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Leo Kuvayey hat die Spam-Welle ausgelöst
Der Teufel im Internet
Wie schützt man sich gegen Spam-Mails?
Wie schützt man sich gegen Spam-Mails? FOTO: Screenshot
Düsseldorf (RP). Leo Kuvayev ist die Online-Geißel des 21. Jahrhunderts: Er trat die Spamwelle los, die unsere E-Mail-Postfächer überschwemmt. Und er machte Phishing möglich - das Ausspionieren geheimer Kontodaten. Von Ludwig Jovanovic

Hinter unzähligen Internet-Adressen hält er sich verborgen und spinnt aus den digitalen Datenströmen sein eigenes Netz. Eins, das er auswirft. Tag für Tag. Als Flut von E-Mails mit zweifelhaftem Inhalt: auch Spam genannt. Und die Intelligenz dahinter würde zu einem jener Supergegner passen, die nur ein James Bond noch aufhalten kann.

Doch Leonid Aleksandorowitsch Kuvayev, der sich selbst "Leo" nennt, ist keine Fiktion. Der ehemalige Student der Elite-Uni MIT (Massachusetts Institute of Technology) ist der "König der Spammer". Jemand, der andere skrupellos ruiniert. Mit einem breiten Grinsen, das auch ein US-Gericht nicht von seinem Gesicht wischen konnte: 2002 wurde er in den USA zu 37 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Doch Leo setzte sich rechtzeitig ab. Nach Moskau, wo er noch residieren soll. Nahezu unbehelligt von den russischen Behörden, aber nicht untätig.

Kuvayev wurde am 13. Mai 1972 geboren. Mit einem Gespür für logische Zusammenhänge und der Fähigkeit, komplexe Systeme zu durchschauen. Das machte ihn zwar nicht zum Genie, aber zum begabten Außenseiter - dem "normale" Menschen und das gewöhnliche Leben vermutlich schon damals zu klein und bedeutungslos erschienen. Davon stand er abseits. Auch in der Familie nach der Geburt seiner drei jüngeren Schwestern. Doch "Leo" brauchte nur sich, ein wenig Zynismus und seine Intelligenz, mit der er Menschen aus dem Verborgenen heraus analysierte.

Als die Sowjetunion im Umbruch war, ging er in die USA und spezialisierte sich als Student auf künstliche Intelligenz. Dort erlebte er den Kapitalismus, der ihm endlich die Gelegenheit gab, seine Überlegenheit auch auszuspielen: Neben dem Studium verkaufte er billige Raubkopien und legte damit den Grundstein für sein Spam-Imperium.

In die Software baute er Hintertüren ein, um Computerviren und Würmer einzuschleusen. Über sie nutzte er die Rechner seiner Kunden, um anonym digitale Post zu verschicken. Werbe-Mails, die meist als Datenmüll im Postfach landeten. Doch Kuvayev setzte auf die Masse und die Wahrscheinlichkeit - und auf die von ihm leidenschaftslos diagnostizierte Schwächen vieler Männer: Millionenfach schickte er digitale Werbung für Potenzmittel, Penispumpen und Sex-Seiten raus. Und wenn nur ein kleiner Bruchteil der Empfänger reagierte, machte er ein Vermögen. Die Herkunft der Spams verschleierte er geschickt über mehrere Rechner.

Dann ging er dazu über, Billig-Aktien von wertlosen Unternehmen zu kaufen - und sie per Spam als Anlage-Geheimtipp anzupreisen. Zehntausende kauften die Aktien tatsächlich. Genug, um den Kurs nach oben zu treiben. Kuvayev war ein Gewinner, alle anderen Verlierer. Als er trotzdem aufflog, war er der US-Justiz ebenso einen Schritt voraus wie den Abwehrmechanismen gegen die unerwünschte E-Mail-Flut: Der Spam-Teufel floh und erfand den Trick, seine Post mit digitalen Photos zu tarnen. Und er programmierte mit "Spamthru" ein Meisterstück - einen PC-Wurm, der unter anderem 73.000 Rechner als Spam-Sender nutzen konnte.

Sein größter Coup aber: Er legte die Grundlagen für "Phishing", das Ausspähen geheimer Konto-Daten mit gefälschten E-Mails. Um seine Beute zu sichern, warb er naive "Geldwäscher" an- die gegen Provision das gestohlene Geld nach Russland sendeten. Als sie die überwiesenen Summen zurückzahlen mussten, waren sie ebenso ruiniert wie die Phishing-Opfer. Niemand sei "schlauer und teuflischer als er" schrieb er da auf einer Webseite.

Auf seiner ehemaligen Homepage dagegen präsentierte er sich als unauffälliger, weltoffener Computerstudent mit einem IQ von 145. Frauen konnten sich per Online-Formular als Freundin bewerben. Bei einem jungen Mann, der sich für alles interessiert, das "Spaß macht". Und das heißt heute, sein Netz weiter im Verborgenen zu spinnen und ein Gewinner zu sein.

Quelle: RP
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