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70.000 Haushalte pro Woche werden umgeschaltet
Internet-Telefonie nervt Telekom-Kunden

Deutsche Telekom: Kunden von Internet-Telefonie genervt
Die meisten Probleme nach der Umstellung auf einen Internet-Telefonanschluss können in kurzer Zeit behoben werden. FOTO: dpa, ve vfd fg
Bonn/Düsseldorf. In den nächsten Jahren will die Deutsche Telekom weitere rund zwölf Millionen Haushalte auf reine Internet-Anschlüsse umstellen - auch zum Telefonieren. Trotz Kritik hält der Konzern am Plan fest - immerhin sind neue Dienste möglich. Von Reinhard Kowalewsky

Wie reagiert ein in die Kritik geratener Riesenkonzern? Polemisch. "Wir leben nicht in Nordkorea", erklärt die Deutsche Telekom, als unsere Redaktion kürzlich fragte, ob es bei der Zwangs-Umschaltung von vielen Millionen Kunden hin zum neuen All-IP-Standard bleibe.

Doch dann gibt das Unternehmen zu, dass Kunden in der bisherigen ISDN-Technik weiterhin nur die Option erhalten, entweder die Umstellung auf reine Internettechnik hinzunehmen - oder den Vertrag eben gekündigt zu bekommen. "Das Thema Zwangsumstellung bewegt schon sehr viele Verbraucher", meint dagegen Miriam Rusch-Rodosthenous von der Verbraucherzentrale NRW. Die Kunden müssten ja die neue Technik akzeptieren oder sich notgedrungen einen neuen Anbieter suchen.

Wenige technische Veränderungen haben in den letzten Jahren eine so heftige Diskussion hervorgerufen, wie die Digitalisierung des Telekom-Netzes. "Wir schaffen das modernste Netz", jubelt Telekom-Chef Tim Höttges - und hat zum großen Teil Recht: Denn weil der Konzern das künftige Festnetz nur noch über digitale Rechenanlagen steuert, lassen sich neue Angebote wie Hausüberwachung, Heizungssteuerung, Telefonkonferenzen oder Video-Telefonie einfacher und günstiger schalten.

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70.000 Haushalte pro Woche werden umgeschaltet

Umgekehrt stöhnen Tausende Haushalte wegen Problemen bei der Umstellung - die Verbraucherzentralen und die Bundesnetzagentur sind alarmiert. "Wir haben 200 Beschwerden im Monat, obwohl wir künftig mehr Umstellungen erwarten", heißt es bei der Bundesnetzagentur. Denn aktuell werden etwas mehr als 70.000 Haushalte pro Woche umgeschaltet, also rund 3,5 Millionen im Jahr. Bis 2018 sollen aber statt bisher acht Millionen Anschlüssen alle 20 Millionen Verbindungen umgelegt sein - das Tempo legt also zu.

95 Prozent der Änderungen liefen reibungslos, behauptet die Telekom. Das bedeutet aber umgekehrt rund fünf Prozent Störfälle -also möglicherweise mehr als 500.000 Familien zeitweise ohne Festnetztelefon bis 2018. Und wie ärgerlich die Netzumstellung laufen kann, zeigt eine Umfrage der Verbraucherzentralen bei 1900 Kunden: 51 Prozent hatten zeitweise Netzausfall. Bei 31 Prozent klappten zeitweise Verbindungen nicht. Es kam zu Gesprächsunterbrechungen und zu blockierten Leistungen. "Es hakt ärgerlich oft, wir müssen da besser werden", gibt ein Telekom-Manager vertraulich zu.

Offiziell verweist ein Sprecher zu Recht darauf, dass sich bei der Internetumfrage sicher vorrangig Bürger beteiligten, die sich für das Thema wegen Problemen interessierten. Also sei das Ergebnis zwangsläufig viel zu negativ: "Die Millionen zufriedenen Kunden fallen da unter den Tisch."

Trotzdem müssen Kunden aufpassen: Wer umgestellt wird, sollte ein Handy bereit haben. So kann man der Telekom schnell mitteilen, falls die Leitung auffällt - und ein Ausfall lässt sich überbrücken. "Fast alle Fälle sind binnen 48 Stunden gelöst", behauptet Telekom-Experte Markus Jodl. So würde es oft helfen, wenn einfach ein zweites Mal umgeschaltet wird.

Die Umfrage der Verbraucherschützer bestätigt dies: Bei jedem zweiten Teilnehmer mit Störung war das Problem nach wenigen Stunden gelöst. Bei rund einem Viertel blieb die Leitung allerdings für länger als eine Woche tot - sicher keine repräsentative Zahl, aber ein ernstzunehmendes Problem. "Wo es länger dauert, sind die Gründe vielfältig", sagt Jodl, Software, Geräte und Menschen müssten zusammenspielen.

Alte Internet-Router sind oft nicht mehr nutzbar

Kunden müssen sich auch informieren, ob ihr Internet-Router für die Internet-Technik geeignet ist. Die Faustregel lautet: Alte Geräte sind oft unbrauchbar, neuere Geräte kommen mit der neuen Technik gut klar. Kunden mit alten Routern sollten also versuchen, der Telekom beim Abschluss des verlangten neuen Zwei-Jahres-Vertrages ein kostenloses Gerät raus zu locken. Damit würden sie je nach Ausstattung 80 bis rund 200 Euro sparen.

Die NRW-Verbraucherzentrale meint dagegen, die Telekom solle grundsätzlich jedem umgeschalteten Kunden bei Bedarf einen neuen Router bezahlen. Es sei unfair, dass bei der Umstellung auf All-IP die Laufzeit von Altverträgen nicht einfach übernommen wird. Das würde nämlich Kunden erleichtern, dann später zu einem anderen Anbieter zu wechseln, wenn der günstiger oder besser ist "Die Telekom sollte sich deutlich mehr Mühe geben, den Service bei der Umstellung zu verbessern", sagt Verbraucherschützerin Rusch-Rodosthenous.

Quelle: RP
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