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Polizei rüstet auf
Darknet – Organisierte Kriminalität im Netz

Darknet – Organisierte Kriminalität im Netz
Das "Darknet" ist ein Bereich im Internet, der von Suchmaschinen wie Google oder Bing nicht erfasst wird. FOTO: dpa, Frank Rumpenhorst
Düsseldorf. Im sogenannten Darknet gibt es Waffen und Pornos zu kaufen. Doch die Polizei rüstet technisch auf. Von Daniel Fiene und Henning Bulka

Wie unkontrollierbar ist das Darknet? Diese Frage rund um das englische Wort für "dunkles Netz" wird spätestens diskutiert, seitdem sich die Münchener Ermittler sicher sind, dass der Amokläufer David S. seine Waffe dort besorgte.

Der Teil des Internets ist nicht über den klassischen Browser erreichbar und gilt als Treffpunkt für Kriminelle und als Umschlagplatz für illegale Dienstleistungen und Waren. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes bewegt sich die organisierte Kriminalität in diesem Bereich zwar auf einem niedrigen Niveau, die Zahlen würden jedoch steigen.

Cybercrime-Kompetenzzentrum  des LKA NRW

Auch die Landesbehörden beschäftigt das Thema. So hat das Landeskriminalamt NRW 2011 das Cybercrime-Kompetenzzentrum gegründet. Mittlerweile arbeiten hier 100 Spezialisten, die neben sozialen Netzwerken auch das Darknet im Auge haben. "Es gibt viele Dinge zu kaufen, auch Waffen oder Kinderpornos", erklärt LKA-Sprecher Frank Scheulen.

Wie genau die Beamten bei ihrer Online-Streife vorgehen, will er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Doch er gibt zu: "Das Darknet ist darauf angelegt, nicht kontrollierbar zu sein. Verschlüsselungen werden eingesetzt, Server befinden sich im Ausland. Das behindert eine effektive Polizeiarbeit."

Trotzdem gebe es Erfolge. Dem LKA waren Bilder eines Jungen zugespielt worden, der wie ein Sklave in einem Käfig gehalten und zum sexuellen Missbrauch angeboten wurde. "Eineinhalb Jahre haben wir ermittelt. Schließlich konnte der Rechner in den USA aufgespürt, der Junge befreit und sein Vater, der Täter, festgenommen werden." Absolute Anonymität gibt es in der Schattenwelt des Internets nicht mehr.

Erst Handlungen können strafbar sein

"Das Darknet ist ein nicht so dunkler Ort, wenn man mit der Taschenlampe reinleuchtet", erklärt der Düsseldorfer Strafrechtler Udo Vetter. Die technische Aufrüstung der Strafverfolger zeige Wirkung. "Da wird man als Anwalt blass, was die in kürzester Zeit herausfinden. Die Behörden bewegen sich mit den Kriminellen auf Augenhöhe."

Sich im Darknet umzusehen und dort zu kommunizieren, ist nicht strafbar. Erst die Handlungen können strafbar sein. Anonymität im Netz gibt es außerdem schon mit simplen Verschlüsselungsprogrammen. "Die Kriminalität wird nicht nur von Masterminds beherrscht", weiß Vetter aus Erfahrung.

Für Vetter liegt das Problem nicht in der Verschlagenheit des Darknets, sondern in verschlüsselter Kommunikation, anonymisierten Bezahlwegen und vor allem missbrauchsanfälliger Logistik. "Irgendwie muss die Waffe ja auch an den Münchener Amokläufer geliefert worden sein. Hier fallen immer wieder Packstationen auf", erklärt Vetter. Es gibt Fälle, in denen mit Hilfe geklauter Identitäten Bestellungen aus dem Darknet in normalen Packstationen ausgeliefert wurden.

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Quelle: RP
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