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"Book a Style"
Wie ein Shopping-Start-up wieder in die Fußgängerzone lockt

Book a Style: Ein Online-Start-up stärkt die Fußgängerzonen
So sieht die Homepage des Startups "Book a Style" aus. FOTO: Screenshot bookastyle.com
Düsseldorf. Ein junges Unternehmen will Kunden per Internet wieder ins Kaufhaus locken. Es ist die Antwort auf einen neuen Trend im Online-Handel - das Curated Shopping. Bei Outfittery, Modomoto & Co. bekommen Kunden von Stylisten komplette Outfits zugeschickt. "Book a Style" hingegen setzt weiter auf die Fußgängerzone. Von Florian Rinke

Corinna Powallas Freund geht es so wie vielen Männern: Er kauft nicht gerne ein - wegen der Schlangen vor den Umkleidekabinen oder dem nervigen Durchklicken in den Online-Shops. Irgendwann übernahm Powalla das Einkaufen für ihn, suchte Kleidung aus, die er anschließend in Ruhe anprobieren konnte. "Mit jedem Einkauf lernte sie den Geschmack und die Vorlieben ihres Freundes besser kennen und wurde treffsicherer", sagt Andreas Fischer, Geschäftsführer des 2011 von Powalla und ihm gegründeten Start-ups Modomoto.

200.000 Kunden haben die Berliner nach eigenen Angaben, längst gibt es mit dem Start-up Outfittery und dem Zalando-Angebot Zalon ernsthafte Konkurrenz. Curated Shopping, wie das betreute Einkaufen über das Internet heißt, ist einer der großen Trends im Online-Handel. Dabei füllen Männer einen Online-Fragebogen aus und bekommen ein Paket mit abgestimmten Outfits zugeschickt. Bezahlen müssen sie nur, was sie auch behalten. Der Rest wird kostenlos zurückgeschickt.

Das Wachstumspotenzial ist aus Sicht der Branche riesig. "In der ersten Welle des Online-Handels ging es darum, das komplette Sortiment im Internet anzubieten. Jetzt ist es so, dass viele Kunden von der Masse des Angebots total überfordert sind", sagt Julia Bösch, Gründerin des Modomoto-Konkurrenten Outfittery. Der Markt für Männermode in Europa habe ein Volumen von rund 100 Milliarden Euro. Andreas Fischer glaubt, dass sich der Anteil der Curated-Shopping-Anbieter daran deutlich steigern lasse: "Wir sind erst bei einem Prozent der Marktgröße."

Fotos: Einige der 25 Frauen für die digitale Zukunft FOTO: Outfitery

Mit Internet- und TV-Werbung locken sie neue Kunden - auch auf die Gefahr hin, dass viele nur einmal bestellen. Das Risiko ist groß: Nur wer seine Kunden so gut kennt, dass er ihren Geschmack bei der Auswahl der Kleidungsstücke möglichst genau trifft, macht ein gutes Geschäft. Je mehr zurückgeschickt wird, umso teurer wird für die Online-Berater im Verhältnis die besondere Serviceleistung. Gewinn macht daher auch noch keines der Unternehmen, momentan geht es für sie um Wachstum. Und es geht darum, zu beweisen, dass die Kombination aus Modeexperte und Computerprogramm tatsächlich selbst dann sehr gut beraten kann, wenn der Kunde kilometerweit entfernt ist.

Jan Philipp Schreiber will die neuen Online-Anbieter nicht verteufeln. Doch der Bochumer ist fest davon überzeugt, dass viele Kunden Waren auch weiterhin anfassen möchten, den persönlichen Kontakt zum Verkäufer mögen - und sich von ihm gerne beraten lassen.

"Book a Style" heißt Schreibers Antwort auf den Curated-Shopping-Trend. Das junge Start-up will genau wie Modomoto, Outfittery und Co. über eine Online-Plattform den Modegeschmack der Kunden berechnen, um sie dann zu einer persönlichen Anprobe im Kaufhaus zu begrüßen. "Wir wollen einen digitalen Impuls für den stationären Handel setzen", sagt Schreiber, der sich nach seinem Wirtschaftsstudium zusammen mit Sabine Thubeauville selbstständig gemacht hat.

Er glaubt, dass die Modehäuser bislang noch viel zu wenig aus ihren Stärken machen: "Die Beratungsqualität in den Modehäusern ist noch sehr gut vorhanden. Das wollen wir nutzen", sagt Schreiber. Mit dem Modehaus Ebbers aus Warendorf haben die beiden Gründer bereits einen ersten Kunden gewinnen können, ein weiterer folgt im September. Ebbers-Kunden können seitdem bequem vom Sofa aus ihre Maße angeben, einen Termin vereinbaren und werden dann mit einigen zusammengestellten Outfits persönlich im Geschäft begrüßt. Die Software, die "Book a Style" entwickelt hat, wurde dazu einfach auf der Ebbers-Website integriert.

Und während bei Modomoto und Co. die Hose zurückgeschickt werden muss, wenn sie nicht passt, können Ebbers-Mitarbeiter kurzfristig aus dem Regal eine andere Größe greifen. "Der Kunde von heute kauft da, wo ihn ein Kauferlebnis erwartet. Dazu gehören auch maßgeschneiderte Angebote und ein persönlicher Berater", sagt Jan Philipp Schreiber. Aktuell spricht das Start-up mit rund 50 Modehäusern in Deutschland und Österreich. Der junge Unternehmer hat große Ziele: "In einem Jahr soll uns jedes Modehaus kennen." Und vielleicht probiert so ja irgendwann sogar Corinna Powallas Freund den Einkauf im Geschäft noch einmal neu aus.

Quelle: RP
 
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