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Konkurrenz für die Telekom
Niederrhein profitiert besonders von Glasfaser-Offensive

Deutsche Glasfaser fordert die Deutsche Telekom raus
FOTO: Schnettler
Borken/Düsseldorf. Mehr als 300.000 superschnelle Online-Anschlüsse könnte eine aus Holland gesteuerte Spezialfirma in den nächsten Jahren in NRW legen. Die Landespolitik begrüßt die Investitionen. Ein Gebiet profitiert besonders: der Niederrhein. Von Reinhard Kowalewsky

Der Countdown läuft. Bis Anfang Mai können Bürger im Neusser Stadtteil Uedesheim sich für einen superschnellen Online-Anschluss des Anbieters Deutsche Glasfaser verbindlich anmelden. Verpflichten sich 40 Prozent der Haushalte zu einem Zwei-Jahres-Vertrag, wird gebuddelt - am Wochenende hatten 35 Prozent zugestimmt. 500 bis 800 Meter pro Tag an neuen Kabeln lässt das Unternehmen dann direkt an die Häuser legen- als Übertragungstempo können die Familien dann 100 Megabit als Basispaket erhalten. "Damit könnten wir den Stadtteil zukunftsfest machen", sagt Gerda Meppelink, Vorstand der Deutschen Glasfaser. Auch Stefan Crefeld als örtlicher Stadtverordneter (CDU) ist begeistert. "Die Versorgung bisher ist hier teilweise gruselig. Nun hoffen wir auf den Sprung nach vorne."

300.000 Haushalte

Die Modernisierung in Uedesheim ist nur eines von knapp 220 Projekten im westlichen NRW, bei denen die Deutsche Glasfaser abseits der Metropolen für schnelleres Internet sorgt und sorgen will. Insgesamt könnten rund 200.000 Haushalte am Niederrhein erschlossen werden, in ganz NRW könnten es mehr als 300.000 werden. "Die haben sich fast unbemerkt zum in der Region wichtigsten Gegenspieler zur Deutschen Telekom entwickelt", lobt Torsten Gerpott, Betriebswirtschaftsprofessor aus Duisburg. "Die bringen mit einem intelligenten Konzept viele zehntausend Familien ins Zeitalter des schnellen Internets", sagt Markus Schroll, Berater für Onlineausbau. Und auch NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) ist zufrieden: "Wettbewerb belebt das Geschäft", sagt er und fordert Kommunen auf, beim Ausbau der Netze keineswegs nur auf Telekom, sondern auch auf den Neuling zu setzen.

Der größte Leidensdruck

Dabei setzt das Borkener Unternehmen auf eine Nischenstrategie. Die Zentren der großen Städte werden gemieden - denn da bieten Telekom oder der Kabel-TV-Anbieter Unitymedia bereits Tempo. Aber auch einfache Gehöfte erhalten keine Anschlüsse - zu teure Investitionen. Aber in den Vororten von Städten wie Mönchengladbach sowie dutzenden von Kleinstädten werden Kunden unter dem eigenen Namen sowie den Zweitmarken Bornet, Flink und unser Ortsnetz geworben. "Wir gehen dahin, wo wir den größten Leidensdruck vermuten", sagt Frau Meppebrink, "und fügen die Netze wie in einer Perlenkette in der Region aneinander."

Klar, dass es auch zu Konflikten kommt. So beschleunigt die Telekom anscheinend gelegentlich ihren Netzausbau, nur um befürchtete Vorstöße der Konkurrenz zu kontern. "So bindet der Marktführer Kunden an sich" sagt Berater Schroll, "und macht alternative Investitionen weniger lohnend."

Die Nachfrage ist da

Um viel Geld geht es dabei: Während die Deutsche Glasfaser ihre Investitionen anfangs alleine von ihrem niederländischen Mutterkonzern finanzieren ließ, sammelte sie vergangenes Jahr vom US-Investor KKR weitere 450 Millionen Euro ein, um Gas zu geben: Wie sie dabei aufs Tempo drückt, zeigen folgende Zahlen: In 67 Ortsteilen oder Gemeinden in NRW gibt es Anschlüsse, in 52 werden Bürger befragt, ob sie einen Vertrag unterschreiben, in 27 wird gebaut, undin 50 weiteren Ortsteile laufen Planung und/oder Prüfung, ob und wie der Netzausbau funktionieren kann. "Die gehen zügig vor", lobt Gerpott.

Nachfrage ist da: Rund ein Viertel der 8,5 Millionen Haushalte in NRW hat bisher keinen schnellen Online-Zugang, also etwas mehr als zwei Millionen. Die Deutsche Glasfaser pumpt fast 90 Prozent ihres Investitionsbudgets nach NRW. Bei 450 Millionen Euro ermöglicht dies mehr als 300.000 neue Anschlüsse alleine in NRW - ein Siebtel der Haushalte ohne schnellen Online-Anschluss wäre also versorgt.

Quelle: RP
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