, doch die Hersteller der Nachahmer installieren Schadsoftware auf dem Gerät, um bei dem Benutzer unerwünschte und gegebenenfalls schädliche Funktionen auszuführen. So werden zum Beispiel Kreditkarten-Informationen und persönliche Daten abgegriffen oder über Nacht fremde Apps installiert.

Überrascht vom großen Interesse an seinem Vortrag war Torsten Stollen, studierter Politikwissenschaftler und Controller beim Jobcenter Stuttgart. Er skizzierte dabei anhand vieler Zahlen und Fakten den Weg eines Flüchtlings von der Ankunft in Deutschland bis zur Aufnahme eines geregelten Arbeitsverhältnisses. Deutlich wurde dabei vor allem die akute Überlastung der Behörden, insbesondere des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Allein bis zur offiziellen Anerkennung als Flüchtling oder Asylberechtigter dauere es vermutlich ein Jahr, schätzt Stollen, weil sich Flüchtlinge immer wieder an anderen Stellen neu registrieren müssen. 300.000 Verfahren seien laut offizieller Statistik anhängig, Tendenz steigend. "Ich versuche, um Verständnis zu werben", so Stollen, denn die Belastung für die betroffenen Mitarbeiter sinke nicht, im Gegenteil: "Die Leute beim BAMF werden sich immer häufiger krank melden, wenn sie merken, dass sie es ohnehin nicht schaffen." In der Diskussion mit den Teilnehmern des Vortrags wurde schnell klar: Im Prinzip ist die Lösung für die Überlastungsprobleme simpel, jedoch gleichzeitig sehr schwierig umzusetzen, nämlich die Verdopplung des BAMF-Personals – eine Forderung, die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestützt wird. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter dauere jedoch ein dreiviertel Jahr, wirft Stollen ein, da nicht nur fachliche Kenntnisse von Nöten seien, sondern beispielsweise auch psychologische Schulungen. Und: "Es gibt niemanden, der weiß, wie viele Flüchtlinge wirklich kommen werden", so Stollen. Dass Bürger und Behörden die aktuelle Notsituation bewältigen müssen und deshalb wohl auch bewältigen werden, war jedoch schließlich einhellige Meinung in der Runde (Die Folien seiner Präsentation sind als PDF abrufbar).

Warum man in Sitzungen nicht immer klassisch Notizen in Schriftform machen muss, sondern sie auch zeichnen kann, erklärte Trainerin und Beraterin Bettina Schöbitz in ihrer Session zu "Sketchnotes". Diese manchmal schematischen, manchmal auch comicartigen Zeichnungen finden immer größere Verbreitung. Inhalte lassen sich als Bild viel besser merken und weitergeben, sagt Schöbitz. Das menschliche Gehirn sei darauf sehr stark ausgerichtet. Wie man einfache Sketchnotes anfertigt und was man dafür benötigt, erklärte sie den wissbegierigen Teilnehmern.

Digital-Berater Thomas Knüwer stellte in seiner Session mit dem Titel "Print ist geil" vor allem ungewöhnliche Werbeideen von Zeitschriften und Zeitungen aus dem Ausland vor. Die Überlegung hinter vielen der Aktionen: wie kann ein Printprodukt seinen Lesern einen Mehrwert bieten? Aus der Liste von Knüwers Lieblingsideen: eine laminierte Zeitungsausgabe, die sich als Regenschutz nutzen lässt; eine Zeitschrift mit Mini-Solarzelle, mit deren Hilfe brasilianische Strandgängern ihr Smartphone aufladen können, und eine Zeitungsausgabe, die mit einem Mückenschutzmittel versehen wurde, so dass sie ihre Leser vor dem Dengue-Fieber schützte (seine Präsentation gibt es ebenfalls).

Dass das Prinzip Barcamp auch für Unternehmen geeignet ist, erklärte Barcamp-Experte Stefan Evertz in einer Session. Kaum ein anderes Veranstaltungsformat eigne sich so sehr für die interne Vernetzung der Mitarbeiter untereinander, für die Identifikation von wichtigen Themen innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation, aber auch für den einfachen Zugang zu komplexen Themen. "Das wichtigste Kapital eines Unternehmens ist in der Regel das Wissen der Mitarbeiter", sagt Evertz. Wichtig sei also die Sicherung dieses Kapitals auch über Generationswechsel hinweg. Dafür seien Barcamps, die einfachen Wissensaustausch ermöglichen, bestens geeignet.

Bei unseren Kollegen von Tonight.de finden Sie Fotos vom Samstag und Sonntag.

Möglich gemacht haben das Barcamp die Sponsoren wie Kpunktnull, G Data, Targobank und Vodafone. 

(RPO)
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